Vor dem heutigen Liga-Hit sprach die „Krone“ mit dem Ex-Hütteldorfer Jan Age Fjörtoft über Titelträume, das Meisterrennen und die Zukunft.
„Krone“: Rapid hat vergangenen Sonntag einmal mehr eine Titelchance verpasst. Was lief da schief?
Jan Age Fjörtoft: Mich hat es zunächst einmal gefreut, dass sie bis ins Cup-Endspiel vorgestoßen waren, andere Teams als Salzburg im Finale standen. Doch ich denke, Sturm hat am Ende verdient gewonnen, war einfach besser. Leider.
Warum schafft es Rapid seit 2008 nicht mehr, einen Titel zu gewinnen?
Da könnte nicht nur ich, sondern ganz Rapid ein Buch darüber schreiben. Titel sind eine Konsequenz von vielen Faktoren. Das Wichtigste ist Geld, aber auch, wie gut man arbeitet. Rapids Ziel muss es sein, rasch wieder „best of the rest“ zu werden, der erste Verfolger von Salzburg zu sein. Ein Titel kann oft wie Dynamit sein, ein richtiger Befreiungsschlag.
Die Wiener Klubs zählen derzeit nicht zu den Top 3 in Österreich - was sagt das über Rapid und Austria?
Dass Fußball brutal sein kann. In der Wirtschaft können sich Leute hinter Wänden in Büros verstecken, im Fußball musst du zweimal die Woche zeigen, wie weit du gekommen bist. Als ich 1989 in Österreich landete, spielten mit Vienna und Sportclub vier Wiener Klubs in der Bundesliga, matchte sich dann die Austria mit Tirol und Salzburg um den Titel. Jetzt machen es andere besser, Graz und Linz arbeiten richtig gut.
An der Spitze hoffen nebst Salzburg auch Sturm und LASK auf den Titel. Wer wird am Ende das Rennen machen?
Es warten echte Finalspiele auf alle drei. Salzburg hat durch den Europacup viel Erfahrung, weiß am besten, worauf es in solchen Spielen ankommt, kann mental darauf zurückgreifen. Ich freue mich, dass wie in Deutschland auch in Österreich endlich wieder Spannung in der Liga herrscht. Doch Salzburg bleibt Favorit.
Warum schwächelt Salzburg in der Bundesliga?
Ich vergleiche es gerne mit Frankfurt, einem weiteren Ex-Klub von mir: Dort herrschte nach dem Europa-League-Titel und dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League ein Hype. Auch Salzburg hat für seine Verhältnisse in Europa stark gespielt. Ehe es bei beiden in der Bundesliga schleichend bergab ging. Sie leisteten unbewusst etwas weniger, die Leistungskurve ging leicht nach unten. Und man sieht plötzlich, dass der Abstand doch nicht so groß ist.
Was die Top-Teams in Österreich eint: Sobald ein Kicker stark aufspielt, ist der Wechsel ins Ausland nur noch eine Frage der Zeit.
Stimmt. In dem Moment, in dem Salzburg den nächsten Schritt setzen könnte, werden Spieler verkauft. Doch für mich sind in Europa alle Ligen bis auf die Premier League und die Primera Division Ausbildungs-Ligen. Auch Haaland war beispielsweise von Dortmund nicht zu halten. Das war früher für euch nicht anders: Nach Córdoba waren Prohaska, Krankl und Schachner auch weg. Insofern hat sich in Österreich nicht so viel geändert.
Was wünschst du Rapid?
Zunächst einmal - sorry an alle Salzburg-Fans -, dass sie am Sonntag gewinnen. Für das Projekt der neuen Klubführung wird es ganz wichtig sein, dass sie nächste Saison wieder im Europacup in der Gruppenphase dabei sind. Nur der Europacup kann bei Rapid für Ruhe sorgen.
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