Pelz, Teppiche und Co.

Mit falschem Auktionshaus hunderte Opfer abgezockt

Gericht
19.04.2024 16:00

Unter dem Deckmantel von falschen Auktionshäusern schwatze ein 47-Jähriger 282 Opfern ihre Wertgegenstände ab. Der sonst so redselige Deutsche, gibt im Wiener Landesgericht aber nicht viel von sich, außer: „Absolut schuldig. Ganz schuldig.“ Die Geschädigten sind mit dem Urteil alles andere als zufrieden.

Beschämt nimmt der 47-Jährige in der Mitte des großen Schwurgerichtssaals in Wien Platz. Hinter ihm sitzen in den ersten zwei Reihen seine Opfer, die ihm böse Blicke zuwerfen. Immerhin hat er sich um ihren Besitz und hunderte Tausend Euro gebracht. Unter dem Deckmantel von falschen Auktionshäusern versprach er Pelzmäntel, Teppiche, Gemälde, Gold und Schmuck zu versteigern. Ihre Wertgegenstände sahen die großteils Pensionisten aber nie wieder. 

„Jedes einzelne Faktum stimmt“
„Er hat eine gewisse Akquise, was Antiquitäten angeht“, erklärt der Staatsanwalt. Das illegale Geschäft zog er professionell auf: Zeitungsinserate, überzeugende Webseiten und Verkaufsveranstaltungen in Kärnten. Im Umgang mit seinen Kunden soll der Deutsche sehr redselig gewesen sein, heute vor Gericht gab er sich wortkarg, aber geständig. Sein Verteidiger Peter Philipp: „Er gibt heute die Erklärung ab, dass jedes einzelne Faktum stimmt.“

Verteidiger Peter Philipp (Bild: Gerhard Bartel)
Verteidiger Peter Philipp

Und das sind immerhin 282 Anklagepunkte: schwerer gewerbsmäßiger Betrug in unzähligen Fällen, Unterschlagung, Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung und falsche Beweisaussage. Der 47-Jährige selber kommentiert: „Absolut schuldig, ganz schuldig.“ Damit spart er dem Gericht wohl einen wochenlangen Prozess. Denn nachdem sein Anwalt Peter Philipp einen Privatbeteiligtenanschluss nach dem anderen in der Höhe von mehreren tausend Euro anerkennt, fällt nach drei Stunden auch schon ein Urteil: Drei Jahre teilbedingt, davon eins im Gefängnis. 

Pelze im Keller gefunden
Die anwesenden Geschädigten sind damit nicht zufrieden, ihnen ist das Urteil zu mild. Der Schöffensenat argumentiert mit Resozialisierung: Der Deutsche arbeitet mittlerweile bei einem Mobilfunkanbieter. Die Hälfte der Gefängniszeit saß er auch bereits in U-Haft, für die restlichen sechs Monate werde sein Verteidiger eine Fußfessel beantragen.

Im Ermittlungsverfahren konnten einige der abgeluchsten Wertgegenstände beim falschen Auktionator sichergestellt werden. „Er hortete sie in seiner Wohnung und in seinem Keller“, klärt der Staatsanwalt auf. 600 Pelzmäntel konnten in einem Kellerabteil in Müllsäcken sichergestellt werden – für die verlangte er bis zu 200 Euro Reinigungsgebühren. Zwar wurden sie ihren rechtmäßigen Besitzern wieder zurückgegeben, Freude hatten sie daran aber keine mehr. Schimmel und Motten hatten sich die Kleidungsstücke längst zu eigen gemacht ...

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