Lange rannten die Rapidler vergeblich gegen das serbische Bollwerk an, ehe ihnen vom polnischen Schiedsrichter Robert Malek ein Elfmeter zugesprochen wurde, der bei den Novi-Sad-Kickern die Emotionen hochgehen ließ. Deni Alar blieb davon unbeeindruckt und verwandelte in der 91. Minute zum 1:0, in der 97. Minute ließ Terrence Boyd das 2:0 folgen - damit erzielte Rapid alle drei Tore in den beiden Partien gegen Vojvodina in der Nachspielzeit.
Boyd: "Die waren noch einmal so dumm"
Boyd hatte davor den Strafstoß herausgeholt, über dessen Rechtmäßigkeit seiner Meinung nach kein Zweifel bestand. "Das war ein klarer Elfmeter. Ich war froh, dass die noch einmal so dumm waren und mich wie schon in Serbien im Strafraum gefoult haben", erklärte Boyd.
Steffen Hofmann hatte den Penalty in Novi Sad vergeben, daher verzichtete der Deutsche auf einen neuerlichen Versuch. "Das war noch alles zu frisch, immerhin habe ich letzte Woche gegen diese Mannschaft einen Elfmeter verschossen. Man soll das Glück nicht überstrapazieren", sagte der Kapitän.
Gleich nach dem Elferpfiff schnappte sich der eingewechselte Alar den Ball und marschierte derart entschlossen zum Punkt, dass Hofmann erst gar nicht in die Versuchung kam, den Strafstoß auszuführen. "Er hat mir gesagt, dass er sich gut fühlt. Dann habe ich ihm gesagt, er soll den Ball reinhauen", erzählte Hofmann.
Alar: "Ich war sicher, dass ich treffe"
Alar tat wie befohlen und avancierte damit zum Aufstiegs-Garanten, schließlich hatte er schon im Hinspiel in der 96. Minute das Auswärtstor erzielt. "Ich war mir sicher, dass ich treffe", meinte der Ex-Kapfenberger, der sich schon lange vor der Ausführung auf die rechte Ecke festgelegt hatte. Dass sich Vojvodina-Goalie Nemanja Supic nach links warf, war laut Alar unerheblich. "Auch wenn er in der richtigen Ecke gewesen wäre, hätte er den Ball nicht gehabt."
Schöttel konnte Elfer nicht mit ansehen
Peter Schöttel wusste fast eine Stunde nach dem Match noch immer nicht, in welcher Ecke der Elfmeter überhaupt eingeschlagen hatte. Der Coach war dermaßen nervös gewesen, dass er dem Spielfeld den Rücken zugewandt hatte. Umso größer war die Erleichterung nach der souveränen Verwertung durch Alar. "Ich freue mich sehr für ihn. So ohne ist das nicht, diesen Elfer zu schießen, da war der Druck schon groß. Es spricht für seinen Reifeprozess, dass er den Ball nimmt und reinschießt."
Schöttel hatte Alar nicht zum Ausführenden des Penaltys bestimmt. "Das haben sich die Spieler untereinander ausgemacht. Ich habe eigentlich gedacht, ich brauche nie wieder einen Elferschützen bestimmen, solange Hofmann da ist", schmunzelte der 45-Jährige und freute sich über einen "richtig schönen Rapid-Europacupabend".
Die Erleichterung bei Schöttel war riesig, schließlich wäre ein internationales Ausscheiden kurz nach dem 0:3 im Derby gegen die Austria und kurz vor dem Duell mit Red Bull Salzburg ganz besonders bitter gewesen. "Die letzten Tage waren nicht einfach, aber die Mannschaft hat das sehr gut verkraftet", sagte Schöttel.
Noch bevor er die zum Elfmeter führende Szene gesehen hatte, sprach Schöttel von einem gerechten Ausgang. "Wir hatten weit mehr Chancen und haben viel mehr fürs Spiel gemacht. Dass der Sieg und der Aufstieg verdient waren, steht außer Frage."
Vojvodina-Trainer: "Eine Schande"
Vojvodina-Trainer Zlatomir Zagorcic ist ganz anderer Meinung. "Es ist eine Schande, uns wurde das Spiel gestohlen", schimpfte der Coach mit Hinweis auf den Elfmeter und musste sich ganz offensichtlich zurückhalten, keine deftigeren Worte zu gebrauchen.
Schöttel dagegen störte lediglich die Tatsache, als einziger österreichischer Verein im Europacup verblieben zu sein. "Das ist schade. Admira und Ried haben tolle Spiele gegen starke Gegner abgeliefert, aber Salzburg müsste auf jeden Fall noch dabei sein."
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