Das Fußball-Stadtderby in Teheran zwischen Esteghlal und Persepolis (2:2) findet normalerweise vor 100.000 Fans statt. Inmitten der systemkritischen Proteste spielten die Erzrivalen am Dienstag im Asadi Stadion aber vor leeren Rängen. Offiziell wegen der massiven Luftverschmutzung. Experten sahen hinter der Entscheidung jedoch Sorgen der politischen Führung, die Fans könnten in der live im Staatsfernsehen übertragenen Partie Protestslogans rufen.
Die Stadtderbys zwischen den Blues (Esteghlal) und Reds (Persepolis) sind der sportliche Höhepunkt im Iran. Das Asadi Stadion in Teheran ist jedes Mal mit knapp 100.000 Fans restlos ausverkauft, Millionen Fans verfolgen das Spiel im Fernsehen. Die seit drei Monaten andauernden Proteste gegen die Islamische Republik haben wie bereits während der WM-Teilnahme den Fußball im Iran in den Schatten gestellt.
Fußball nur Nebensache
Viele renommierte Profis und ehemalige Fußballer haben sich mit den Systemgegnern solidarisiert. Unter ihnen sind auch die ehemaligen Deutschland-Legionäre Mehdi Mahdavikia, Ali Karimi und Ali Daei. Persepolis Coach Jahja Golmohammadi ist der Ansicht, dass Fußball in der derzeitigen Lage zur Nebensache geworden ist. Daher steht der ehemalige Nationalspieler auch auf der schwarzen Liste des Fußballverbands - ihm droht sogar ein Arbeitsverbot.
Auch die iranische Nationalmannschaft wurde während der WM im Land heftig kritisiert. Die Spieler hätten das Leid ihrer Landsleute ignoriert und daher nicht für den Iran, sondern die Auswahl der islamischen Republik gespielt. Daher freuten sich auch viele Iraner über das frühe Ausscheiden ihres Nationalteams und insbesondere die Niederlage gegen den politischen Erzfeind USA. Dabei hatten die Nationalspieler beim WM-Auftaktspiel gegen England die Nationalhymne nicht mitgesungen. Iranische Aktivisten sehen darin eine Geste der Unterstützung für die landesweiten Proteste im Land. Der iranische Kapitän Ehsan Hajsafi hatte zudem sein Beileid für die trauernden Familien der Opfer im Iran ausgedrückt.
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