28.03.2022 06:00 |

Unter Personenschutz

Hass-Pandemie: So gefährlich leben die Politiker

Vom Bundespräsidenten abwärts werden Volksvertreter immer öfter von Kriminellen, Psychopathen oder Verschwörungstheoretikern bedroht - die Gefahr ist groß wie nie. Bester Schutz: Bodyguards der Eliteeinheit Cobra.

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Es ist eine regelrechte Pandemie des Hasses. „Allein seit 2015 haben sich unsere Personenschutzeinsätze vervierfacht!“, bringt Generalmajor Erwin Strametz, Leiter der „Cobra“-Personenschützer, den Ernst der Lage auf den Punkt. Denn seit der Migrationskrise sowie jetzt Corona geraten unsere Politiker immer öfter ins Visier gewaltbereiter Kritiker, die mit ihren durchaus ernst gemeinten Morddrohungen ihre aufgestaute Wut zum Ausdruck bringen.

Van der Bellen und Nehammer werden rund um die Uhr bewacht
Erachtet die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (unser polizeilicher Nachrichtendienst) nach einer Gefährdungsanalyse einen Politiker als bedroht, heißt es: „Cobra übernehmen Sie!“ Dann gilt es, die Zielperson im Visier operativ und taktisch zu schützen. „Wobei zwei Politiker rund um die Uhr bewacht werden: Alexander Van der Bellen und Kanzler Karl Nehammer“, so der Generalmajor. Wie berichtet, gab es beängstigende Morddrohungen gegen den Regierungschef sowie auch gegen Ex-Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein.

Zwölf Personen im Land gelten als besonders gefährdet
Derzeit werden in Österreich zwölf Personen geschützt: mehrere Politiker und Botschafter. Prinzipiell sind die Cobra-Profis für alle Minister, die Landeshauptleute und Bundesratsmitglieder zuständig. Privatpersonen, die ins Visier von Attentätern geraten, müssen sich selbst um ihre Sicherheit kümmern. Außer es geht um Zeugenschutz.

Zudem stehen die polizeilichen Leibwächter dann im Dienst, wenn internationale Treffen - meist in Wien als Konferenzstadt - stattfinden. Bei OPEC-Veranstaltungen, während der EU-Präsidentschaft oder der Iran-Konferenz waren hundert Beamte im Einsatz.

Hass im Netz

  • Viele Bedrohungsszenarien - auch gegen Politiker - nehmen im Internet in Form von Hasspostings ihren Anfang.
  • Im Jänner 2021 trat daher das „Hass-im-Netz-Bekämpfungs-Gesetz“ (HiNBG) in Kraft. Dieses weitete die Rechte von Betroffenen aus und erleichterte gleichzeitig die Strafverfolgung der Täter. 
  • Früher war das Beleidigen oder Bedrohen einer Person im Internet nur strafbar, wenn es „fortgesetzt“ erfolgte. Nun kann bereits eine einmalige Handlung ausreichen, um sich strafbar zu machen.
  • Tätern drohen bis zu ein Jahr Haft, in speziellen Fällen sogar drei Jahre.

Der strategische Ablauf beginnt mit einer Risikoanalyse, der Abstimmung von Weg-Zeit-Diagrammen, Kontaktgesprächen mit Bodyguards, die ein Staatsgast mitbringt, und der Kommandant klärt, ob Helikopter, Taucher etc. benötigt werden. Taktischer Objektschutz, sprich die großräumige Observation von Gebäuden, gilt als weitere Sicherheitsgarantie.

Nur drei Frauen unter den knapp 450 Cobra-Männern
Unter den knapp 450 Cobra-Leuten gibt es nur drei weibliche Cobra-Polizistinnen. Sie werden eingesetzt, um Frauen zu sichern. „Dank ihrer Professionalität haben unsere Leute allein durch ihre Präsenz schon das ein oder andere verhindert“, so Cobra-General Strametz stolz über seine Elitetruppe.

Interview: „Loyalität und Diskretion stehen an erster Stelle“
Im „Krone“-Interview schildert ein erfahrener Cobra-Mann, worauf es bei der Bewachung an einem 16-Stunden-Tag ankommt ...

Schon um fünf Uhr früh beginnt der Dienst für einen Personenschützer. „Wobei wir nicht mit Wucht und martialisch auftreten, sondern immer in Zivil“, erklärt der erfahrene Cobra-Polizist. Meist geht es von der Zentrale in Wiener Neustadt (NÖ) nach Wien.

Er hat gerade seinen jährlichen Test hinter sich. Denn wer als „Leibwächter“ arbeitet, muss topfit sein, physisch wie psychisch. „Allerdings gibt es für uns keine Altersbeschränkungen. Wer die Testlimits vom Schießen über den Nahkampf bis zum Fahrtest besteht, kann auch länger als Personenschützer tätig sein“, schmunzelt der 50-Jährige. Schließlich sei Erfahrung ein wesentlicher Teil, der einen Profi-Personenschützer ausmache.

Untertags gilt es viel zu koordinieren, telefonieren und organisieren. Denn immer wieder kann es zu Änderungen der Routen und Routinen kommen. Flexibilität ist (überlebens-)wichtig.

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Ganz wesentlich ist eine Vertrauensbasis. Zudem gibt es eine eherne Grundregel: Loyalität und Diskretion!

Cobra-Mann im "Krone"-Interview

Und wie steht es um den Kontakt mit der Schutzperson? „Ganz wesentlich ist eine Vertrauensbasis. Zudem gibt es eine eherne Grundregel: Loyalität und Diskretion! Es muss absolut ausgeschlossen sein, dass irgendwelche Wahrnehmungen über ein Gespräch, das eine Schutzperson geführt hat, weitergetragen werden“, bringt der Cobra-Mann einen Grundsatz der Elite-Einheit auf den Punkt.

Zu seiner Bewaffnung zählt eine Glock-Pistole am Mann sowie ein Steyr-Gewehr AUG mit verkürztem Lauf im Auto - und die Treffsicherheit. Denn ein Personenschützer würde wohl bei jedem Wettschießen unter den ersten Drei landen. „Tatsächlich sind wir auch bei internationalen Polizei-Vergleichskämpfen immer unter den Besten“, so der Elitepolizist.

Der Tagdienst eines Polizeibodyguards dauert bis zu 16 Stunden. Über die Bezahlung will unser Interviewpartner nicht genau Auskunft geben. Aber mit einem Augenzwinkern sagt er: „Ich stehe im Jahr mit mehr als 3000 Stunden im Sondereinsatz, das zahlt sich natürlich aus.“ Eine Überbezahlung, die den Cobra-Leuten wohl niemand neidig ist - schließlich riskieren sie ihr Leben für unsere Politiker.

Christoph Matzl
Christoph Matzl
Christoph Budin
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