Patientinnen als Opfer

Arzt vor Gericht: Waren es wirre Fantasien?

Burgenland
09.04.2024 15:30

Fortsetzung vor Gericht: Ein Arzt aus dem Südburgenland soll Patientinnen missbraucht haben. Eine Frau belastet den Mann schwer. Sagen will er dazu beim Prozess nichts.

Akademikerbonus zum Auftakt: Während man jeden x-beliebigen Strauchdieb knipsen darf, sprach die Vorsitzende des Schöffengerichts in Eisenstadt ein striktes Fotografier- und Filmverbot aus. Unüblich, aber im gesetzlichen Rahmen.

Angeklagter entschlug sich seiner Aussage
Scheu wirkte der Angeklagte, der sich zum wiederholten Male unschuldig bekannte und sich der Aussage entschlug. Zart rosa färbten sich seine Wangen, als ein Opfer über das Martyrium berichtete.

Sexuelle Fantasien und Halluzinationen?
Im Dezember 2022 war der Mediziner aus dem Südburgenland zu drei Jahren Haft verurteilt worden, davon zwei bedingt, weil er vier Patientinnen in der Aufwachphase sexuell missbraucht haben soll. Die kennen einander nicht. Der Nichtigkeitsbeschwerde wurde stattgegeben, der Oberste Gerichtshof entschied auf eine Neuaustragung des Prozesses. Denn: Ein vor der Magen- oder Darmspiegelung verabreichtes Sedativum könne sexuelle Fantasien und Halluzinationen verursachen.

Diesbezüglich sagte der Verteidiger des Arztes nun zwei bemerkenswerte Sätze, wertfrei: „Keine Pharmafirma will das auf einem Beipacktext vermerken.“ Und: „Frau D. will es am wenigsten wahrhaben, dass es passiert ist.“

„Es geht um alle Frauen“
D. jedenfalls trug vor, was passiert sein soll. Ihre Prämisse: „Hier geht es nicht um mich! Es geht um alle Frauen. Ich will nicht, dass so etwas je wieder geschieht.“ Konkret reden wir jetzt über das Streicheln und Saugen der Brust im Dämmerzustand und laut Staatsanwalt über digitale Penetration. „Er hat mir irgendwas in die Scheide eingeführt. Ob das ein Finger war oder ein Frankfurter Würschtl, kann ich nicht sagen. Es war schrecklich. Mehrmals wurde die Frau von Weinkrämpfen gebeutelt, der Doktor musste dann den Saal verlassen, damit die zitternde Frau ihre Worte wieder finden konnte.

Die drei weiteren Opfer schwächten den ursprünglichen Vorwurf gegen den Arzt teilweise ab. Es könne auch sein, „dass ich mir das alles nur eingebildet habe“. D. blieb wacker: „Er hat das in einer Art gemacht, dass es nicht das erste Mal gewesen sein kann. Da bin ich mir sicher.“ Das Urteil wird für heute, Dienstag, erwartet.

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