„Heiße Eisen“ am Tapet

Vatikan will Frauen fördern und Queere einbeziehen

Ausland
20.06.2023 18:51

Das am Dienstag im Vatikan veröffentlichte Arbeitspapier für die im Oktober stattfindende Bischofskonferenz lässt darauf schließen, dass sich radikale Änderungen in der katholischen Kirche anbahnen: „Heiße Eisen“ wie mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Frauen, der Umgang mit LGBTQ+-Menschen und der Zölibat stehen zur Diskussion. So könnte es künftig Diakoninnen geben.

Die katholische Kirche soll offener und attraktiver werden - so könnten bald mehr Menschen mitbestimmen als bisher. Das Arbeitspapier stellt zahlreiche Teilhabemöglichkeiten für ungeweihte Gläubige zur Diskussion, insbesondere für Frauen. Neben dem Zugang zum Amt einer Diakonin geht das Papier thematisch auf eine mögliche stärkere Beteiligung von Frauen in Leitung und Mitverantwortung der Kirche ein. Zudem werden auch neue Ämter auf lokaler Ebene vorgeschlagen, um Kirchenmitglieder besser einzubinden. 

Möglichst viele sollen willkommen sein - auch queere Menschen
Auch das Zölibat könnte aufgeweicht werden. Über Ausnahmen bei der Ehelosigkeit von Priestern in bestimmten Fällen soll dem Papier zufolge ebenfalls diskutiert werden. Die Aufnahme und Mitwirkung möglichst vieler Mitglieder steht in dem sogenannten „Instrumentum laboris“ im Mittelpunkt. Willkommen sein sollen auch wiederverheiratete Geschiedene, queere Menschen sowie solche, die in Vielehen leben.

Gleiches gilt für Gläubige, die sich aufgrund von Hautfarbe, Herkunft oder Behinderung weniger wichtig oder erwünscht fühlen. Mit einer erneuerten Sprache - in Liturgie, Predigt, Kunst und Kommunikation in allen Medien - soll die Kirche zugänglicher und attraktiver werden.

Der Petersdom im Vatikan (Bild: ©andigia - stock.adobe.com)
Der Petersdom im Vatikan

Anpassung vielleicht auch in Kirchenrecht
Statt Macht und Kontrolle soll bei Amtsträgern eine Haltung des Dienens gefördert, eine Atmosphäre der Transparenz, Ermutigung, Inklusion und Zusammenarbeit geschaffen werden. Das gilt ebenso für Bischöfe. Für sie dürfte die vorgeschlagene Dezentralisierung der Kirche von besonderer Bedeutung sein - mehr Verantwortung in regionaler und nationaler Kirche, weniger beim Papst. Dieser synodale Prozess soll das Verständnis von Autorität verändern - bis hin zu einer möglichen kirchenrechtlichen Anpassung.

Im von Papst Franziskus ausgerufenen weltweiten Synodalen Prozess berät die katholische Kirche seit bald zwei Jahren über neue Wege der Mitbestimmung und ihre Umgestaltung zu einer „synodal verfassten Kirche“. In dem Arbeitspapier sind nun auf 71 Seiten viele Impulse von Gläubigen weltweit enthalten. Vorbereitet wurde das Papier in verschiedenen Phasen auf unterschiedlichen Ebenen zunächst in den Diözesen und Ortskirchen sowie in kontinentalen Beratungen. 

Das finale Arbeitspapier legt zunächst in zwei Abschnitten Eigenschaften und Unterscheidungsmerkmale einer synodalen Kirche dar und entfaltet drei prioritäre Fragestellungen, die sich in der weltweiten synodalen Phase auf allen Kontinenten am stärksten herauskristallisiert haben und der Vollversammlung der Bischofssynode „zur Unterscheidung vorgelegt“ werden sollen.

Arbeitsblätter als Leitfaden für Gebet und persönliche Reflexion
Mehr als die Hälfte des Umfangs des „Instrumentum laboris“ besteht danach aus 15 Arbeitsblättern für die Synodalversammlung mit konkreten Fragestellungen zu jenen „Herausforderungen, an denen sich die gesamte Kirche messen lassen muss, um einen Schritt nach vorne zu machen und in ihrer eigenen Synodalität auf allen Ebenen und aus einer Vielzahl von Perspektiven heraus zu wachsen“, wie es im Papier heißt. Die Arbeitsblätter sind demnach eine Art Leitfaden für Gebet und persönliche Reflexion und stellen Grundlagen-Module des synodalen Austausches bei der Synodenversammlung im kommenden Oktober dar.

Am Ende bekommt Papst konkrete Vorschläge
Ziel sei die Ausarbeitung von „Wegen, auf denen wir gemeinsam weitergehen können“, wird festgehalten. Die für Oktober 2024 angesetzte zweite Versammlung der Bischofssynode soll dann konkrete Vorschläge für den Papst herausarbeiten. Der entscheidet über das weitere Vorgehen, üblicherweise zusammengefasst in einem sogenannten nachsynodalen Schreiben.

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