Wahlergebnis nun fix

Ägypten-Wahl: Islamisten holen 70 Prozent

Ausland
20.01.2012 20:33
Bei der ersten freien Parlamentswahl in Ägypten haben die Islamisten auf ganzer Linie gesiegt. Sie erhielten laut dem amtlichen Endergebnis 70,4 Prozent der 498 Mandate, wie die ägyptische Zeitung "Al-Shorouk" am Freitagabend auf ihrer Website berichtete. Nun wird erwartet, dass Ägypten einen härteren Kurs gegenüber Israel einschlagen wird. Die erste Parlamentssitzung ist für Montag geplant.

Großer Wahlsieger ist die Partei der Muslimbruderschaft (im Bild Parteichef Mohammed Morsy) sowie ihre Bündnispartner, die 45,7 Prozent der Stimmen erringen konnten. Diese Parteien bezeichnen sich selbst als "moderat islamisch". Allerdings wünschen sie eine noch stärkere Rolle der Religion im Staat als beispielsweise die tunesische Islamisten-Partei Ennahda.

Für die größte Überraschung sorgte die radikal-islamische Partei des Lichts ("Hizb al-Nour"). Diese landete auf dem zweiten Platz und sicherte sich gemeinsam mit anderen kleineren Parteien aus dem Lager der Salafisten 24,6 Prozent der Sitze. Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei belegt demnach mit 8,4 Prozent den dritten Platz, gefolgt von der neuen liberalen Ägyptischen Allianz mit 6,6 Prozent. Die sogenannte Revolutionsjugend, die im vergangenen Jahr mit Massenprotesten den Sturz von Präsident Hosni Mubarak herbeigeführt hatte, ist in dem neuen Parlament kaum vertreten.

Militärrat darf zehn Mandate verteilen
Bei der Wahl, die in drei Etappen stattfand und sich vom 28. November bis zum 18. Jänner hinzog, waren insgesamt 498 Sitze zu vergeben. Weitere zehn Mandate darf der Oberste Militärrat verteilen, der nach dem Sturz von Mubarak die Macht übernommen hatte. Unter Mubarak waren diese Plätze traditionell an Frauen und Angehörige der christlichen Minderheit vergeben worden.

Die erste Parlamentssitzung ist für den kommenden Montag geplant. Dann steht die Wahl des Parlamentspräsidenten an. Es wird erwartet, dass der Generalsekretär der Partei der Muslimbrüder, Saad al-Katatni, gewählt wird. Seine beiden Stellvertreter werden wahrscheinlich ein Mitglied der Wafd-Partei und ein Mitglied der Partei des Lichts.

Bis zum Sommer sollen die Ägypter außerdem noch die Abgeordneten der Zweiten Kammer (Shura-Rat) wählen. Dann soll unter Mitwirkung des Parlaments eine neue Verfassung formuliert und dem Volk zum Referendum vorgelegt werden. Im Juni steht dann die Präsidentschaftswahl an.

"Sehr große Krise" mit Israel erwartet
Der israelische Nahost-Experte Yoram Meital erwartet nach dem Wahlsieg der Islamisten eine "sehr große Krise" im Verhältnis zwischen Israel und Ägypten, aber keinen Bruch. "Der Wahlsieg der Muslimbrüder und der Salafisten ist beispiellos", sagte Meital der Nachrichtenagentur dpa. Israel reagiere auf den überragenden Wahlsieg der Islamisten mit "Entsetzen". "Damit hat wirklich niemand gerechnet."

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
20.01.2012 20:33
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt