04.07.2012 14:50 |

Schlag gegen Szene

Polizei fasst bei Aktion "Carole" 272 Kinderporno-Nutzer

Bei einem weltweiten Schlag gegen die Kinderporno-Szene sind in 141 Ländern Tausende Verdächtige ausgeforscht worden, davon allein in Österreich 272 Personen. Das gab Innenministerin Johanna Mikl-Leitner am Mittwoch bekannt. Im Zuge der Ermittlungen wurden in Österreich auch zwei Fälle von massivem Kindesmissbrauch aufgeklärt.

Laut Chefinspektor Harald Gremel vom Bundeskriminalamt, das unter seiner Leitung die Ermittlungen in Österreich koordinierte, war der Ausgangspunkt der rund ein Jahr laufenden Untersuchung der Betreiber eines Root-Servers in Luxemburg. Dieser stellte fest, dass über zwei seiner Homepages weltweit große Mengen von kinderpornografischem Material verbreitet wurden, und verständigte die Behörden in seinem Land.

Die beiden Kinderporno-Ermittler Luxemburgs machten sich an die Arbeit. Sie beschlagnahmten die Datenverkehr-Protokolle der betreffenden Seiten und leiteten sie an die Polizeibehörden aller involvierten Staaten weiter. In Österreich übernahm das Bundeskriminalamt die Dateien und forschte 272 Verdächtige in allen Bundesländern aus. Die Hausdurchsuchungen übernahmen die Landeskriminalämter und stellten Material, teilweise im Terabyte-Bereich, sicher.

Alle Bundesländer betroffen
Die mit Abstand meisten Verdächtigen leben in Wien (68), gefolgt von der Steiermark mit 44, Niederösterreich mit 40, Oberösterreich mit 35, Kärnten mit 25, Salzburg mit 20, Vorarlberg und Tirol mit jeweils 14 sowie dem Burgenland mit zwölf. Gremel zufolge kamen die Ausgeforschten aus nahezu allen Berufssparten, auch Lehrer und Kindergärtner waren darunter. Alle 272 Verdächtige sind männlich.

Im Zuge der Operation "Carole" klärte die österreichische Polizei auch zwei Fälle von Kindesmissbrauch auf. In einem Fall hatte ein 61-jähriger Salzburger die Tochter seiner Lebensgefährtin sowohl zu Hause als auch an gemeinsamen Urlaubszielen wiederholt schwerst missbraucht. In einem zweiten Fall hatte ein Wiener seine drei Taufkinder missbraucht. Er hat bereits gestanden, Gremel zufolge laufen die Untersuchungen noch.

Tauschen für viele als "Einstiegsdroge"
Ewald Ebner, Leiter des Büros für allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt, betonte, dass für manche Verdächtigen der Konsum am Beginn des Einstiegs in die Szene steht und dass sie früher oder später zu Verteilern oder gar Produzenten werden können. Er stellte auch klar, dass man nicht zufällig zum Kinderpornokonsumenten wird: "Auf solche Bilder stößt man nicht, die muss man schon suchen."

Bei manchem Pädophilen kann der Konsum zur regelrechten Sucht führen. Bei einer Hausdurchsuchung lebte ein Verdächtiger in einer sogenannten Messie-Wohnung. Er hatte Hunderttausende Missbrauchsfotos gespeichert und war den ganzen Tag damit beschäftigt, diese zu kategorisieren und zu ordnen. Soziale Kontakte hatte der Mann nicht mehr, berichtete Ebner.

An der Spitze der Vertriebsebene stehen sogenannte Hardcore-Foren: Hier müssen Interessenten selbst Fotos beibringen, um eingelassen zu werden. "Das heißt, sie müssen schon selbst missbraucht haben", erläuterte der BK-Büroleiter. "Kinder sind für sie nur Objekte der Lust und nichts anderes." Die Täter würden sich in solchen Foren für sicher halten.

Warnung vor hinterhältigen Pädophilen-Tricks im Internet
Ebner warnte auch vor sogenannten Groomern, also Pädophile, die sich in Social Networks oder Chatrooms an ihre Opfer heranmachen. Eine Variante ist, sich als Gleichaltriger auszugeben und so an ein Treffen zu gelangen. Die andere Variante ist, ganz offen als väterlicher Freund aufzutreten und sich so das Vertrauen des Opfers zu erschleichen. Die Minderjährigen werden überredet, Nacktfotos von sich zu verschicken, und dann damit unter Druck gesetzt, dass sie sich mit dem Täter treffen. Die Meldestelle "Kinderpornographie und Kindersextourismus" (meldestelle@interpol.at) verzeichne immer mehr Fälle von "Grooming", so Ebner.

Eltern müssten ihren Kindern klarmachen, dass sie sich nur in Begleitung eines Freundes mit einer Internetbekanntschaft treffen sollten. Auch sollten sie dem Getroffenen sofort mitteilen, dass ihre Eltern von dem Treffen wissen, empfahl der BK-Experte. Nicht zuletzt sollten sich Eltern nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" hin und wieder den Verlauf ansehen, nachdem ihre Kinder am Computer agiert haben.

Ebner wies im übrigen darauf hin, dass die Meldestelle auch Touristen zur Verfügung steht, die Fälle von Kindesmissbrauch im Urlaub wahrgenommen haben.

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