Maximilian W. tut, was ihm gesagt wurde. Er sucht sich einen Platz in einem Winkerl des Wirtshauses im 22. Wiener Bezirk. Der 54-Jährige hat lange nichts Warmes mehr gegessen, er lebt auf der Straße, schläft in einem Zelt. "Die Kälte alleine tötet keinen Menschen", erzählt der Obdachlose, während er die heiße Gemüsecremesuppe löffelt. "Wind, Nässe und Alkohol töten." Das hat er während seiner Militärlaufbahn gelernt - damals. Heute gönnt er sich ab und an einen Ein-Euro-Kaffee. Mehr geht nicht.
"Wir wollten was Gemütliches"
Am Sonntag braucht er kein Geld. Der 42-jährige Alexander Angerer und sein 39-jähriger Bruder Richard (weiteres Bild) haben ihr Hopfhaus geöffnet - ausschließlich für Bedürftige. Gulasch, Schnitzerl, Pangasius. Alles kostenlos. Mehr als 200 Portionen. "Uns geht's allen so gut", sagt Alexander Angerer. "Also wollten auch wir helfen." Eine Suppen-Ausspeisung kam für das Brüderpaar aber nicht infrage: "Wir wollten was Gemütliches."
"Das Gulasch ist traumhaft"
Der 69-jährige Ferdinand P. (Bild), Mindestrentner, "Säufer", wie er sich selber bezeichnet, schneidet ins frisch herausgebackene Schnitzerl. Wirtshäuser? Die besucht er normalerweise nicht: "Lieber eine Dose Bier zu Hause." Kostensparend.
Der 53-jährige Heinz Kunkel schwärmt: "Das Gulasch ist traumhaft." Weiß Gott, wann er so etwas zum letzten Mal genossen hat. Mittlerweile ist es nach Mittag, Alexander Angerer wirkt nervös, weil das Lokal nicht brechend voll ist. Ein Gast hat eine Erklärung: "Wir schämen uns. Wer will schon solche wie uns in einem Gasthaus sehen?" Die engagierten Brüder nahmen das so hin, packten um 15 Uhr das restliche Essen ein und brachten es weg - direkt zu den Obdachlosen.
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