Inwieweit war Ihnen Red Bull Salzburg bisher ein Begriff?
Roger Schmidt: Natürlich kannte ich alle drei Vereine. Der Einstieg in Salzburg, New York und Leipzig war mir ein Begriff und auch aus der Ferne sehr spannend zu beobachten.
In Paderborn hat man Ihnen fast schon ein Denkmal gesetzt. Jetzt begeben Sie sich in ein Pulverfass. Sind Sie ein Masochist?
Schmidt: Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin da ein absoluter Bauchmensch. Es hätte schon einiges passieren müssen, dass ich vom SC Paderborn weggehe. Ich war mit Leib und Seele bei diesem Verein und Paderborn ist seit 20 Jahren meine Heimatstadt. Deshalb habe ich das eine oder andere Angebot nicht angenommen, ja nicht einmal angehört. Aber diese Konstellation bei Red Bull Salzburg, etwas Neues aufzubauen, hat mir imponiert.
Die Überlebensdauer eines RB-Salzburg-Trainers betrug bisher nicht viel länger als ein Jahr. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
Schmidt: Ja, aber das ist im Fußball nichts Außergewöhnliches. Mit unserem Konzept ist ja auch verbunden, eine gewisse Stetigkeit auf der Trainerposition herzustellen. Ich glaube fest daran, dass ich es länger schaffen kann.
Ihrer Karriere sicherlich nicht abträglich wäre, wenn Sie die Champions-League-Qualifikation schaffen würden. Wie soll aus der bisherigen "Mission Impossible" die "Vollendete" werden?
Schmidt: Indem wir unseren Weg konsequent gehen. Dazu müssen wir uns alle weiterentwickeln und perfekt im Detail arbeiten. Wir müssen eine Stabilität in die Mannschaft bekommen und Waffen haben, die in engen Spielen, die uns erwarten werden, dann auch etwas besser sind als der Gegner. Wenn man sich große Ziele setzt, dann hilft nur eins, nämlich brutal hart arbeiten.
Eine ihrer Trainerphilosophien ist die aggressive Balleroberung und das damit verbundene schnelle Umschalten von Defensive auf Offensive. Ein bisheriges Problem der Mannschaft. Wie wollen Sie das in kürzester Zeit in die Gänge bringen?
Schmidt: Wir können nicht in drei Wochen in allen Bereichen perfekt werden. Wir wollen uns im Laufe der Zeit weiterentwickeln und versuchen, das im Training als absoluten Schwerpunkt zu setzten. Da muss man durch viele positive, aber auch negative Erlebnisse dann entsprechend die Stellschrauben finden, die die Mannschaft braucht.
Sie kennen mittlerweile die Mannschaft halbwegs. Haben Sie auch die Spieler dazu?
Schmidt: Ich maße mir auch nicht an, alle Spieler nach drei Tagen hundertprozentig einschätzen zu können. Die Trainingsmentalität ist sehr gut, aber für mich auch Grundvoraussetzung. Es ist die entsprechende Qualität vorhanden, um durch hartes Training in der Lage zu sein, auch diese Schwerpunkte zu setzen.
Ist das Einkaufsprogramm mit Dibon, Klein und Ilsanker abgeschlossen?
Schmidt: Ich schließe den einen oder anderen Neuzugang nicht aus. Wir werden uns ein Bild machen, den Markt beobachten und dann schauen, was möglich ist und auch Sinn macht.
Im Vorfeld ihrer Bestellung hat es einen Disput zwischen Leonardo und Maierhofer gegeben. Könnte dies zu einem größeren Problem werden?
Schmidt: Der Fußball lebt nun einmal auch von Emotionen. Leonardo hat sich bisher in den Trainings sehr gut präsentiert. Für mich besteht kein Anlass, ein Problem daraus zu machen. Allerdings muss eine Mannschaft funktionieren. Jeder hat sich bei mir so zu verhalten, dass die Mannschaft keinen Schaden nimmt. Man braucht nicht immer einer Meinung sein. Aber letztendlich muss das auf einer Ebene passieren, die das ganze Gefüge nicht kaputt macht.
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