31.07.2022 06:00 |

Kritik an Rauch

„Du, ich hab da eine Aussendung gemacht ...“

Größte Kritikerin des Gesundheitsministers ist ausgerechnet seine eigene Frau. Anfang der Woche sorgte Vorarlbergs SPÖ-Chefin und Ärztin Gabi Sprickler-Falschlunger mit einer Aussendung für Aufsehen. Wie es dazu kam, und wer die unerschrockene 65-Jährige ist.

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Betreff: Medienmitteilung. In fetten Lettern ging die Vorarlberger SPÖ-Vorsitzende gleich hart ins Gericht: „Das Ende der Quarantäne zum jetzigen Zeitpunkt ist die falsche Entscheidung von Gesundheitsminister Rauch!“ Man hätte auch nur „der Regierung“ schreiben können, aber nein, Gabriele Sprickler-Falschlunger nannte den Urheber ihres Unmutes gleich direkt beim Namen: Gesundheitsminister Rauch.

Dass ihre Aussendung medial derart einschlug, hing aber weniger mit ihrer zivilen Kompetenz als Allgemeinmedizinerin zusammen, als mit ihrer privaten Koalition: Die SPÖ-Chefin aus dem Ländle ist nämlich ausgerechnet die Ehefrau des von ihr hart kritisierten grünen Gesundheitsministers. Die Opposition quasi im eigenen Haus.

Rauchs rot-grüne Koalition daheim
Die einen titelten daraufhin: „Quarantäne-Aus: Auch harte Kritik der eigenen Ehefrau“, während andere gleich mutmaßten: „Wegen Quarantäne-Aus: Dicke Luft im Hause Rauch?“. „Woher?!“, winkt die bald 66-Jährige lachend ab, als wir sie am Dienstag danach fragen, während er zeitgleich in Wien zum Rednerpult schreitet, um die von ihr gescholtene Entscheidung medial zu verkünden.

Keine Sekunde habe sie gezögert, gibt sie unumwunden zu: „Es war meine Verpflichtung als Ärztin und als politisch Verantwortliche, das zu tun. Johannes und ich sind seit zehn Jahren zusammen und wussten von Anfang an, dass wir zwar ähnliche Werte haben, aber oft unterschiedliche Meinungen.“ Nachsatz: „Wenn ich eine Grüne wäre, wäre ich ja nicht in der SPÖ. Und wir leben schon in einer Zeit, in der Frauen ihre eigene Meinung haben dürfen.“

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Wir leben schon in einer Zeit, in der Frauen ihre eigene Meinung haben dürfen.

Gabi Sprickler-Falschlunger

Dass ihre Protestnote aber einen derartigen Niederschlag fand, habe selbst sie als alten Hasen überrascht, muss sie schmunzeln. Und gibt auch zu, dass sie ihren Gemahl dabei eher vor vollendete Tatsachen gestellt habe – so wie er die Länder. Als er sie am Montag wie jeden Abend von Wien aus in Dornbirn anrief, um so-so-la-la nach dem Tag zu fragen: „Da hab ich ihm gesagt: ,Du, ich hab da eine Aussendung gemacht.‘“ „Ja“, habe er geantwortet. Das war‘s. Thema erledigt. Im TV meinte er: „Ich liebe meine Frau. Sie hat eine eigene Meinung und das ist gut so.“

Schon einmal schaffte sie es mit ihrer Unerschrockenheit landesweit in die Medien. Das war Ende Jänner, als sie im Feierabend-Stau aus dem Auto sprang, um sich allein einer Corona-Demo entgegenzustellen. Dem ORF gab sie danach zu Protokoll, dass sie die Situation durchaus „aufgewühlt habe“, weil da „ganz normale Menschen mit Neonazis und Holocaust-Leugnern gemeinsam gehen.“ „Ihr marschiert’s mit Faschisten!“, soll sie den Demolingen hinterher geschrien haben.

Wie eingangs von ihr erwähnt, ist die kämpferische Gabi seit zehn Jahren mit Johannes Rauch liiert – eine politisch nicht unbrisante Konstellation, die beide aus diesem Grund medial bislang konsequent aussparten. Seit erst sieben Monaten sind die beiden nun sogar verheiratet, genau seit dem Tag vor dem Heiligen Abend. Der Anlass war weniger romantisch als pragmatisch: „Wir haben eine gemeinsame Wohnung gekauft, und da war es dann irgendwie klar, dass wir Nägel mit Köpfen machen.“ Und weil eh irgendwie alles klar war, musste sich der Künftige auch gar nicht erst groß zu einem Antrag aufraffen. Für beide ist es Ehe Nummer 2. Er hat zwei erwachsene Töchter aus erster Ehe, sie eine (die 30-jährige Juristin arbeitet bei der Datenschutzbehörde in Wien).

Ohne Rauch geht’s auch
Den für Gesundheitspolitiker eigentlich nicht unoriginellen Namen „Rauch“ wollte Sprickler-Falschlunger nicht annehmen. Nicht um inkognito zu bleiben (Herr Rauch betrat schließlich erst am 8. März als Gesundheitsminister die Bühne), sondern „weil ich eh schon einen Doppelnamen habe. Und man mich unter diesem kennt.“

Ihre Praxis sperrt die bald 66-Jährige Ende September für immer zu und geht in Pension. Nachfolge hat sie keine gefunden. Ein Problem, das sich auf das ganze Land umlegen lässt, wie sie beklagt: „Die alten Modelle entsprechen nicht mehr den modernen Ansprüchen. Die Jungen wollen nicht mehr nur noch arbeiten und allein die ganze Verantwortung tragen.“ Die verheerenden Auswirkungen von Corona sieht sie täglich im Wartezimmer: Thrombosen, Herzinfarkte, Schlaganfälle – vor allem Long Covid: „Die Auswirkungen auf unser Gesundheitssystem werden total unterschätzt.“

Was sie an ihrem privaten Koalitionspartner am meisten liebe? „Wir sind sehr tolerant, gehen uns nicht auf die Nerven und sind gerne zusammen. Und wir haben immer viel zu reden.“ Vor allem an diesem Wochenende. Es gibt Gesprächsbedarf. Denn die durchaus robuste Gabi musste sich nun auch noch einer akuten Hüftoperation unterziehen.

Edda Graf
Edda Graf
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