Sa, 21. Juli 2018

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14.05.2012 17:53

Voodoo trifft Piratentricks: "Risen 2" sticht in See

Auf die legendäre Rollenspiel-Reihe "Gothic" folgte 2009 "Risen": Die Spiele des deutschen Entwicklerteams Piranha Bytes sind bekannt für lebendige Spielwelten voller Entdeckungen, gesprächige Bewohner und massig Kämpfe. Nun ist "Risen 2: Dark Waters" erschienen - und baut auf alte Tugenden auf. Das Setting jedoch ist ungewohnt, denn nun herrschen trickreiche Piraten und Voodoo-Zauber.

Titanen sind nicht nur bei den alten Griechen ein Ärgernis, sondern auch in "Risen 2": Aufgrund ihrer Angriffe mit verschiedensten Monstern steht die Welt am Rande des Zusammenbruchs. Dem nicht genug, hat sich der namenlose Held aus Teil eins auch noch dem Suff ergeben.

Zum Glück wird seine alte Flamme Patty, die Tochter des Piraten Stahlbart, nach dem Angriff eines Seeungeheuers an Land gespült. Patty weiß um magische Artefakte, die die Titanen in ihre Schranken weisen sollen - also macht sich der namenlose Held mit ihr auf, hierfür Inseln und Küstenabschnitte zu erkunden.

Schiff eröffnet volle Freiheit
Die Story ist so klischeelastig wie nebensächlich, doch das ist ob des unverbrauchten Karibik-Flairs und der Welt voller Aufträge und versteckter Schätze Nebensache. Etwa die Hälfte der gut 30 Stunden Spielzeit verbringt der Held auf vorgegebenen Pfaden, dann aber hat man sich ein eigenes Schiff verdient, mit dem man die Inseln nach Lust und Laune ansegeln kann.

Und 'ne Buddel voll Rum...
Sporen verdient sich der Nachwuchspirat wie gewohnt mit verschiedensten Aufträgen, meist sind Gegenstände zu besorgen, Monster zu töten oder menschliche Gegner in die Schranken zu weisen. Das ist zwar nicht besonders kreativ, macht dank der netten Hintergrundgeschichten und guten Dialoge aber dennoch Spaß - zudem sich der Spieler des Öfteren zwischen verschiedenen Lösungswegen entscheiden darf.

Freie Charakterentwicklung
Die verdienten Ruhmespunkte investiert man in fünf Attribute: Klingen, Feuerwaffen, Härte, Gerissenheit und Voodoo. Diese wirken sich auf je drei Talente aus, die man wiederum auch bei Lehrern verbessern kann - gegen Gold, versteht sich. Auch neue aktive und passive Fähigkeiten, 60 an der Zahl, lassen sich so erlernen, das sorgt für reichlich Freiheit bei der bevorzugten Spielweise.

Mitstreiter gesucht
Das tropische, äußerst atmosphärische Setting - vom Strand über verruchte Piratenstädte bis zum Dschungel - erkundet man allein oder mit einem von mehreren Begleitern. Diese verfügen über Spezialfähigkeiten, so heilt etwa die Voodoo-Hexe Chani, während Musketen-Meister Venturo Gegner plättet und der witzige Gnom Jaffar Gegenstände einsackt. Auf den Fortgang der Geschichte haben die Begleiter allerdings keine Auswirkung, sie melden sich lediglich hin und wieder zu Wort - hier wäre deutlich mehr drin gewesen.

Waffen en masse
Immerhin hilft der Begleiter in den Kämpfen kräftig mit - und von denen gibt es eine ganze Menge. Der namenlose Held rettet mit verschiedensten Waffen seine Haut, neben einer Vielzahl Stich- und Schusswaffen erwirbt er bei der Fraktionswahl die Möglichkeit, Musketen (Inquisition) oder Voodoo (Eingeborene) zu nutzen. Ausrüstung gibt's bei Händlern, in vergrabenen Schatztruhen, mit Fallen gespickten Tempeln und Häusern zu finden. Dort muss allerdings meist ein nerviges Minispiel zum Schlösserknacken absolviert werden. Wer darauf keine Lust hat, darf beim Schmieden mithilfe von Bauplänen selbst Klingen und Schusswaffen herstellen. Außerdem sind quer über die Inseln legendäre Gegenstände - die die Charakterwerte verbessern - versteckt, die auf ihre Entdeckung über kryptische Hinweise warten.

Klicken bis zum Umfallen
Die Kämpfe sind trotz der Waffenauswahl leider oft eintönig, da vor allem Klickorgien der linken Maustaste gefragt sind. Immerhin kann der Held außerdem Wurfwaffen oder Bomben nutzen und lernt im Verlauf der Geschichte eine große Auswahl schmutziger Tricks, etwa den schnellen Schuss aus der Pistole, Feuerspucken oder das Blenden des Gegners mit Sand. Zudem wurde mit dem ersten Patch einer der größten Kritikpunkte am Kampfsystem ausradiert: Man kann nun endlich ausweichen. Zudem Auch das Blocken der meisten Monster- und Tierattacken ist jetzt möglich, sodass der Held weniger Schaden nimmt.

Voodoo und ein pelziger Helfer
Statt traditioneller Waffen kann der Spieler bei "Risen 2" auch auf Voodoo setzen. Einmal erlernt, lassen sich verschiedenste Zepter anfertigen, dank derer Feinde vor Schreck erstarren oder aufeinander losgehen. Das klappt allerdings nicht immer wie gewünscht, außerdem geht es Gegnern mit Pistole und Degen wesentlich schneller an den Kragen. Witzig, aber ebenfalls selten wirklich nötig, ist die Möglichkeit, Voodoo-Puppen anzufertigen. Mit einer solchen lässt sich ein NPC quasi fernsteuern. Ebenfalls keativ, aber unter seinem Potenzial, ist das kleine Äffchen, das der Held kaufen und anschließend immer mit sicher herumtragen kann. Ist ein Gegenstand in ansonsten unerreichbaren Höhen oder hinter zu engen Spalten versteckt, übernimmt der Spieler kurzzeitig den Körper des pelzigen Helfers.

Seebären und andere Inselbewohner
Aber auch als menschlicher Abenteurer gibt es in "Risen 2" eine Menge zu erkunden. In den detailverliebt gestalteten Städten warten brummige Seebären mit Nebenaufträgen, man kann Gold schürfen oder auf die Jagd gehen, gruselige Höhlen erkunden und Schätze ausgraben. Piraten wie Eingeborene verfügen über einen Tagesablauf und haben - in durchweg gelungenen Dialogen - eine Menge zu sagen. Die Geschichte wird zudem über mehr Zwischensequenzen als von den Entwicklern bisher gewohnt erzählt.

Urlaub vor dem Bildschirm
Zur Glaubwürdigkeit der Welt trägt auch der Sound bei, der stimmungsvolle Musik mit glaubwürdigen Umgebungsgeräuschen vermischt. Er passt ebenso gut zur karibischen Atmosphäre wie die Grafik: Stimmungsvolle Licht- und Wettereffekte setzen die Landschaften so schön in Szene, dass Urlaubsfeeling aufkommt. Nur einige abgehackte Animationen, vor allem beim Springen und Rennen, und Grafikbugs trüben hin und wieder die Stimmung. Und auch, dass der namenlose Held ein Haus ausrauben kann, um wenig später wieder freudig begrüßt zu werden, wirkt ab und an merkwürdig.

Fazit: Bei Begleitern wie der Erzählung hätten die Entwickler etwas nachlegen können, zudem arten die Kämpfe trotz gewitzter schmutziger Tricks zu oft in Klickorgien aus. Das gerät jedoch angesichts des unverbrauchtes Setting, das Karibikfeeling versprüht und mit einer riesigen Spielwelt zum Erkunden einlädt, zur Nebensache. Gute Dialoge, motivierende Charakterentwicklung und zahlreiche interessante Extras wie Äffchen, Voodoo oder Waffenschmiede locken zusätzlich - "Risen 2" bietet Piratenfeeling pur.

Plattform: PC (getestet), Xbox 360, PS3
Publisher: Deep Silver
krone.at-Wertung: 8/10

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