Tumult auf Rastplatz

Lkw-Fahrer streiken – Chef schickt „Schlägertrupp“

Ausland
07.04.2023 20:51

Tagelang streiken dutzende polnische Lkw-Fahrer an der deutschen A5 bei Weiterstadt, weil sie kein Geld mehr bekommen. Die zuständige Spedition wollte dem nun ein Ende setzen - und schickte einen „Schlägertrupp“ samt Panzerwagen. Die Polizei musste mit einem Großaufgebot einschreiten und mehrere Personen festnehmen - der Streik geht indessen weiter.

Nachdem sie zwei Monate nicht mehr bezahlt wurden, weigerten sich rund 50 Lkw-Fahrer weiterzufahren - sie werfen ihrem Arbeitgeber vor, die Fahrer systematisch auszunutzen. Am Karfreitag ist die Situation dann endgültig eskaliert.

Der polnische Firmeninhaber traf gegen 11 Uhr persönlich auf der Autobahnraststätte Gräfenhausen (Darmstadt-Dieburg) ein; jedoch nicht, um die Situation friedlich zu entschärfen. Mit im Gepäck hatte er nämlich mehrere Personen, die eher einer paramilitärischen Einheit glichen als einer Abordnung einer Spedition.

Männer wollten Fahrzeuge „klauen“
Die Männer trugen dabei nicht nur schusssichere Westen, sie fuhren auch mit panzerähnlichen Fahrzeugen vor. Offenbar hatten sie den Auftrag, die Streikenden zumindest einzuschüchtern und die festsitzenden Lastwagen notfalls auch mit Gewalt zu übernehmen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) solidarisierte sich umgehend mit den Betroffenen: Via Twitter erklärte Vorstandsmitglied Stefan Körzell, dass der „Schlägertrupp“ versucht habe, die Fahrzeuge „zu klauen“.

16 Personen festgenommen
Um eine endgültige Eskalation der Lage zu verhindern, fuhr die Polizei mit einem Großaufgebot auf. Nach Angaben der Einsatzkräfte konnte der Konflikt schließlich unter Androhung von Pfefferspray und Schlagstöcken geschlichtet werden. Insgesamt 16 Personen wurden vorläufig festgenommen. Gegen die Tatbeteiligten werde nun unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Bedrohung, Nötigung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Störung einer Versammlung ermittelt.

Der DGB schildert, dass die ebenfalls vom Firmenchef mitgebrachten Ersatzfahrer mitten in der Nacht auf anderen Rastplätzen aus ihren eigenen Lastern geholt wurden, und schließlich nach Gräfenhausen gebracht wurden, um die dort festsitzenden Gefährte zu übernehmen.

Trucker lassen sich nicht einschüchtern
Die Trucker ließen sich von der Aktion jedenfalls nicht einschüchtern - sie wollen weiterhin für menschenwürdige Arbeitsbedingungen protestieren. NZusätzlich zum fehlenden Gehalt bemängeln sie etwa auch die enorme Belastung. Sie würden teils drei Jobs auf einmal ausführen müssen, Reparaturen würden von ihrem Lohn abgezogen, das Geld, das sie für Essen bekommen, reiche hinten und vorne nicht.

„Traurige Realität im Güterverkehr“
Gewerkschafter und Vereine aus der Umgebung haben nun Lebensmittel und Getränke gespendet, Verdi-Fahnen hängen als Zeichen der Solidarität an Lastwagenplanen. „Was wir hier erleben, ist leider ein Stück weit traurige Realität im Güterverkehr in Europa“, sagte der hessische Vorsitzende des DGB, Michael Rudolph.

Zwar gelte für die Fahrer laut geltendem Recht der Lohn des Landes, in dem sie fahren, viele Arbeitgeber würden die Fahrer aber „für wesentlich weniger Geld durch Europa schicken“. Diese Menschen würden nicht nur unter prekären Verhältnissen arbeiten, sondern auch so leben.

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