Bürgermeister Auinger

„Salzburg braucht diesen Werbewert nicht“

Salzburg
27.05.2024 15:30

Bernhard Auinger, Sportressortleiter der Landeshauptstadt, sprach mit der „Krone“ über Red Bull, den Giro d’Italia und „essenzielle“ Projekte. Zudem stand er in ganz persönlichen Fragen Rede und Antwort.

„Krone“: Herr Auinger, ist Salzburg eine Sport- oder eine Kulturstadt?
Bernhard Auinger: Jetzt immer noch eine Kulturstadt. Aber ich glaube, dass wir bewiesen haben, dass es möglich ist, Salzburg zu einer Sportstadt zu machen. Wenn man sich die Projekte und Veranstaltungen der vergangenen fünf, sechs Jahre ansieht, dann ist uns sehr viel gelungen, meine ich. Manchmal haben wir auch Glück gehabt, dass Sportler wie Dominic Thiem (Salzburg Open) und Jakob Pöltl (Basketball-Länderspiele) zu der Zeit hier waren. Im Radsport sind Initiativen gestartet worden. Wir sind in Gesprächen mit der Tour of Austria, alle zwei Jahre eine Etappe auf den Gaisberg zu machen. Ich möchte den St. Johannern die Tour aber nicht ausspannen, darum geht es nicht.

Wie sieht es mit einer der drei großen Rundfahrten wie dem Giro d’Italia aus? Der Werbewert wäre noch um ein Vielfaches höher
Ich sage immer allen Veranstaltern: Kommt mir nicht mit dem Werbewert. Die Stadt Salzburg, die touristisch wirklich gut genützt wird, braucht diesen Werbewert nicht. Das soll nicht arrogant klingen. Aber wenn, dann brauchen wir diese Sportveranstaltungen für den Sport und für die Jugend. Ich halte die Tour of Austria nicht nur von den Kosten, sondern auch vom Zeitpunkt her für realistischer. Aber: Wenn es für den Giro ein gutes Konzept gibt und auch das Land Interesse hat, bin ich ebenso bereit, Partner zu sein.

Gibt es noch Platz für weitere Events in der Stadt, und welche wären das?
Es wäre cool, wenn wir in Richtung Leichtathletik (z. B. Stabhochsprung, Anm.) gehen, oder in die Richtung Wintersport. Das ist in Zeiten des Klimawandels aber schwierig, weil es Kritik hervorruft. Priorität haben die Projekte Eis-Trainingshalle und Schwimmhalle. Die müssen wir machen! Die Talente brauchen unbedingt Infrastruktur.

Der Bürgermeister ganz persönlich

Wer war Ihr sportliches Vorbild? 
Thomas Muster, auch wenn ich selbst nie wirklich Tennis gespielt habe. Wie er sich gequält hat, hat mich fasziniert. Deshalb ist er auch die Nummer eins geworden.

Wer ist Salzburgs größter Sportler aller Zeiten?
Marcel Hirscher, er war eine Ausnahmeerscheinung und ein unheimlicher Tüftler. Er hätte meines Erachtens nach alle Disziplinen beherrschen können.

Welche Sportarten konsumieren Sie?
Fußball, Eishockey und Formel 1. Ich stehe für ein Formel-1-Training um vier in der Früh auf. Wer in der Familie teilt diese Leidenschaft? Meine ältere Tochter! Als Kleinkind hat sie viel Zeit bei Sportveranstaltungen verbracht. Das dürfte ansteckend gewesen sein. Ich war schon zweimal beim Österreich-Ring in Spielberg mit ihr campen. Neben Tausenden Holländern. Mit Schlaf war da nix, aber sonst waren es tolle Erlebnisse.

Welche Sportarten üben Sie selbst aus?
Nach meinem zweiten Meniskuseinriss laufe ich jetzt einmal nicht, sondern bin in Physiotherapie und im Fitnessstudio. Das Laufen ist für mich ein Ausgleich zum Politiker-Dasein. So bleibe ich in Bewegung und halte mich fit. Sonst sind wir viel in den Bergen unterwegs: Skitouren, Bergsteigen, Wandern.

Welcher Fußballmannschaft drücken Sie die Daumen?
In Deutschland ist das für mich Werder Bremen. Die haben immer eine Stabilität gehabt, vor allem beim Personal. In Österreich war ich früher immer ein Tirol-Fan. Jetzt ist es klar, dass ich zu Red Bull Salzburg halte.

Wie sieht bei diesen Projekten der Zeitplan aus?
Wenn es politische Einheit gibt, ist die neue Trainingshalle in zwei bis drei Jahren fertig. Beim Hallenbad im Lepi müssen wir bis 2027 oder 2028 eine Lösung bieten, weil dann das Olympiazentrum Rif saniert wird. Bezüglich einer Sporthalle: Wenn wir hier in dieser Periode in Richtung Planung weiterkommen und vielleicht noch einen Spatenstich machen, dann, glaube ich, ist das realistisch.

Wie stehen Sie zur Lösung im Stadion in Maxglan? Sie haben lange Grödig forciert.
Ich trage die Lärmschutzwand mit, somit ist dieses auch abgesichert gegenüber dem Wohnbau. Wenn 100 Wohnungen weniger gebaut worden wären, wäre ich nicht dafür gewesen. Das ist die Heimat der Austria, so lange das alle wollen und alle mitspielen. Aber ich glaube nicht, dass es ein zweites Fußballstadion in der Stadt geben wird. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

Wenn die Austria doch nach Grödig wollen sollte?
Dann bin ich nach wie vor bereit, zu meinen Aussagen zu stehen. Das müsste auch mit meinem Bürgermeister-Kollegen Herbert Schober gut abgestimmt sein. Es braucht zuerst eine Verkehrslösung, das war immer die Bedingung. Wir würden die Miete übernehmen, dann wäre die Austria wirtschaftlich entlastet und müsste nur die Dinge zahlen wie in Maxglan. Die Ticketeinnahmen wären aber dreimal so hoch.

Tennis-Legende Thomas Muster faszinierte den SPÖ-Stadtchef mit seinem unbändigen Willen. (Bild: GEPA pictures/Ingrid Gerencser)
Tennis-Legende Thomas Muster faszinierte den SPÖ-Stadtchef mit seinem unbändigen Willen.
Mit der „Krone“ sprach Auinger (li.) in seinem Büro auch über das Stadion von Fußballverein Austria Salzburg. (Bild: Andreas Tröster)
Mit der „Krone“ sprach Auinger (li.) in seinem Büro auch über das Stadion von Fußballverein Austria Salzburg.

Wie stehen Sie zur monopolartigen Stellung von Red Bull im Salzburger Sport?
Bei der Infrastruktur sehe ich uns als Land und als Stadt in der Pflicht. In der Vergangenheit habe ich immer das Gefühl gehabt: „Red Bull macht das schon.“ Siehe Eisarena, Stadion usw. Gleichzeitig muss man zwischen dem Konzern und der Sportfirma unterscheiden. Das sind zwei verschiedene Philosophien. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ist sehr von Salzburg begeistert. Ich glaube, dass uns das garantiert, dass sie hier auch in den Standort investieren. Was sie bieten, lässt sich international sehen. Von da her können wir uns glücklich schätzen.

Was sollen die Leute nach ihrer Amtsperiode über Sie sagen?
Dass der Bürgermeister den Sport gemeinsam mit dem Land weiterhin vorangetrieben hat und dass in Salzburg auch in Richtung Sportstadt etwas weitergegangen ist. Dass für den Breiten- und Hobbysport etwas da ist, dass wir aber auch Infrastruktur für den Spitzensport bieten. Daran möchte ich gemessen werden. Da haben wir Baustellen beim Eis, beim Schwimmen und durchaus auch beim Tennis.

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