Armee griff Dorf an

Nigeria: Dutzende Zivilisten versehentlich getötet

Ausland
05.12.2023 09:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es sollte eine „Routinemission gegen Terroristen“ der nigerianischen Luftwaffe sein. Stattdessen wurden bei einem Drohnenangriff auf ein Dorf im nordwestlichen Bundesstaat Kaduna versehentlich mindestens 85 Zivilisten getötet. Die Suche nach weiteren Opfern dauert an.

Die nigerianischen Streitkräfte hatten am Montag eingeräumt, bei einem Drohnenangriff, der Rebellen gelten sollte, am Sonntagabend versehentlich Dorfbewohner getroffen zu haben, die im Dorf Tudun Biri ein muslimisches Fest gefeiert hatten. Zuvor hatte das Militär noch dementiert, die feiernden Muslime angegriffen zu haben. Die Anschuldigungen hatte zuerst Samuel Aruwan, ein Vertreter des Ministeriums für innere Sicherheit in Kaduna erhoben. Laut Aruwan sei die Luftwaffe „auf einer Routinemission gegen Terroristen“ gewesen.

Viele Frauen und Kinder unter Opfern
Die Armee machte zunächst keine Angaben zur Zahl der Todesopfer, laut der nigerianischen Katastrophenschutzbehörde wurden 85 Tote nach dem Angriff bereits bestattet. Mehr als 60 Personen seien verletzt worden. Die Suche nach weiteren Opfern dauere an. Dorfbewohner sprachen ebenfalls von 85 Toten, darunter viele Frauen und Kinder.

Die nigerianischen Streitkräfte bekämpfen im Nordwesten und Nordosten des Landes die islamistische Terrorgruppe Boko Haram sowie gewalttätige Banditenmilizen. Dabei kommen häufig militärische Drohnen zum Einsatz. Die Banden sind vor allem im Nordwesten Nigerias aktiv, ihre Stützpunkte befinden sich tief in den Wäldern. Sie überfallen und plündern Dörfer und entführen Bewohner, um Lösegeld zu erpressen.

Millionen Menschen bei Kämpfen vertrieben
Im Nordosten Nigerias hatten zudem Dschihadisten große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht, wurden zuletzt aber zurückgedrängt. Mehr als 40.000 Menschen sind seit 2009 bei Kämpfen getötet und zwei Millionen Menschen vertrieben worden.

In der Vergangenheit ist dem Militär bereits mehrfach vorgeworfen worden, versehentlich Zivilisten im Zuge von Luftangriffen getötet zu haben. In der Kleinstadt Rann im nordöstlichen Bundesstaat Borno bombardierte die Luftwaffe 2017 versehentlich ein Lager für Binnenvertriebene und tötete mehr als 100 Menschen.

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