So, 24. Juni 2018

krone.at-Interview

08.10.2012 15:21

Fuchs: "Ich steh' zu 100 Prozent zu meinem Spiel"

Er feiert demnächst seinen "50er" und ist trotzdem erst 26 Jahre alt - Schalke-Legionär Christian Fuchs wird beim nächsten Länderspiel zum bereits 50. Mal für das A-Nationalteam auflaufen. Was dem Pittener sein rundes Jubiläum gegen Kasachstan tatsächlich bedeutet, was er zum bisherigen Saisonverlauf seines Klubs Schalke 04 und dessen Ambitionen sagt, was er vom Hauptabnehmer seiner Flanken und von der Kritik an seiner Interpretation der Linksverteidiger-Position hält, das hat er nun krone.at erzählt.

krone.at: In Kürze steht das WM-Qualifikationsdoppel gegen Kasachstan auf dem Programm. Wäre es sehr vermessen, von Pflichtsiegen zu sprechen, wenn man die WM in Brasilien erreichen will?
Christian Fuchs: "Vermessen" würde ich nicht sagen, aber ich denke trotzdem, dass wir alles realistisch sehen müssen. Man hat gesehen, dass sich Irland sehr schwer getan und erst spät den Ausgleich und den Siegtreffer geschossen hat. Und wir selbst haben im Rahmen der letzten Qualifikation in Kasachstan auch gesehen, dass das kein Spaziergang wird. Wir im Nationalteam wissen schon sehr gut, wie wir den Gegner einschätzen müssen. Ich denke, das ist auch das Wichtigste. Natürlich kann die Erwartungshaltung von außen eine ganz andere sein, weil uns als Ziel quasi die Qualifikation ausgegeben worden ist. Aber wir bereiten uns sehr gewissenhaft darauf vor und vor allem auch mit dem gebotenen Respekt vor den Kasachen.

krone.at: Du stehst vor deinem 50. A-Länderspiel für Österreich - wird das eigentlich irgendwie feierlich begangen? Mal abgesehen vom vermutlich geplanten Jubiläumssieg?
Fuchs: (lacht) Es wird so sein wie bei jedem anderen Spiel, ganz ehrlich. Aber man muss schon sagen, dass es etwas Besonderes ist. 50 Länderspiele haben viele auch nicht erreicht, ich glaub' einige sind bei 49 stehengeblieben. Aber am Ende ist es ein Länderspiel wie jedes andere auch, in dem es ganz einfach nur darum geht, die Punkte zu holen und zu gewinnen.

krone.at: Wie lässt sich die Saison bisher so an für euch "Knappen"? Wie sieht dein Kurzresümee aus?
Fuchs: Ich denke, dass der Saisonstart schon ein ganz guter war, wobei wir leider unnötig Punkte liegen haben lassen. Etwa gleich im ersten Spiel gegen Hannover, wo wir wirklich eine sehr gute Leistung gezeigt und dann doch nur Unentschieden gespielt haben. Oder das Spiel gegen Düsseldorf, wo wir auch die klar bessere Mannschaft waren und die Düsseldorfer selbst nicht wissen, wie sie den Punkt geholt haben. Die sind erst durch Fehler aufgekommen, die wir produziert haben. Aber gut. Es geht im Fußball sehr schnell und du darfst dem nicht zu lange nachtrauern. Nein, man kann schon sagen, dass wir einen recht guten Start gehabt haben, wobei natürlich einiges mehr drinn gewesen wäre.

krone.at: Wie groß schätzt du die Chance ein, dass der deutsche Meister erstmals seit 1958 wieder Schalke 04 heißt? Als Dritter der Vorsaison müsst ihr euch ja fast höhere Ziele setzen, oder?
Fuchs: Ich weiß nicht, ob man sich die Ziele höher setzen muss. Ich glaub' eigentlich, dass es viel schwieriger ist, eine Leistung zu bestätigen, als sie einmalig zu erbringen. Immerhin: Wir haben uns vergangene Saison direkt für die Champions League qualifiziert, obwohl wir die Saison davor nur mit dem 14. Platz abgeschlossen hatten. Und jetzt, nein! Ich find', dass wir wieder auf dem richtigen Kurs sind. Es gibt natürlich immer Verbesserungspotenzial, etwa was die unnötig liegengelassenen Punkte angeht. Aber im Großen und Ganzen seh' ich es weniger so, dass wir uns ein Jahr nachdem wir uns für die Champions League qualifiziert haben und Dritter geworden sind, gleich höhere Ziele setzen sollten. Man muss bescheiden bleiben.

krone.at: Was fehlt euch für ganz oben? Außer den neun bzw. 17 Punkten Rückstand auf die Bayern und euren Erzfeind Borussia Dortmund in der Vorsaison? Ist es nur mehr die Erfahrung?
Fuchs:(überlegt lange) Das ist schwer zu sagen... (lacht) ... Das sind die Fragen, auf die freut man sich als Fußballer. Was fehlt? Am ehesten denk' ich, dass ein bisschen die Routine fehlt: Die Erfahrung, die man durch Spiele macht, in denen man Punkte liegen lässt und Fehler macht, die man vielleicht beim nächsten Mal abstellen kann. Das kann schon sein, dass unsere junge Truppe noch einiges an Lernprozessen vor uns hat. Aber ich glaube trotzdem, dass viel möglich ist in dieser Saison.

krone.at: Sechs Tore hast du in der vergangenen Saison allein eurem Torjäger Klaas-Jan Huntelaar aufgelegt, Pukki, Raul, Marica und Farfan jeweils "nur" eines - wieso funktioniert gerade das Zusammenspiel zwischen Klaas-Jan und dir so gut? Auch wenn er in eurem System als Solospitze der Hauptabnehmer von Flanken ist, es könnte sich ja auch vermehrt ein anderer Offensiver in Position bringen...
Fuchs: Es ist nicht so, dass wir speziell miteinander trainieren. Ich glaube, es wäre auch zu schwer, irgendwelche Abläufe zu trainieren, weil sie im Spiel dann sowieso immer ganz anders kommen. Klaas-Jan hat einfach einen extremen Torriecher und wir sind eingespielt. Natürlich achte ich darauf, wen ich anspielen kann, aber es braucht für eine gute Flanke auch einen Abnehmer, der den Ball nachher "reinmacht". Und so einer ist der Klaas.

krone.at: Vielleicht generell eine Positionsfrage - aus Mattersburg bist du einstmals als Außenbahnspieler eines 5er-Mittelfelds weggegangen, der jetzige Teamchef Marcel Koller hat dich dann in Bochum als Linksverteidiger eingesetzt - komischerweise beim vorletzten Länderspiel gegen die Türkei allerdings auch mal wieder ins Mittelfeld gestellt. Wo fühlt sich der Christian Fuchs denn eigentlich am wohlsten? Linksverteidiger? Links im Mittelfeld? Außenspieler in einem 5er-Mittelfeld?
Fuchs: Ich habe jetzt im Nationalteam gerade einmal links im Mittelfeld gespielt und finde, das Experiment ist nicht wirklich aufgegangen. Meiner Meinung nach, weil für diese Position ganz einfach ein anderes Verhalten notwendig ist.

krone.at: Man spricht von dir gerne als tollem Linksverteidiger, der Vorzüge in der Offensive, allerdings auch Schwächen in der Defensive hätte - das ist, wenn auch auf hohem Niveau, dennoch Kritik: Wie stehst du dazu?
Fuchs: Ich stehe absolut zu meinem Spiel, ich steh' zu 100 Prozent dahinter. Klar, ich weiß, dass mir auch Stellungsfehler unterlaufen, aber wenn man will, dass ein Verteidiger offensiv agiert, dann ist es zwangsläufig so, dass hinten Räume entstehen. Aber dafür sind wir dann als ganze Mannschaft verantwortlich, dass wir die nachher auch wieder schließen.

krone.at: In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Gerüchte, wonach noch größere Klubs als Schalke 04 an dir interessiert gewesen wären - Manchester United wurde da genauso genannt wie Barcelona. Mal abgesehen davon, dass das alles stets recht schnell dementiert wurde: Würdest du dir Klubs von diesem Kaliber denn zutrauen? Von der Spielqualität, der dortigen Spielweise, der Philosophie, dem Umfeld her?
Fuchs: Als Profi strebt man immer nach dem Höchsten, sicher, aber für mich ist das Höchste der Gefühle momentan ganz einfach Schalke. Wir spielen hier Champions League, wir spielen Bundesliga, wir sind überall vorne mit dabei. Solche Sachen sind immer schön zu lesen, aber im Endeffekt zählt das Tagesgeschäft und da muss ich meine Leistungen bringen. Und wenn die passen, dann kommt alles andere von ganz allein. Ich habe einen längerfristigen Vertrag auf Schalke, den ich auch bewusst so gewählt habe, und ich fühl' mich hier sehr wohl. Und wo man sich wohlfühlt, da ist man auch gerne.

krone.at: Ein schönes Schlusswort, liebe Grüße auf Schalke und viel Glück für das Länderspiel-Doppel.

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