Die Zündschnur glühte schon am frühen Nachmittag: "Ich denke über meinen Rücktritt nach", sagte Stockenhuber gegenüber der "Steirerkrone". Um 19.47 Uhr explodierte die Bombe, dann machte der Sturm-Boss sein Vorhaben mit einer Presseaussendung offiziell.
Vorausgegangen waren dem Rückzug Differenzen im Vorstand, die am Montag ihren Höhepunkt erreichten. Es flogen die Fetzen, Stockenhuber hatte die Nase voll. Schon bei der Vertragsverlängerung von Franco Foda im Dezember lag der Vorstand im Clinch. Anstehende Personalentscheidungen für die Zukunft ließen das Fass jetzt überlaufen. Zudem drohten zwei Vorstandsmitglieder, denen Geschäftsführerin Karin Hambrusch schon länger ein Dorn im Auge ist, mit ihrem Rückzug bei der Generalversammlung am Dienstag.
Differenzen en masse
"Der Grund liegt darin, dass es bei wichtigen anstehenden Beschlüssen wie der Besetzung des Cheftrainer-, Sportdirektor- und Geschäftsführerpostens keine übereinstimmende Meinung gibt und daher keine diesbezüglichen Entscheidungen möglich sind. In einem Verein sind Vorstandsbeschlüsse für die Absicherung der Zukunft nötig. Leider ist in den vergangenen Monaten immer öfter die Situation eingetreten, dass genau solche Entscheidungen aufgrund immer stärker werdender Auffassungsunterschiede nicht mehr getroffen werden konnten. Zuletzt gab es zu oft divergierende Sichtweisen von Mitgliedern des Vorstandes und von mir als Präsident", so Stockenhuber in der Aussendung.
Der scheidende Boss, der seit Mai 2010 an der Spitze steht, will keine Schmutzwäsche waschen. "Der Vorstand hat lange Zeit gute Arbeit geleistet hat. Wir haben den Verein vor einem Jahr in einer sportlich und wirtschaftlich angespannten Situation übernommen, sind Meister geworden, haben ausgeglichen budgetiert."
Freunderlwirtschaft
Doch nach dem Meistertitel regierte immer mehr das Gegen- statt Miteinander, wurden dem Präsidenten, der dem Klub nach dem Konkurs finanziell aus der Patsche half, immer öfter Prügel vor die Füße geworfen - von Leuten, die ihr eigenes Süppchen kochen und bei denen die Freunderlwirtschaft fröhliche Urständ feiert. Oder wieso leistet sich Sturm seit letztem Jahr sogar einen eigenen Greenkeeper?
Trainer und Team "vor den Kopf gestoßen"
Auch für den Trainerstab und die Spieler kam die Rücktrittsankündigung von Präsident Stockenhuber völlig überraschend. Trainer Franco Foda erfuhr nach dem Training telefonisch davon - und war "vor den Kopf gestoßen". Er habe nichts geahnt, der Präsident habe ihm gegenüber in den letzten Tagen auch keinerlei Andeutungen gemacht: "Ich bin, ehrlich gesagt, ein bissl schockiert und total verblüfft. Ich versteh's nicht und es ist für mich auch schwer nachzuvollziehen, was ihn dazu bewegt. Ich wusste auch nicht, dass es in den letzten Tagen Differenzen im Vorstand gegeben hat."
Für Foda selbst ändert das nichts an seiner Situation: "Ich habe einen Vertrag bis Mai, alles andere ist Sache der Klubführung." Rekordspieler Mario Haas war ebenfalls "von den Socken", wollte keinen Kommentar abgeben, nur: "Schade, dass es keine Ruhe im Verein geben kann."
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