„Krise kehrt zurück“

Gewerbe und Handwerk gehen Aufträge aus

Wirtschaft
12.01.2023 23:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Gewerbe und Handwerk gehen sowohl die Aufträge als auch das Personal aus. Das sagte Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria am Donnerstag. Besonders schlecht sei die Lage im Bau- und baunahen Gewerbe.

Diese Betriebe würden den Einbruch im privaten Wohnbau zu spüren bekommen, sagte Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Die konsumnahen Bereiche wie die Gesundheitsberufe, Fahrzeugtechnik oder Friseure würden wiederum darunter leiden, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten sparten.  „Es ist nicht nur keine Normalität eingekehrt, sondern der Krisenmodus zurückgekehrt“, sagte Enichlmair in einem Pressegespräch.

Besonders betroffen von der Krise sind zudem energieintensive Branchen wie Bäckereien - mit einem Plus von 200 Prozent bei den Energiekosten- sowie die Bereiche Handwerk und Gewerbe. „Ein Tischler, der sonst 30 oder 40 Aufträge zu dieser Zeit hat, hat jetzt nix“, nannte Renate Scheichelbauer-Schuster als Beispiel. Wer noch Aufträge habe, arbeite frühere ab. „Was wir jetzt sehen, ist, dass die zukünftigen Aufträge ausbleiben.“ Während die Konjunktur 2021 und Anfang 2022 noch gut gewesen sei, habe sich das Blatt mit Kriegsbeginn in der Ukraine gewendet.

60.000 bis 70.000 Fachkräfte fehlen
Ein weiteres Problem ist der Fachkräftemangel. Laut Berechnungen der KMU Forschung Austria fehlen im Gewerbe und Handel 60.000 bis 70.000 Fachkräfte. Laut Scheichelbauer-Schuster schaffe das angekündigte Abschaffen der geblockten Altersteilzeit etwas Abhilfe, da ältere Beschäftigte auf diese Weise länger in Arbeitsverhältnissen bleiben. Nach Lehrlingen würde derzeit aber ebenfalls quer durch alle Branchen gesucht. Der Bereich Gewerbe und Handwerk hat derzeit ungefähr 47.000 Lehrlinge, das ist die Hälfte der österreichischen Lehrlinge.

Energiekostenzuschuss rasch abwickeln
Um den betroffenen Unternehmen unter die Arme zu greifen, fordern die Branchenvertreter unter anderem eine rasche und unbürokratische Abwicklung des Energiekostenzuschusses und bis Ende 2023 ausgedehnte Garantien für Betriebsmittelkredite. Die Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, Sabine Jungwirth, erinnerte daraufhin in einer Aussendung daran, dass es kleineren Unternehmen noch immer nicht möglich sei, von Energiekostenzuschüssen zu profitieren. „Im Bundesministerium für Wirtschaft ist man offensichtlich der Meinung, dass die österreichische Wirtschaft nur aus Industriebetrieben und Großkonzernen besteht“, kritisierte sie.

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