Wer wissen will, wie sozial und feinfühlig der Staat Österreich mit seinen Bürgern umgeht, möge die Einrichtung der sogenannten Bildungskarenz beachten. Wer wissen will, wie großzügig oder besser: verschwenderisch der Staat mit unserem Steuergeld umgeht und sich auch ein Stück vom Kuchen holen mag, kann selbst um Bildungskarenz ansuchen. Unbürokratisch und mit einfacher Bestätigung der „Bildungseinrichtungen“ lassen sich auf Staatskosten Hobbys vertiefen, Selbstfindung betreiben oder Berufswege neu planen. Sage und schreibe mit einer halben Milliarde Euro schlägt das zu Buche: Sommelier-Ausbildungen, Pilates-Fertigkeiten oder Ferienliebe-Fremdsprachen-Kurse lassen sich so tatsächlich finanzieren.
Egal, ob als Verlängerung der Babykarenz oder bezahlte Auszeit, in der man dem mit Kosten kämpfenden Arbeitgeber helfen kann: Die Zahl der Bildungskarenz-Genießer steigt und steigt. Geplant war die Bildungskarenz einst, um Menschen mit schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zur besseren Qualifikation zu verhelfen. Die meisten Karenzler sind jedoch Höhergebildete. Mission krachend gescheitert. Die türkis-grüne Gießkanne will nun eventuell doch gegensteuern und diese international einzigartige Wellness-Maßnahme eindämmen. Zumindest Experten-Minister Martin Kocher will die Regeln zart verschärfen. Die Grünen müssen auch noch zustimmen. Schwierig. Könnte doch das eine oder andere grüne Regierungsmitglied nach der Wahl selbst um Bildungskarenz anfragen müssen/wollen.
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