Mi, 18. Juli 2018

Virtueller Kick

05.10.2012 12:21

Kontrollverlust am Platz mit EA Sports' "Fifa 13"

Wenn in der Redaktion fast der Ausnahmezustand herrscht, kann das nicht viele Ursachen haben. Das neue iPhone ist es eher nicht, ein Stück Kuchen schon eher. In diesem Fall ist die neue "Fifa"-Version eingetroffen. Der "Messi der Fußball-Spiele" weckt eben so manche Begehrlichkeit. Wie beim kleinen Argentinier scheint das Spiel eine Wundertüte mit immer neuen Überraschungen zu sein.

Dabei war das nicht immer so: Der härteste Konkurrent, "Pro Evolution Soccer" von Konami, war dem Titel von EA Sports jahrelang spielerisch um einiges voraus. Mit der Zeit wurde es jedoch immer knapper, und jetzt verhält es sich so, wie mit den Fans von Messi und Ronaldo: Jeder behauptet, sein Idol wäre der bessere. Fakt ist, dass "Fifa" auch in der vorliegenden Version dank seiner Lizenzen die authentischsten Ligen und Spieler anbieten kann.

In Österreich tummelt sich auf dem Cover neben Messi - wie könnte es anders sein - der Liebling aller, nämlich David Alaba. Gut, wer einen der beiden in der eigenen Mannschaft hat, denn beim neuen Feature "First Touch Ball Control" ist die Technik eines Messi ein wahrer Segen. In "Fifa 13" haben nämlich die Fähigkeiten eines Spielers Einfluss auf die Ballannahme und -behandlung durch das Spielgerät.

Kontrollverlust
Während ein Edeltechniker wie Messi die Kugel fast schon zärtlich streichelt und gekonnt stoppt, bringen weniger begabte Kicker den Ball nur auf Raten unter Kontrolle. Mit Druck auf die Schultertaste kann der Spieler bei der Ballannahme unterstützt werden. Wer den Spielaufbau lieber dynamisch gestalten will, darf den Ball so in einer fließenden Bewegung annehmen und sich sofort in die Richtung des gegnerischen Tores orientieren.

Eigentlich eine feine Sache, sollte man meinen, spielt sich "Fifa 13" dank "First Touch Ball Control" doch wesentlich dynamischer, unberechenbarer und realistischer. Die Schattenseite aber ist: Die Sicherheit, dass ein Pass auch ankommt, ist nun nicht mehr gegeben. Der eine oder andere Fluch über diesen "Hundskicker" ist somit unausweichlich, wenn der entscheidende Konter damit endet, dass dem Stürmer der Ball vom Fuß springt.

Der Stärkere gewinnt
Die Chance, einen Zweikampf zu gewinnen, wird indes wie gehabt von der Physis der Spieler bestimmt. Kräftig gebaute Typen haben naturgemäß unbestreitbare Vorteile im direkten Duell, doch auch die anderen wissen sich zu wehren. Bei Zweikämpfen wird derart heftig gerempelt und am Trikot gezerrt, dass man sich fast in eine reale Partie hineinversetzt fühlt.

Leider haben die Schiedsrichter mit den Eigenheiten der sogenannten Impact-Engine jedoch so ihre Probleme und treffen mitunter merkwürdige Foul-Entscheidungen. Zugegeben: Mit viel gutem Willen könnte man jetzt behaupten, das sei doch in der Tat realistisch, da es bei echten Spielen schließlich auch schon mal die oder andere Fehlentscheidung gegeben haben soll. Damit machte man es sich dann aber doch zu leicht.

KI erkennt Vorteile im Raum selbstständig
Während der Schiri also schwächelt, bereitet die weiter verbesserte KI große Freude: Sie sorgt dafür, dass die Spieler vermehrt selbstständig in offene Räume stoßen und versuchen, Abseitsstellungen zu vermeiden. Bei Freistößen darf nun ein dritter Spieler hinzugerufen werden, um so noch variantenreicher agieren zu können. Die verteidigende Mannschaft muss sich aber nicht benachteiligt fühlen, da beliebig viele Spieler in die Mauer gestellt werden dürfen und sich bei Ausführung bei Bedarf in Richtung des Gegners stürzen. Dem noch nicht genug, werden ganz ausgefuchste einfach die Mauer Schritt für Schritt Richtung des Schützen bewegen. Doch Vorsicht! Ist der Schiedsrichter aufmerksam, gibt es für das Vergehen umgehend eine Gelbe Karte.

Während die Spieler in gewohnt guter Qualität über den Rasen sprinten, wirken die Zeitlupen und vor allem die Details drumherum, beispielsweise die Zuschauer, beim Konkurrenten "PES 2013" eindeutig besser. Dies gilt auch für die Präsentation außerhalb der Partien - hier hat "Madden NFL 2013" den Maßstab vorgeben. Eine Wucht sind bei "Fifa 13" allerdings die Fangesänge, die die Stadionatmosphäre schon nahezu perfekt einfangen.

Abhängig von der Tagesverfassung: Die Match-Day-Funktion
Der Umfang des Spiels ist nach wie vor mehr als nur ausreichend. Von Spielen zwischendurch bis hin zur Karriere als Spieler oder Trainer findet jeder das für sich Passende. Auch alle Multiplayer-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Zusätzlich zu den üblichen Modi gibt es wieder etwas Neues: Bei der Match-Day-Funktion werden reale Spielpläne nachgespielt. Der Clou daran ist, dass sich die Formkurven der Teams, respektive der Spieler, gemäß den Leistungen der lebenden Vorbilder ändern. Eine gute Idee, bei dem der Schwierigkeitsgrad allerdings davon abhängt, wie die eigene Mannschaft in der Realität gerade in Schuss ist.

Fazit: "Fifa 13" vereint viele Attribute des vom Cover entgegenlächelnden Messi. Es spielt auf höchsten Niveau, hat nur wenige Schwächen, ein großes Repertoire und eine einzigartige technischen Klasse. Und obwohl man vieles schon gesehen hat, ist man dessen noch nicht überdrüssig, da doch immer wieder Neues geboten wird. Ob jetzt "Fifa 13" oder "PES 2013" die bessere Wahl ist, bleibt zu einem Gutteil Geschmackssache. Viel trennt die beiden Titel nicht. Schlussendlich hat wohl "Fifa 13" die Nase knapp vorn. Genauso wie eben Messi einem Ronaldo um das Eutzerl überlegen ist.

Veränderung zum Vorgänger: Für "Fifa 12"-Besitzer rechtfertigen vor allem die "First Touch Ball Control" und - mit etwas Abstrichen - die verbesserte KI einen Wechsel zum Nachfolger. Das Spielgefühl kommt der Realität wieder ein Stückchen näher, ist aber mehr Evolution denn Revolution. Der Rest fällt unter die Kategorie "nette Ergänzungen".

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC, Wii, PSP, 3DS
Publisher: EA Sports
krone.at-Wertung: 9/10

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