"Wollen helfen"

Brüderpaar kocht in Wiener Wirtshaus für Bedürftige auf

Österreich
12.02.2012 18:29
Sonntag, elf Uhr. Die schwere Eingangstür des Hopfhauses geht auf. "Ich hab gehört, es gibt was zu essen", sagt der Mann. Nicht ungewöhnlich in einer Gaststätte, sollte man meinen. "Naja, normalerweise haben wir am Sonntag geschlossen", sagt Alexander Angerer (Bild links). Nicht an diesem. "Brauchen Sie eine Bestätigung?", fragt der Gast nach. Wirt Angerer lacht: "Nein, setzen Sie sich einfach hin, und lassen Sie sich verwöhnen!"

Maximilian W. tut, was ihm gesagt wurde. Er sucht sich einen Platz in einem Winkerl des Wirtshauses im 22. Wiener Bezirk. Der 54-Jährige hat lange nichts Warmes mehr gegessen, er lebt auf der Straße, schläft in einem Zelt. "Die Kälte alleine tötet keinen Menschen", erzählt der Obdachlose, während er die heiße Gemüsecremesuppe löffelt. "Wind, Nässe und Alkohol töten." Das hat er während seiner Militärlaufbahn gelernt - damals. Heute gönnt er sich ab und an einen Ein-Euro-Kaffee. Mehr geht nicht.

"Wir wollten was Gemütliches"
Am Sonntag braucht er kein Geld. Der 42-jährige Alexander Angerer und sein 39-jähriger Bruder Richard (weiteres Bild) haben ihr Hopfhaus geöffnet - ausschließlich für Bedürftige. Gulasch, Schnitzerl, Pangasius. Alles kostenlos. Mehr als 200 Portionen. "Uns geht's allen so gut", sagt Alexander Angerer. "Also wollten auch wir helfen." Eine Suppen-Ausspeisung kam für das Brüderpaar aber nicht infrage: "Wir wollten was Gemütliches." 

"Das Gulasch ist traumhaft"
Der 69-jährige Ferdinand P. (Bild), Mindestrentner, "Säufer", wie er sich selber bezeichnet, schneidet ins frisch herausgebackene Schnitzerl. Wirtshäuser? Die besucht er normalerweise nicht: "Lieber eine Dose Bier zu Hause." Kostensparend.

Der 53-jährige Heinz Kunkel schwärmt: "Das Gulasch ist traumhaft." Weiß Gott, wann er so etwas zum letzten Mal genossen hat. Mittlerweile ist es nach Mittag, Alexander Angerer wirkt nervös, weil das Lokal nicht brechend voll ist. Ein Gast hat eine Erklärung: "Wir schämen uns. Wer will schon solche wie uns in einem Gasthaus sehen?" Die engagierten Brüder nahmen das so hin, packten um 15 Uhr das restliche Essen ein und brachten es weg - direkt zu den Obdachlosen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
12.02.2012 18:29
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung