So, 19. August 2018

Untreue-Vorwurf

12.08.2011 12:11

Nächste Anklage gegen Ex-Hypo-Chef Kulterer

Der ehemalige Vorstandschef der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank, Wolfgang Kulterer, kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Freispruch im Prozess wegen Kreditvergaben an die später pleitegegangene Fluglinie Styrian Airways hat die Staatsanwaltschaft Klagenfurt am Freitag eine weitere Anklage wegen Untreue gegen Kulterer und drei weitere Verdächtige fertiggestellt. Die Justiz wirft ihnen vor, ab 2004 von Wertpapiergeschäften in Liechtenstein profitiert und die Bank damit um 5,5 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Neben Kulterer sind Ex-Vorstand Günter Striedinger, Ex-Banken-Steuerberater Hermann Gabriel und Anwalt Gerhard Kucher von der Anklage betroffen.

Ihnen wird vorgeworfen, "unter Missbrauch ihrer Befugnisse und unter Verletzung der Eigenmittelvorschriften des Österreichischen Bankwesengesetzes" im Jahr 2004 elf liechtensteinischen Anstalten Kredite der Hypo Alpe Adria (Liechtenstein) AG in der Höhe von rund fünf Millionen Euro verschafft zu haben. Diese Kreditmittel sollen dann über eine zwölfte liechtensteinische Anstalt an die BC Holding AG zum Zweck des verschleierten Erwerbs von Vorzugsaktien transferiert worden sein.

Aktien sollten Kapitaldecke auffetten
Bei den Geschäften ging es um Vorzugsaktien der Hypo-Tochter HLH, die 2004 die Kapitaldecke der Hypo auffetten sollten. Ein Teil der Aktien wurde von einer Gesellschaft aufgegriffen, hinter der Kucher und Gabriel standen. Finanziert wurde der Deal über Umwege aus Anstalten in Liechtenstein.

Konkret hatte es sich damals um einen Betrag von 5,15 Millionen Euro gehandelt. Der nun genannte Schaden von 5,5 Millionen Euro resultiert laut Anklage aus der Differenz zwischen den in der Zeit zwischen 2005 und 2007 bis zum vorzeitigen Rückkauf ausgeschütteten Vorzugsdividenden und den niedrigeren Kreditzinsen.

Ex-Vorstand: "Schaden objektiv nicht nachvollziehbar"
Kulterers Anwalt Ferdinand Lanker wollte vorerst keine Stellungnahme abgeben, da er am Freitag die Anklage noch nicht zugestellt bekommen hatte. Ex-Vorstand Striedinger hatte sich bisher immer gegen die Vorwürfe gewehrt. "Wie man zum Ergebnis kommen kann, dass der Bank ein Schaden von 5,5 Millionen Euro bzw. überhaupt ein Schaden entstanden wäre, ist objektiv nicht nachvollziehbar", hatte er im Frühjahr 2011 erklärt.

Sämtliche notwendigen Beschlüsse für die Emission der Vorzugsaktien inklusive der dahinter stehenden "Konstruktion" seien von den Vorständen der Hypo Leasing Holding wie auch der Hypo Alpe Adria Bank International AG und auch vom Aufsichtsrat der HBInt. beschlossen worden, so Striedinger. Das bedeute, dass auch der Aufsichtsrat der Bank vollständig informiert gewesen sei.

Striedinger verweist in Causa auf Kulterer
Zudem sei die Kapitalerhöhung 2004 "ein reines Treasury-Thema" gewesen, dessen Zuständigkeit nicht in seinen Aufgabenbereich gefallen sei. "Ich kann nur nochmals darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Kapitalerhöhung handelte und dass diese eindeutig ein Thema für das Treasury der Bank war, das zu Herrn Dr. Kulterer ressortierte", erklärte Striedinger.

Drei Monate in U-Haft

Kulterer hat die Kärntner Hypo-Bank mehr als 15 Jahre lang geleitet. Lange als "Supermanager" gefeiert, musste der als extrem ehrgeizig geltende Manager nach Auffliegen der Swap-Verluste im Jahr 2006 seinen Hut nehmen. Nach seinem Abgang stellte sich heraus, dass das Imperium Hypo auf tönernen Füßen stand, die Verluste explodierten, die Bank musste im Dezember 2009 notverstaatlicht werden. Kulterer wurde wegen Bilanzfälschung verurteilt, die Justiz nahm ihn wegen zahlreicher möglicher Betrugsfälle ins Visier. Von Mitte August bis Mitte November letzten Jahres saß er in U-Haft.

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