ÖSV-Boss wird 70

Schröcksnadel im großen “Krone”-Interview

Sport
23.07.2011 17:01
Knapp vor seinem 70. Geburtstag am 30. Juli verrät ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel im großen "Krone"-Interview fast alles: wie er im Internat verprügelt wurde, warum er Barack Obama schätzt und ob er an ein Leben nach dem Tod glaubt.

"Krone": Lieber Peter Schröcksnadel, zuallererst: Alles Gute zu deinem 70. Geburtstag am 30. Juli – da bist du ja in Alaska fischen. Und auch wenn wir oft miteinander telefonieren – in der Wildnis werden wir dich nicht stören.
Peter Schröcksnadel: Vielen Dank – eure Glückwünsche freuen mich besonders. Die "Krone" ist ja nicht nur ein Partner des ÖSV, ich hab' auch viele Freunde bei euch. Und wir haben viele Kämpfe gemeinsam ausgefochten.

"Krone": Etwa gegen die dubiosen ÖOC-Bonzen. Woher kam eigentlich deine Zähigkeit in dieser Auseinandersetzung?
Schröcksnadel: Aus meiner Zeit im Internat in Lienz. Dort bin ich zum Gerechtigkeitsfanatiker geworden. Ich bin nicht missbraucht, aber regelmäßig geschlagen worden – seit damals hab' ich diesen Widerstandsgeist gegen die Obrigkeit in mir. Dort hab ich gelernt: Wenn man alleine ist, hat man keine Chance, man muss sich verbünden!

"Krone": Aber du gehörst doch längst selbst zur Obrigkeit.
Schröcksnadel: Stimmt. Daher hab' ich mich auch damals nach den Ereignissen in Turin vor meine Leute gestellt: vor die Athleten und vor die Betreuer. Es wäre ein Leichtes gewesen, etwa den Markus Gandler zu feuern. Aber es wäre nicht gerecht gewesen – und so wurde der Kampf meines Lebens daraus…

"Krone": …den du gewonnen hast – das Österreichische Olympische Komitee ist erneuert, du bist wieder Vizepräsident dort. Hast du immer gesiegt?
Schröcksnadel: Nein – im Internat hab' ich alle Kämpfe verloren.

"Krone": Weißt du noch, dass Peter Schröcksnadel und die "Krone" einmal auf verschiedenen Seiten standen?
Schröcksnadel: Ja, damals bei der Kokain-Geschichte rund um Andi Goldberger. Ihr habt ihn verteidigt und ich hab ihn hart kritisiert.

"Krone": Warum?
Schröcksnadel: Weil ich total gegen Drogen bin! Der Goldi und ich sind aber schon seit Langem wieder Freunde. Und ich weiß natürlich, dass ihr dem Sportler nur helfen wolltet.

"Krone": Ebenso vehement trittst du gegen Doping auf. Hattest du bei all den Nachforschungen wegen der Affäre von Turin nie Angst, dass du in einem Blutlabor auch auf den Namen eines Sportlers aus dem Skiverband stoßen könntest?
Schröcksnadel: Nein! Weil wenn einer von uns gedopt hätte, wäre er für mich sowieso als Sportler tot gewesen.

"Krone": Die konsequente Haltung in Sachen Drogen und Doping ist eine Folge deiner politischen Haltung, oder?
Schröcksnadel: Ich komme aus einer konservativen Familie und jeder weiß, wen ich wähle – ich bin aber auch sehr sozial eingestellt. Daher gefällt mir auch, dass der amerikanische Präsident Barack Obama die Krankenversicherung durchgesetzt hat.

"Krone": Wärst du auch gern Politiker geworden?
Schröcksnadel: Ich hätte in einer bürgerlichen Regierung Wirtschaftsminister werden können – aber mich hat immer nur das Sportministerium interessiert, da hatte ich aber kein Angebot.

"Krone": Man bezeichnet dich jedoch auch ohne politisches Amt gerne als Alpen-Napoleon. Passt das?
Schröcksnadel: Nein, ich will kein Napoleon sein. Weil der erstens im Exil gestorben ist und weil ich dann zweitens ja wen kopieren würde. Und das brauche ich nicht.

"Krone": Aber wie einst Napoleon kennt man auch dich im ganzen Land. 
Schröcksnadel: Wenn ich etwa in Wien durch die Kärntner Straße gehe, merke ich, dass fast jeder sofort weiß, wer ich bin. Aber ich wurde noch nie auf der Straße beschimpft. Kein einziges Mal. Nicht einmal nach Turin.

"Krone": Wir wissen, dass die Wertschätzung der österreichischen Fans gerade damals sehr wichtig für dich war – hast du eigentlich jemals vor Rührung geweint?
Schröcksnadel: Ja, ein bisschen – als mir die Nordischen Kombinierer heuer ihren Pokal, den sie als Mannschaft des Jahres 2010 bekommen hatten, schenkten. Das hat mir gezeigt: Sie wissen, dass ich immer für sie da bin.

"Krone": Dich kennt, wie gesagt, wirklich jeder, von deiner Familie weiß man aber fast nichts: höchstens, dass einer deiner Enkelsöhne ein hoffnungsvolles Ski-Talent ist.
Schröcksnadel: Von meinen engsten Familienmitgliedern gibt es kein einziges Bild in einer Zeitung. Ich wollte alle, vor allem meine Kinder und Enkel, immer aus der Öffentlichkeit heraushalten – und das wird auch so bleiben, solange ich lebe.

"Krone": Apropos Leben: Was wünschst du dir für deine nächsten 20 Jahre?
Schröcksnadel: Zum Geburtstag wünsche ich mir nur etwas Zeit für mich selbst. Sonst habe ich keine Liste mit Dingen, die ich noch erledigen will, die noch abzuhaken sind. Aber auch wenn ich nicht mehr ÖSV-Präsident bin, gehe ich sicher nicht nur angeln. Ich werde immer und immer wieder nach neuen Herausforderungen suchen.

"Krone": Etwa als Rennläufer bei den Ski-Senioren?
Schröcksnadel: Stimmt! Einmal möchte ich noch dieses wunderschöne Gefühl genießen, Weltmeister zu sein.

"Krone": Hattest oder hast du ein Vorbild als Skifahrer?
Schröcksnadel: Natürlich Toni Sailer - er war ein großer Mensch.

"Krone": Wir waren ja alle auf seinem Begräbnis – glaubst du eigentlich als Christ an ein Leben nach dem Tod?
Schröcksnadel: Nein. Ich hoffe es, aber ehrlich: Ich kann nicht daran glauben. Ich denke, dass mit dem Tod alles aus ist.

"Krone": Also bleibt uns nur die Hoffnung, Peter, dass du dieses eine Mal Unrecht hast.

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