Türchen 11: Töpfern ist aktuell wieder voll im Trend! Warum das so ist und weshalb immer mehr Männer auf die künstlerische Arbeit setzen, erzählt Andrea Rex von der Keramikwerkstatt in Köttmansdorf. Experten wissen, wie Töpfern auch der Psyche und der Motorik guttun kann.
Einen Klumpen Ton in eine Tasse verwandeln. Das ist die Aufgabe, die mir Andrea Rex in ihrer Keramikwerkstatt gestellt hat. „Am einfachsten geht’s mit der Daumentechnik, damit fangen alle meine Kunden an“, erklärt die Künstlerin bei dem Workshop, den sie in ihrer Werkstatt in Köttmannsdorf abhält.
Zuerst wird der Ton zu einer Kugel geformt, dann in die Mitte mit dem Daumen ein Loch gedrückt, die Innenseite mit gleichmäßigem Drücken ausgehöhlt. Die Kugel wird gedreht, wir formen sie zu einer Tasse. Mit dieser Technik lässt sich auch viel Anderes machen.
Vorsichtig taste ich mich heran, es könnte ja etwas brechen. „Schnell arbeiten, damit der Ton nicht austrocknet! Bricht etwas, kann man es leicht reparieren“, sagt die Kunstexpertin und prüft nach, bessert aus, gibt Tipps.
Meine Tasse wird noch verziert, dann folgt der nächste Schritt: die Lufttrocknung. Meine noch recht rudimentär wirkende Tasse kommt in den Ofen.
Ton wird im Brennofen getrocknet
„Der ganze Prozess dauert mehrere Tage“, erklärt die ehemalige Bühnenmalerin, die in Kärnten eine von den wenigen ist, die einen Brennofen bei sich zu Hause stehen hat.
Denn: „Diese alte Methode ist sehr aufwendig und wegen riskanten Brennstoffen gar nicht ungefährlich. Der Ofen muss deshalb in einem eigenen Raum stehen! Aber dieser Brennkessel, der sich auf über 1000 Grad erhitzt, zeichnet laut Rex das „echte Handwert“ aus und sie fügt hinzu: „Auch eine Töpferscheibe gibt es bei mir nicht!“
Immer mehr Männer töpfern
Sie erzählt, dass immer mehr Männer ihre Kurse besuchen wollen. „Früher haben nur Frauen getöpfert, Männer wollten davon nichts wissen. Sie kommen mittlerweile aber auf den Geschmack.“
Das hat wohl seinen Grund: Die Arbeit mit Ton wirkt nämlich sehr entspannend. „Zu mir kommen auch Ärzte und Manager, die einfach nur abschalten und den Stress vergessen wollen“, erklärt sie. „Das Töpfern wirkt sich positiv auf die Motorik aus, daher wollen auch viele erkrankte Menschen mit mir arbeiten.“
Das kann Irmhilde Guggenbichler, Ergotherapeutin am Klinikum Klagenfurt, nur bestätigen, denn: „Ein meditativer Zustand, die Aktivierung der Kreativität und die Entladung von Spannungen.“
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Dass das alte Handwerk gegen Stress wirkt, dem stimmt auch Psychologin Elke Leitner zu: „Da sich die Gedanken voll und ganz der Arbeit widmen, bleibt kein Raum, sich in die Probleme des Alltags zu verhaken. Die Arbeit mit Ton bringt eine ruhige Wirkung mit sich und wird deshalb auch oft als Therapiemethode eingesetzt.“
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