Russland-Experte Stefan Karner würdigt den letzten Staatschef der Sowjetunion: Michael Gorbatschow, vor wenigen Tagen mit 91 Jahren gestorben, besuchte 2003 Graz und ließ sich im Zeughaus Waffen zeigen.
In Moskau wurde am Samstag ein großer Politiker zu Grabe getragen: In demonstrativer Abwesenheit des Kreml-Kriegsherrn Wladimir Putin fanden die Trauerfeierlichkeiten für den 91-jährig verstorbenen Michael Gorbatschow statt - im Gegensatz zu früheren Sowjetführern vergleichsweise nüchtern.
Der Grund: In Russland macht man Gorbi für das Ende der Sowjetunion verantwortlich. „Vielen gilt er bis heute als Totengräber des Imperiums“, analysiert Stefan Karner, Russland-Experte und ehemaliger Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts in Graz. „Die landläufige Meinung ist, er habe den Menschen in den 1990er-Jahren die Armut gebracht.“
„Für mich war er einer der größten Staatsmänner“
In Amerika und Europa verehren den ehemaligen Staatschef dagegen viele: „Wegen seiner internationalen Erfolge wurde Gorbatschow hoch geachtet, zeitweise gab es eine regelrechte Gorbi-Manie“, erklärt Karner, der dank Gorbatschows „Glasnost“ („Offenheit“) in Russland intensive Forschungen betreiben durfte. „Für mich ist er einer der größten Staatsmänner.“
Gorbatschow war ein Freund Österreichs. Sein Verdienst ist, dass er die Neutralität elastisch sah.
Historiker Stefan Karner
Und er war auch ein Freund Österreichs. 2003 kam der Mann mit dem Feuermal in die Steiermark, trug sich ins Goldene Buch der Stadt Graz ein, ließ sich im Zeughaus die imposante Waffensammlung zeigen. In bleibender Erinnerung bleibt auch eine Diskussion mit dem ehemaligen deutschen Kanzler Helmut Kohl in der Stadthalle.
„Gorbatschow schätzte das neutrale Österreich“, weiß Stefan Karner, der beim nächsten Russland-Besuch dessen Grab besuchen wird. „Wir verdanken ihm sehr viel, weil er unsere Neutralität elastisch interpretierte.“








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