06.04.2022 06:00 |

Ringen um Strategie

Corona: „Politik muss sich vor Herbst entscheiden“

Im ersten Lockdown radikal, seit Ende 2021 sind die Maßnahmen wegen der Pandemie aber lockerer als in Deutschland. Simulationsexperte Niki Popper sieht das größte Problem in der Kommunikation der Strategie.

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Zahlen lügen nicht - aber sie sagen während einer Pandemie nicht die ganze Wahrheit. Als Test-Weltmeister lieferte Österreich in den letzten Monaten europaweit häufig die höchsten 7-Tage-Inzidenzen - die härtesten Einschränkungen gab es anderswo, etwa in Deutschland.

Oxford Covid-19 Government Response Tracker sammelt Infos
Der Oxford Covid-19 Government Response Tracker sammelt seit Pandemiebeginn Informationen über Maßnahmen, die Regierungen zur Bekämpfung von Covid-19 ergriffen haben, diese werden in 23 Indikatoren kodiert. Am Ende der Gratwanderung zwischen persönlicher Freiheit und Rücksicht auf Gefährdete steht eine Gesamtzahl, die zeigt, wie massiv die Beschränkungen pro Land waren.

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Die Maßnahmen waren gut gemeint, bei der Umsetzung und Kommunikation hätten wir aber oft deutlich besser sein können.

Simulationsforscher Niki Popper

Laut Grafik (unten) war es ein rot-weiß-roter Mittelweg - bei der Kommunikation aber nicht selten ein Desaster: „Die Strategie war oft nicht eindeutig, man müsste den Menschen klarer vermitteln, was das Ziel welcher Maßnahmen ist“, sagt Simulationsforscher Niki Popper beim Blick zurück.

Großbritannien fährt „Leben mit Covid“-Strategie
Dem Jubel über den gelungenen ersten Lockdown folgten im Herbst 2020 zu zögerliche Maßnahmen, mehr als einmal war die Regierung zu spät dran, um Anstiege einzudämmen. Seit 7. Februar 2021 wurden die Einschränkungen weniger, da nahm Deutschland nochmals mit massiven Einschränkungen einen anderen Weg - während etwa Großbritannien die „Leben mit Covid“-Strategie fährt. Seit Wochen gibt es dort keine Beschränkungen, bei den Fallzahlen eine hohe Dunkelziffer, da positive Tests freiwillig gemeldet werden.

Bei jeder Maßnahme sind zwei Drittel dagegen
„England und Schweden gehen einen anderen Weg - aber mit Konsequenz“, so Popper, der nach dem Sommer mit der nächsten Welle rechnet, vor der bei vielen die Immunität gegen eine Neuinfektion nicht mehr vorhanden ist, während jene gegen schwere Verläufe aufrecht bleibt: „Da wird dann die politische Frage sein, was das Ziel ist. Man wird sich zwischen stärkeren Maßnahmen und einem Leben mit dem Virus entscheiden müssen - wichtig ist eine klare Strategie!“

Wobei die Situation für die Politik schwierig ist: Ein Drittel hat von der Pandemie die Nase voll, für ein Drittel sind gewisse Maßnahmen in Ordnung, für den Rest wird es immer zu wenig sein. Somit ist keine Entscheidung mehrheitsfähig.

Florian Gröger
Florian Gröger
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