Trumer-Chef Seppi Sigl

„Ich bin froh, dass es Zeiten des Zweifelns gab“

Salzburg
21.04.2024 11:00

Seppi Sigl, Chef der Salzburger Privatbrauerei Trumer, sprach mit „Krone“ -Redakteurin Elisa Torner in der Interview-Reihe „Torners Dinner“ über Nachhaltigkeit und was die Auto-Ausflüge seiner Eltern damit zu tun haben.

Krone: Herr Sigl, ich freue mich auf unser Dinner heute. Die Trumerei gehört auch zu Ihrem Unternehmen?
Seppi Sigl: Die Idee mit der „Trumerei“ hat sich zufällig ergeben. Das war vor zehn Jahren, als wir das Lokal eröffnet haben, ein großer Schritt. Weil es fernab war von dem, was wir eigentlich gemacht haben: Bier. Wobei ich der Meinung bin, dass Bier und Kulinarik sich sehr gut ergänzen und tolle Geschmacks-Kombinationen entstehen können.

Sie tanzen auf vielen Hochzeiten, probieren offensichtlich auch gerne Neues aus. Kann das alles zusammen funktionieren?
Ich bin aufgewachsen mit dem Motto meines Vaters: Alles anders als die anderen. Daher kommt, glaube ich, mein Mut auch neue Wege zu gehen. Auf Hindernisse stoße ich dabei schon auch: Viele Leute waren anfänglich zum Beispiel irritiert, als ich die Idee hatte, zusätzlich auch einen Haferdrink machen zu wollen.

Beim Interview gab es ein vegetarisches Curry und Crème brûlée mit Hafermilch zum Probekosten. (Bild: Tschepp Markus)
Beim Interview gab es ein vegetarisches Curry und Crème brûlée mit Hafermilch zum Probekosten.
„Die Idee mit der Trumerei hat sich zufällig ergeben. Das war vor zehn Jahren, als wir das Lokal eröffnet haben, ein großer Schritt“, erzählt Sigl beim Dinner. (Bild: Tschepp Markus)
„Die Idee mit der Trumerei hat sich zufällig ergeben. Das war vor zehn Jahren, als wir das Lokal eröffnet haben, ein großer Schritt“, erzählt Sigl beim Dinner.

Sie haben das Familienunternehmen in achter Generation übernommen. Eine Bürde oder ein Geschenk?
Ich bin eng verbunden mit der Brauerei aufgewachsen. Muss aber ehrlich sagen, ich hatte meine Phasen, wo ich Zweifel hatte, ob das wirklich das ist, was ich will. Rückblickend bin ich froh, dass es diese Zweifel gegeben hat. Nur so habe ich reflektieren können, wo meine Stärken und Talente wirklich liegen. Im Endeffekt war es eine sehr bewusste Entscheidung, ins Familienunternehmen einzusteigen.

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Ich bin wirklich saufroh, dass ich zehn Jahre lang auch was anderes gesehen habe. Aus der Zeit, die ich im Ausland verbracht habe, habe ich viel gelernt.

Sigl über seine Zeit vor der Übernahme

Haben Ihre Eltern Sie während der Übernahmephase unterstützt oder hat sich das eher als Konkurrenzkampf gestaltet? Manchmal driften Vorstellungen innerfamiliär ja sehr weit auseinander.
Mein Vater hat mir von Anfang an versprochen, dass er die Übergabe anders gestalten will, wie mein Großvater damals bei ihm. Das war tatsächlich eine sehr langwierige Geschichte, auch mit einigen Reibungspunkten. Mein Vater hat sein Versprechen gehalten und sich ein Jahr nach der Übergabe komplett zurückgezogen. Er hat mir in künftige Entscheidungen dann auch kaum mehr reingeredet. Wenn ich Fragen hatte, konnte ich mich aber immer an ihn wenden. Ich muss aber auch sagen, dass ich ohne das Management-Team um mich herum den Einstieg wahrscheinlich nicht so ohne Weiteres in dieser Schnelle geschafft hätte. Ich war zuvor ja zehn Jahre weg aus Salzburg.

Gut zehn Jahre lang lebte Sigl im Ausland, ehe er das Familienunternehmen in Obertrum übernahm. (Bild: Tschepp Markus)
Gut zehn Jahre lang lebte Sigl im Ausland, ehe er das Familienunternehmen in Obertrum übernahm.

Wow, das ist aber ganz schön lange!
Ja, ich bin ehrlich gesagt saufroh, dass ich zehn Jahre lang auch was anderes gesehen habe (lacht). Ich war lange in Wien, dann in Kopenhagen, Berlin und Hamburg. Ich habe dort wirklich Vieles gelernt. In der Zeit, wo ich in Berlin war, ist diese Craft-Beer-Bewegung losgegangen. Neue und moderne Sorten sind auf den Markt gekommen. Da habe ich gespürt: Ich will auch etwas kreieren – und bin zurück nach Salzburg (lacht). Dann war ich wirklich bereit fürs Familienunternehmen.

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Grundsätzlich bin ich schon ein umtriebiger, unruhiger Geist. Ich sehe natürlich immer Dinge, die besser sein könnten. Auch an mir selber.

Sigl über seinen Perfektionismus

Das ist mittlerweile auch wieder zehn Jahre her – sind Sie zufrieden mit dem, was Sie in dieser Zeit erreicht haben?
Grundsätzlich bin ich ein umtriebiger, unruhiger Geist. Als Unternehmer geht das, glaube ich, nicht viel anders (lacht). Und ich bin auch perfektionistisch veranlagt und sehe natürlich immer Dinge, die besser sein könnten. Auch an mir selber. Aber unterm Strich muss ich sagen, dass ich schon sehr zufrieden bin.

Zur Person

Seppi Sigl wird 1982 in Salzburg geboren. Er besucht dort das Gymnasium und anschließend die Tourismusschule in Kleßheim. Sein Studium der Internationalen Betriebswirtschaft schließt er in Wien ab. Nach Anstellung bei einem Braukonzern in Hamburg und Aufenthalten in Berlin beschließt er, die Trumer Privatbrauerei in 8. Generation zu übernehmen. Seppi Sigl ist verlobt und hat zwei Kinder. Die Familie lebt in der Stadt Salzburg.

Wenn Sie zehn Jahre vorausblicken, was wünschen Sie sich?
Die nächste Generation ist mir wichtig. Nicht nur, weil wir erst kürzlich unser zweites Kind bekommen haben. Sechs Monate ist der Kleine jetzt alt.

Herzlichen Glückwunsch!
Danke! Unser erster Sohn ist ja schon viereinhalb. Aber auch vor seiner Geburt war dieses Generationendenken irgendwie schon in mir. Ich habe mich zum Beispiel selber als Kind immer geärgert, wenn meine Eltern mit zwei Autos in die Stadt fahren mussten. Ich kann nicht sagen warum, aber ich fand das damals schon nicht nachhaltig. Wahrscheinlich hätte ich ein leichteres Leben, wenn mich solche Dinge nicht aufregen würden (lacht). Dafür hilft es mir jetzt als Unternehmer nachhaltig zu denken. Und ich persönlich fahre vorzugsweise mit dem Rad (lacht). Das habe ich auch aus meiner Zeit in Kopenhagen mitgenommen. Da kommt man mit dem Fahrrad überall wunderbar hin.

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Ich habe mich als Kind geärgert, wenn meine Eltern mit zwei Autos in die Stadt fahren mussten. Ich fand das damals schon nicht nachhaltig.

Sigl über nachhaltiges Handeln

Wie würden Sie sich wünschen, dass Ihre Kinder die Brauerei in neunter Generation übernehmen?
Sofern sie das denn überhaupt wollen, ist mir die Hauptsache, das Unternehmen gesund zu übergeben. Und vielleicht ist unser Haferdrink bis dahin im Markt-Regal etwas weiter nach oben gerutscht, momentan steht er noch recht weit unten (lacht). Ernsthaft: Ich hoffe generell, dass pflanzenbasierte Ernährung künftig noch mehr Anklang in der Bevölkerung findet.

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