03.07.2022 20:05 |

Suche nach Vermissten

Eisplatte löste sich von der Marmolada: Sechs Tote

Auf dem Berg Marmolada in den italienischen Dolomiten ist am Sonntag eine große Eisplatte eingestürzt, mindestens sechs Menschen kamen dabei ums Leben. Zudem gibt es 15 Vermisste, acht Menschen wurden verletzt geborgen. Nach den Vermissten wird bis auf Weiteres nur aus der Luft gesucht, denn die Gefahr von neuen Gletscherstürzen wird als sehr hoch eingeschätzt.

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Die Eisplatte hatte sich laut Angaben des Bergrettungsdienstes in der Nähe von Punta Rocca, entlang der Aufstiegsroute zum Marmolada-Gipfel, gelöst. Dabei wurde auch der normale Aufstiegsweg auf den 3343 Meter hohen Berg getroffen, auf dem sich gerade mehrere Seilschaften befanden. Zwei davon wurden von der Eisplatte mitgerissen.

Dutzende Menschen, die sich an Ort und Stelle befanden, wurden von Rettungseinheiten ins Tal gebracht. Ein Schwerverletzter wurde per Hubschrauber in das Krankenhaus der Stadt Treviso geflogen, zwei weitere wurden ins Spital von Belluno eingeliefert. Die anderen fünf Verletzten befinden sich im Krankenhaus von Treviso. Genauere Angaben zur Staatsangehörigkeit der Todesopfer und der Verletzten gibt es noch nicht.

Temperaturrekord auf der Marmolada
Die Gefahr weiterer Lawinen ist groß. Alle alpinen Rettungsstationen in der Region Trentino wurden aktiviert, fünf Hubschrauber und Dutzende von Rettungseinheiten begaben sich ins betroffene Gebiet. Auch auf spezielle Ortungsgeräte griffen die Helfer zurück. Der gesamte Gletscher in Norditalien ist derzeit gesperrt. Die italienische Alpinrettung richtete eine Telefonnummer ein, um Angehörigen von Vermissten zu erlauben, sich mit den Rettern in Verbindung zu setzen.

„Wir sind vor Trauer über diese große Tragödie erschüttert. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien, aber natürlich auch bei den Rettungskräften, die auf der Marmolada im Einsatz sind“, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher, der in ständigem Kontakt mit seinem Trentiner Amtskollegen Maurizio Fugatti steht. Die Provinz Bozen hat ihre Bereitschaft bekräftigt, Hilfe zu leisten.

Augenzeugen „wussten sofort, dass etwas Schlimmes passiert ist“
„Wir haben ein lautes Geräusch gehört, typisch für einen Bergsturz“, berichtete ein Augenzeuge gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA. Danach sei eine „Lawine aus Schnee und Eis in hoher Geschwindigkeit in Richtung Tal“ gestürzt. Die Bergsteiger, die das Geschehen beobachteten, „wussten sofort, dass etwas Schlimmes passiert ist“. Am Samstag war auf der Marmolada ein Temperaturrekord von zehn Grad am Gipfel gemessen worden, die Durchschnittstemperatur der vergangenen Jahre lag etwa bei sieben Grad.

Messner wegen Klimawandel sehr besorgt
Für die Experten ist der Befund eindeutig: Die hohen Temperaturen und die zu wenigen Niederschläge in den Wintermonaten haben zu diesem Unglück geführt. Der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ANSA wegen des Klimawandels sehr besorgt: „Durch die globale Erwärmung werden die Gletscher immer dünner, und wenn sie fallen, stürzen sie wie Wolkenkratzer herab.“ „Der Permafrost taut auf und unter dem Eis bilden sich regelrechte Wasserflüsse, die alles mit sich reißen“, warnte Messner.

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