Nach Massenprotesten

Sri Lanka: Mehrere Minister geben ihre Ämter auf

Ausland
10.07.2022 12:30

Im krisengeschüttelten südasiatischen Inselstaat Sri Lanka haben mehrere Minister ihre Ämter aufgegeben. Mindestens vier Ressortchefs hätten ihren Rücktritt eingereicht, weitere würden folgen, sagte ein Regierungssprecher am Sonntag. Inmitten von Protesten wegen der schweren Wirtschaftskrise in dem Land hatte Präsident Gotabaya Rajapaksa am Samstag seinen Rücktritt mit 13. Juli angekündigt.

Auch Premierminister Ranil Wickremesinghe erklärte sich bereit, seinen Posten zu räumen. Aufgebrachte Demonstranten hatten das Präsidialamt und den Präsidentenpalast gestürmt und am Samstagabend die Privatresidenz des Premiers in Brand gesteckt (Video oben, Bild unten). Beide Politiker waren zuvor in Sicherheit gebracht worden.

Dutzende Verletzte bei Protesten in Colombo
Hunderte Demonstranten hielten am Sonntag weiterhin die Präsidentengebäude besetzt. Zu weiteren Zwischenfällen sei es nicht gekommen, teilte die Polizei mit. Drei Verdächtige seien wegen des Brandes im Haus des Premiers festgenommen worden. Bei den Protesten am Samstag hatten Zehntausende Menschen in der Hauptstadt Colombo den Rücktritt der politischen Führung gefordert. Es habe mindestens 95 Verletzte gegeben, sagte eine Krankenhaussprecherin.

Der Inselstaat südlich von Indien mit seinen etwa 22 Millionen Einwohnern erlebt seine schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Wut der Demonstranten richtet sich unter anderem gegen einen seit Monaten bestehenden Mangel an Treibstoff, Gas zum Kochen, aber auch an Medikamenten und Lebensmitteln sowie gegen die hohe Inflation und stundenlange Stromausfälle.

Tourismus-Einnahmen wegen Corona eingebrochen
Ein Grund dafür ist, dass Einnahmen aus dem für Sri Lanka wichtigen Tourismus im Zuge der Corona-Pandemie eingebrochen sind. Dem stark verschuldeten Land fehlt das Geld, um wichtige Güter zu importieren. Die Regierung hat unter anderem den Internationalen Währungsfonds sowie mehrere Länder, etwa Indien, China und Russland, um Hilfe gebeten.

Das UN-Nothilfebüro (OCHA) warnte bereits im Juni, die Wirtschaftskrise könne eine sich anbahnende Hungerkrise in Sri Lanka (vormals Ceylon) verschärfen. Die ehemalige britische Kolonie war zuvor zehn Jahre lang auf gutem Entwicklungsweg und benötigte keine humanitäre UN-Hilfe.

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