Fr, 17. August 2018

Gedenken an die Opfer

12.09.2011 07:05

Erinnerung und Trauer am zehnten Jahrestag von 9/11

Erinnerung und Trauer: Die USA haben am Sonntag des 9/11-Terrors vor zehn Jahren gedacht. Angehörige der Opfer lasen am Ground Zero in New York im Beisein von US-Präsident Barack Obama und seiner Frau Michelle sowie seines Vorgängers George W. Bush und dessen Frau Laura die Namen der fast 3.000 Menschen vor, die am 11. September 2001 getötet wurden. Unterbrochen wurde die Zeremonie von Gedenkminuten an den Zeitpunkten, an denen die Flugzeuge die beiden Türme trafen und als die Gebäude in sich zusammenstürzten. Am Abend hielt Obama dann noch eine Rede in Washington.

Am 11. September 2001 waren zwei mit Passagieren besetzte Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers gerast (um 8.46 und 9.03 Uhr Ortszeit), ein drittes in das Pentagon in Washington. Ein viertes Flugzeug stürzte nahe Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania ab. Insgesamt starben 2.977 Menschen (sämtliche Fakten zu 9/11 in der Infobox: "11. September 2001 - Der Tag, an dem die Welt stillstand").

Mehr als jedes neunte Opfer in New York war ein Feuerwehrmann. Dementsprechend eröffnete eine gemeinsame Dudelsackkapelle von Feuerwehr und Polizei die Feier - allerdings anfangs nur mit dem Schlagen ihrer Trommeln. Ein Jugendchor sang die Hymne der USA, dann bliesen die Dudelsackspieler, während eine vor zehn Jahren in den Trümmern wehende Fahne erst enthüllt und dann feierlich wieder gefaltet wurde.

Obama rezitierte Psalm aus der Bibel
Obama und Bush standen mit ihren Frauen hinter einer dicken Panzerglasscheibe auf einem Podium. Obama würdigte die Opfer in einer kurzen Ansprache: "Sie waren unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern, Kinder und Eltern. Sie waren die, die zu Hilfe geeilt sind." Anschließend las er aus der Bibel den 46. Psalm "Gott ist unsere Zuversicht und unsere Stärke".

Bush verlas den berühmten Brief von Abraham Lincoln an eine Frau, die während des Amerikanischen Bürgerkriegs fünf Söhne verloren hatte. In dem Brief schrieb Lincoln von der "unendlichen Trauer", die aber durch den Stolz gemildert werden könne, dass die Söhne für die Verteidigung der Demokratie und der Republik gestorben seien.

Gedenkpark neben gewaltigem Büroturm "1 WTC"
An der von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleiteten Trauerfeier nahmen neben Politikern vor allem die Angehörigen der Opfer teil. Viele von ihnen gingen offen mit ihrer Trauer um, trugen Bilder ihrer Verstorbenen oder T-Shirts mit deren Namen (Bilder der Zeremonie findest du in der Infobox). Fast fünf Stunden lang lasen die Angehörigen die Namen der Opfer der Anschläge vor.

Im Schatten des neu entstehenden gewaltigen Büroturms "1 WTC" wurde ein Gedenkpark mit einem Mahnmal eröffnet. Kern sind zwei quadratische Granitbecken mit 60 Metern Kantenlänge an den Stellen, an denen die Zwillingstürme standen. An ihren Kanten stürzt Wasser fast zehn Meter in die Tiefe. An den Rändern sind auf Bronzeplatten die Namen der Opfer eingraviert, auch von den sechs Menschen, die bei einem ersten islamistischen Anschlag im Jahr 1993 starben.

Obama legte Kränze in Shanksville und am Pentagon nieder
Nach den Gedenkfeiern in New York, die Obama allerdings vorzeitig verlassen musste, gedachte der US-Präsident auch in Shanksville und am Pentagon in Washington der Opfer der Anschläge. In Begleitung seiner Frau Michelle legte er Sonntagmittag Ortszeit einen Kranz an der Stelle nieder, wo die vierte entführte Maschine auf ein Feld gestürzt war, weil mutige Passagiere verhinderten, dass die Entführer das Flugzeug vielleicht ins Weiße Haus lenken konnten.

Am Nachmittag war Obama dann in Washington, wo er einen Kranz am Verteidigungsministerium niederlegte. Hier war vor zehn Jahren das dritte von Terroristen entführte Passagierflugzeug in das Gebäude gestürzt. 184 Menschen waren dabei ums Leben gekommen: 125 im Inneren des Gebäudes und 59 Insassen der entführten Boeing 757 der American Airlines.

"Wir sind nicht dem Argwohn und dem Misstrauen erlegen"
Zum Abschluss der Gedenkfeiern fand am Abend noch ein Konzert im Kennedy-Center in Washington statt, bei dem Obama eine Rede hielt. Der Präsident sagte, die Attentäter seien mit dem Versuch gescheitert, das Land zu einem schlechteren Ort zu machen. Es gebe in den USA weiter freie Märkte, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit: "Wir sind nicht dem Argwohn und dem Misstrauen erlegen." "Am 12. September 2001 wachten wir in einer Welt auf, in der das Böse näher war und Unsicherheit unsere Zukunft trübte", so Obama, aber heute seien die Amerikaner durch diese Erfahrung stärker als zuvor.

Obama bekräftige, die nach dem 11. September begonnenen US-Kriege im Irak und in Afghanistan beenden zu wollen. Zwei Millionen Amerikaner seien seit den Terroranschlägen dafür in den Krieg in fremde Länder gezogen. Sie hätten bewiesen, dass niemand den USA einen Schaden zufügen könne, ohne dafür bestraft zu werden. "Aber ein Krieg an sich ist nicht glorreich", so Obama weiter. Die Stärke der USA werde auch daran gemessen, ob sie ihr Versprechen einhalten können, diese Länder freien Völkern und souveränen Staaten zu überlassen. Und eine Maßgabe seines Vorgängers Bush gelte ohnehin weiter: "Die USA werden niemals einen Krieg gegen den Islam oder irgendeine Religion führen."

In Washington war der 9/11-Gedenktag ebenso wie in New York mit gewaltigen Sicherheitsvorkehrungen verbunden. Alle 3.800 Polizisten der Stadt wurden zu Zwölf-Stunden-Schichten eingeteilt. Hinzu kamen viele Kräfte der Bundespolizei. Zufahrtstraßen zu Regierungs- und Parlamentsgebäuden waren weitgehend gesperrt. Bombenspürhunde untersuchten Fahrzeuge und U-Bahn-Stationen.

Bereits am Samstag Trauerfeiern im ganzen Land
Schon am Samstag hatte es in den ganzen USA Trauerfeiern für die Opfer des Terrors vor zehn Jahren gegeben. Mit einem Gottesdienst in der St. Patrick's Cathedral in Manhattan gedachten Feuerwehrmänner ihrer Kameraden. Mit Stechschritt und in Paradeuniform trugen sie schweigend 343 US-Flaggen in die Kirche - für jeden getöteten Feuerwehrmann eine. George W. Bush legte einen Kranz am Pentagon nieder. An der Zeremonie nahmen auch sein damaliger Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der heutige Pentagon-Chef Leon Panetta teil. Außerdem weihte Bush in Shanksville ein Denkmal für die 40 Opfer des Flugs 93 ein.

Terrorwarnungen überschatten die Feierlichkeiten
Angesichts neuer Terrorwarnungen war Obama am Samstag mit seinem Sicherheitskabinett zusammengekommen. Nach dem Treffen, an dem unter anderem Justizminister Eric Holder und Heimatschutzministerin Janet Napolitano teilnahmen, rief er zu "erhöhter Wachsamkeit" auf. Der Fernsehsender ABC berichtete, Al-Kaida-Chef Ayman al-Zawahiri habe Attacken angeordnet, um den Tod seines Vorgängers Osama bin Laden im Mai zu rächen.

In seiner wöchentlichen Radioansprache hatte Obama zuvor angekündigt, den Kampf gegen den Terror entschlossen fortzusetzen: "Wir werden das Land, das wir lieben, schützen und es sicherer, stärker und wohlhabender an die nächste Generation übergeben. Heute ist Amerika stark, Al-Kaida aber ist auf dem Weg zur Niederlage." In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender NBC sagte Obama, dass die Menschen in den USA am 11. September 2001 in der Stunde des Leids zusammengestanden hätten: "Wir haben unsere Werte bewahrt, wir haben unseren Charakter bewahrt."

Militärjets fangen Flugzeug über New York ab
Dass die Sorge vor neuen Anschlägen mit Flugzeugen heute noch genauso groß ist wie vor zehn Jahren, zeigt auch, dass am Sonntag zwei Militärjets nach US-Medienberichten ein Passagierflugzeug zum Airport der Stadt New York eskortierten. Drei Fluggäste an Bord hätten sich verdächtig in der Flugzeugtoilette verhalten, schrieb die Zeitung "Daily News" unter Berufung auf das Luftverteidigungskommando der USA. Die Boeing 767 sei von Los Angeles gekommen und in Begleitung der Kampfjets am Nachmittag sicher in New York gelandet. Nach Angaben der Fluggesellschaft American Airlines habe es sich offenbar um einen falschen Alarm gehandelt, schrieb die Zeitung.

9/11-Gedenkfeiern auch in anderen Teilen der Welt
Auch international wurde des zehnten Jahrestags der Terroranschläge gedacht. In Berlin und London fanden Gedenkgottesdienste statt, US-Soldaten in Afghanistan gedachten der Opfer mit US-Flaggen auf Halbmast. In Madrid weihten Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia eine Gedenkstätte mit zehn Eichen ein. Papst Benedikt XVI. betete zum Abschluss einer Messe Menschheit, "Gewalt als Lösung von Problemen abzulehnen".

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