UNO-Gipfel in Montreal

„Historisches Signal“: Einigung bei Artenschutz

Ausland
19.12.2022 11:24

Nach rund zweiwöchigen Verhandlungen haben sich die Teilnehmer des Weltnaturgipfels im kanadischen Montreal am Montag auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Darin stellen sich die rund 200 Staaten unter anderem das Ziel, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen. Außerdem wollen sie mehr Geld für den Schutz der Artenvielfalt ausgeben. Greenpeace sieht das Ergebnis als „faulen Kompromiss“.

Nach der Verabschiedung brach bei der Plenarsitzung im Kongresszentrum in Montreal, die zuvor immer wieder zeitlich nach hinten verschoben worden war, lauter Jubel aus. Die chinesische Gipfelpräsidentschaft sprach von einem „historischen Moment“. Organisatoren, Wissenschafter und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen hatten bis zuletzt gehofft, dass bei dem Treffen noch ein richtungsweisendes globales Abkommen für den Artenschutz verabschiedet werden kann.

Rechte indigene Völker anerkannt
In dem verabschiedeten Dokument wurde unter anderem auch die Rolle indigener Völker und lokaler Gemeinden in weltweiten Naturschutzbemühungen betont, was viele Beobachter als Erfolg werteten. Zudem setzt das Papier das Ziel, die Gefährdung von Mensch und Umwelt durch Pestizide bis 2030 zu halbieren und umweltschädliche Subventionen abzubauen.

Harte Kritik am Ergebnis des Gipfels kommt von Greenpeace: So weise das Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen, „maßgebliche Lücken“ auf. Denn es fehle an Gebieten, die ausdrücklich stark geschützt würden und die Artenvielfalt tatsächlich bewahren könnten, heißt von der Umweltorganisation in einer Aussendung.

20 Milliarden jährlich für ärmere Länder
Einer der größten Streitpunkte auf der Konferenz war die Finanzierung des Artenschutzes. Ärmere Länder sollen dafür bis 2025 rund 20 Milliarden Dollar (18,8 Mrd. Euro) jährlich bekommen. Als mögliche Quelle dafür sollen auch Ausgleichszahlungen akzeptieren werden. Damit werde laut Greenpeace die Tür für Greenwashing weit geöffnet. Als „modernen Ablasshandel - nur mit grünem Anstrich“ bewertet das Ursula Bittner, Artenschutz-Expertin von Greenpeace in Österreich.

An der Konferenz nahm auch Österreichs Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) teil. Sie erklärte zum Abschluss: „Die Einigung auf der Weltbiodiversitätskonferenz sendet ein historisches Signal in die Welt. Wir machen den Schutz unserer Artenvielfalt - unserer Lebensgrundlage - zur Priorität“. Man wolle künftigen Generationen einen intakten und lebenswerten Planeten übergeben. „Jetzt beginnt die Arbeit der Umsetzung. Jetzt sind wir alle gefordert, den notwendigen Beitrag zu leisten“, betonte die Umweltministerin. Von ihr verlangt Greenpeace, den Artenschutz in Österreich entschieden voranzutreiben. Wichtig sei eine rasche Umsetzung der österreichischen Biodiversitätsstrategie, die letzte Woche veröffentlicht wurde, durch die Bundesländer.

Der 15. Weltnaturgipfel - der auch unter dem Kürzel COP15 läuft - hätte ursprünglich schon 2020 in China stattfinden sollen, wurde dann aber wegen der anhaltenden pandemischen Lage dort verschoben und zerteilt. Der erste Verhandlungsteil fand im vergangenen Oktober hauptsächlich online im chinesischen Kunming statt. 

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