Wahlergebnis nun fix
Ägypten-Wahl: Islamisten holen 70 Prozent
Großer Wahlsieger ist die Partei der Muslimbruderschaft (im Bild Parteichef Mohammed Morsy) sowie ihre Bündnispartner, die 45,7 Prozent der Stimmen erringen konnten. Diese Parteien bezeichnen sich selbst als "moderat islamisch". Allerdings wünschen sie eine noch stärkere Rolle der Religion im Staat als beispielsweise die tunesische Islamisten-Partei Ennahda.
Für die größte Überraschung sorgte die radikal-islamische Partei des Lichts ("Hizb al-Nour"). Diese landete auf dem zweiten Platz und sicherte sich gemeinsam mit anderen kleineren Parteien aus dem Lager der Salafisten 24,6 Prozent der Sitze. Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei belegt demnach mit 8,4 Prozent den dritten Platz, gefolgt von der neuen liberalen Ägyptischen Allianz mit 6,6 Prozent. Die sogenannte Revolutionsjugend, die im vergangenen Jahr mit Massenprotesten den Sturz von Präsident Hosni Mubarak herbeigeführt hatte, ist in dem neuen Parlament kaum vertreten.
Militärrat darf zehn Mandate verteilen
Bei der Wahl, die in drei Etappen stattfand und sich vom 28. November bis zum 18. Jänner hinzog, waren insgesamt 498 Sitze zu vergeben. Weitere zehn Mandate darf der Oberste Militärrat verteilen, der nach dem Sturz von Mubarak die Macht übernommen hatte. Unter Mubarak waren diese Plätze traditionell an Frauen und Angehörige der christlichen Minderheit vergeben worden.
Die erste Parlamentssitzung ist für den kommenden Montag geplant. Dann steht die Wahl des Parlamentspräsidenten an. Es wird erwartet, dass der Generalsekretär der Partei der Muslimbrüder, Saad al-Katatni, gewählt wird. Seine beiden Stellvertreter werden wahrscheinlich ein Mitglied der Wafd-Partei und ein Mitglied der Partei des Lichts.
Bis zum Sommer sollen die Ägypter außerdem noch die Abgeordneten der Zweiten Kammer (Shura-Rat) wählen. Dann soll unter Mitwirkung des Parlaments eine neue Verfassung formuliert und dem Volk zum Referendum vorgelegt werden. Im Juni steht dann die Präsidentschaftswahl an.
"Sehr große Krise" mit Israel erwartet
Der israelische Nahost-Experte Yoram Meital erwartet nach dem Wahlsieg der Islamisten eine "sehr große Krise" im Verhältnis zwischen Israel und Ägypten, aber keinen Bruch. "Der Wahlsieg der Muslimbrüder und der Salafisten ist beispiellos", sagte Meital der Nachrichtenagentur dpa. Israel reagiere auf den überragenden Wahlsieg der Islamisten mit "Entsetzen". "Damit hat wirklich niemand gerechnet."







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