Tagung in Innsbruck

Jugend mit Zukunftsangst: Neue Regierung gefordert

Tirol
28.09.2022 17:00

Pandemie, Krieg, Teuerung, Klimakrise. Viele Kinder und Jugendliche haben Zukunftsängste. Wie sehr, wurde bei einer Enquete in Innsbruck deutlich. Es ging aber auch um Lösungen. Was Fachleute und Jugendvertreter von der neuen Landesregierung fordern: mehr Hilfsangebote und mehr Mitsprache für junge Menschen. 

Es war eine Tiroler Studie, die in der Pandemie auf die wachsenden seelischen Nöte der Kinder aufmerksam machte. Es war die Innsbrucker Mutter Irene Labner, die 1400 Unterschriften für eine Petition an die Landesregierung sammelte, damit mehr psychosoziale Angebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Und es war vor Kurzem die Tiroler Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser, die mit ungewöhnlich scharfen Worten zahlreiche Lücken im System aufzeigte.

„Wir sprechen von vielen verschiedenen Krisen“
Irene Labner und Elisabeth Harasser waren gestern zwei der Stimmen, die im Innsbrucker Landhaus bei einer Enquete zum Thema psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Tirol gehört wurden. Der Landtag hat die Veranstaltung initiiert. Mit der Psychologin Barbara Juen von der Uni Innsbruck kam gleich zu Beginn eine Fachfrau zu Wort, deren Spezialgebiet Krisenbewältigung ist und die in der Pandemie auch die Bundesregierung beraten hat. „Wir reden mittlerweile von vielen verschiedenen Krisen. Das belastet junge Menschen besonders“, erläuterte Juen. Wichtig sei es jetzt, Kinder zu ihren Belangen mitreden zu lassen. Ihnen zu vermitteln, dass sie nicht hilflos sind. Denn junge Menschen „sind sehr anfällig für Desillusionierung“.

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Es ist schon beschämend, dass die drängenden Anliegen von Kindern und Jugendlichen in diesem Wahlkampf kein Thema waren.

Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser

Hundert Kinder warten auf Platz in der Jugendpsychiatrie
Bestätigt wurden Juens Ausführungen durch Bildungspsychologin Christiane Spiel und Brigitte Thöny, Leiterin der Tiroler Schulpsychologie. „Die Zahl der Anfragen wegen Depressionen, Angststörungen und Lernproblemen hat massiv zugenommen“, berichtete Thöny aus ihrem Alltag. Auch Kathrin Sevecke, Direktorin der Tiroler Kinder- und Jugendpsychiatrie, präsentierte steigenden Fallzahlen. „Hundert Kinder und Jugendliche warten derzeit auf einen stationären Platz in der Jugendpsychiatrie“, machte Sevecke deutlich und wiederholte ihre schon mehrfach formulierte Forderung: „Wir brauchen mehr Plätze. Nicht nur in der Klinik, sondern vor allem auch in der mobilen Versorgung in den Regionen.“

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Wir müssen jetzt auf allen Ebenen intervenieren. Wenn wir nicht drangehen, werden wir künftige Krisen nicht meistern können.

Klinische und Gesundheitspsychologin Barbara Juen

Fachleute und Familien für mehr Anlaufstellen 
Mehr mobile Angebote für Kinder in psychischen Ausnahmesituationen, aber auch für die Prävention war am Ende der Enquete eine der zentralen Forderungen an die künftige Landesregierung. Als Mutter machte Labner ein grundsätzliches Problem für Familien deutlich: „Man weiß gar nicht, wie man zu Informationen bei psychischen Krisen kommt.“ Eine Analyse, die Jugendvertreter bestätigten. Psychische Gesundheit als Schulfach war eine weitere Idee, die von allen unterstützt wurde.

Was sich die Jungen auch wünschen: mehr Möglichkeiten der Mitsprache! Damit schloss sich der Kreis. Denn wer mitreden darf – so die Psychologen –, der könne sich selbst stärken.

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