05.08.2022 21:53 |

„Brandgefahr ist hoch“

Kiew wirft Russland Angriffe nahe AKW-Reaktor vor

Die Ukraine hat russischen Truppen Angriffe in der Nähe eines Reaktors des Atomkraftwerks Saporischschja im Südosten des Landes vorgeworfen. Auf dem Gelände des AKW seien nahe einem Nuklearreaktor drei Angriffe erfolgt, erklärte Energoatom, der staatliche Betreiber der ukrainischen Kernkraftwerke, am Freitag. Es bestehe die Gefahr des Austretens von Wasserstoff und radioaktiver Strahlung.

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„Die Brandgefahr ist hoch“, erklärte Energoatom weiter. Zunächst habe es keine Verletzten gegeben. Russland wies die Vorwürfe zurück und machte die ukrainische Regierung verantwortlich: Drei Artillerieschläge seien von „bewaffneten ukrainischen Gruppen“ auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja und in der Stadt Enerhodar ausgeführt worden, erklärte die russische Armee. Sie forderte „internationale Organisationen auf, die kriminellen Handlungen des Regimes von Selenskyj zu verurteilen, welches nukleare Terrorakte begeht“.

Verwaltung: Feuer am AKW-Gelände
Auch die örtliche pro-russische Verwaltung behauptet, dass das Atomkraftwerk durch ukrainischen Artilleriebeschuss beschädigt wurde. Auf dem Kraftwerksgelände sei Feuer ausgebrochen, erklärte die von Russland eingesetzte Verwaltung der Stadt Enerhodar, auf deren Gebiet das Kraftwerk steht. Stromleitungen, die für den sicheren Betrieb von Reaktoren notwendig seien, seien unterbrochen worden, erklärte die Stadtverwaltung. 

Die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) versucht seit Wochen, Inspektoren zu der Anlage zu entsenden. Der Chef der IAEA bezeichnete die Lage am Kernkraftwerk als äußerst unbeständig und fragil. „Alle Prinzipien nuklearer Sicherheit wurden auf die eine oder andere Art verletzt“, sagte Rafael Grossi diese Woche in New York. Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich.

Ukraine lehnt IAEA-Inspektion ab
Die Ukraine hat dies bisher abgelehnt, da ihrer Ansicht nach dadurch die Besetzung des Ortes durch Russland in den Augen der internationalen Gemeinschaft legitimiert werden würde. Russische Truppen brachten es im März kurz nach dem Einmarsch der Truppen unter ihre Kontrolle.

US-Außenminister Antony Blinken wirft Moskau vor, die Anlage als Militärbasis zu nutzen und von dort aus Ukrainer anzugreifen, wohl wissend, „dass diese nicht zurückschießen können und wollen, weil sie versehentlich einen Atomreaktor oder dort gelagerten hoch radioaktiven Abfall treffen könnten“.

Großbritannien: Russland nutzt AKW als Deckung 
Vor den ukrainischen Anschuldigungen hieß es von britischen Geheimdiensten, Aktionen der russischen Streitkräfte gefährdeten mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des AKW Saporischschja. Moskaus Absichten dort seien fünf Monate nach Beginn des Krieges noch immer unklar, hieß es am Freitag vom britischen Verteidigungsministerium. Die Russen setzten wohl Artillerieeinheiten in den an das Kraftwerk angrenzenden Gebieten ein, um ukrainische Regionen westlich des Dnipro-Flusses anzugreifen. Womöglich nutzten sie dabei den Hochsicherheitsstatus des Kraftwerkgeländes aus, um sich und ihre Ausrüstung vor nächtlichen ukrainischen Gegenangriffen zu schützen, hieß es.

Mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6000 Megawatt ist das Werk in Enerhodar in der Oblast Saporischschja das größte Atomkraftwerk Europas. Nach der Besetzung durch russische Truppen wurde das Kernkraftwerk von ukrainischem Personal weiterbetrieben, aber von russischen Nuklearspezialisten überwacht.

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