Mo, 15. Oktober 2018

Über 100 Verletzte

28.05.2011 12:09

Polizei in Spanien geht brutal gegen Protestcamp vor

Unter Einsatz von Gummigeschossen und Schlagstöcken hat die spanische Polizei am Freitag ein Protestcamp im Zentrum von Barcelona geräumt. Zwölf Menschen wurden im Krankenhaus behandelt, mehr als hundert erlitten nach Angaben der Rettungsdienste leichte Verletzungen, darunter 37 Polizisten. Die Regierung in Madrid plant, auch das Protestcamp in der Hauptstadt räumen zu lassen.

Rund 50 Demonstranten errichteten am Freitag auf der Placa de Cataluña in der katalanischen Metropole eine Sitzblockade, als die Reste eines vor Tagen errichteten Protest-Camps entfernt werden sollten, wie Reporter berichteten. Fernsehbilder zeigten, wie Polizisten mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgingen und sie wegtrugen. Es sollen auch Gummigeschosse abgefeuert worden sein.

Die Blockade war binnen Minuten aufgelöst, doch etwa hundert Demonstranten gruppierten sich neu auf dem Platz. Ihnen standen zwei Polizeiketten gegenüber, die weitere Demonstranten davon abhielten, auf den Platz zu kommen. Später verließ die Polizei den Platz, woraufhin Tausende Demonstranten dorthin strömten. Ihre Zahl nahm später aber wieder ab.

Die Protestierenden erklärten, mehrere Menschen hätten blutende Kopfwunden erlitten. Es war das erste Mal seit Beginn der landesweiten Proteste vor fast zwei Wochen, dass die spanische Polizei ein Protestcamp räumte.

Platz wird für mögliche Siegesfeier gebraucht
Nach Angaben der katalanischen Behörden sollten die Demonstranten den Platz aber nur vorübergehend räumen. Er sollte gereinigt werden für die Feiern, falls der FC Barcelona am Samstagabend in London das Endspiel der Fußball-Champions-League gegen Manchester United gewinnt. Der Platz werde für Siegesfeiern benötigt, sollte Barcelona das Spiel gewinnen. Die Menschen dürften aber später auf den Platz zurückkehren und weiter auf ihm protestieren, allerdings "ohne Zelte, Messer, und potenziell gefährliche Gegenstände", sagte ein Polizeisprecher.

Seit dem 15. Mai demonstrieren in vielen Städten Spaniens vor allem junge Menschen gegen den Sparkurs der Regierung und die hohe Arbeitslosigkeit. Auf zahlreichen Plätzen errichteten sie Protestcamps. Der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba erwog unterdessen nach eigenen Angaben, auch das Protestcamp auf der Puerta del Sol in Madrid räumen zu lassen.

Er habe entsprechende Anfragen der Madrider Regionalregierung sowie von Geschäftsinhabern am Platz erhalten, sagte Rubalcaba vor der Presse. "Ich werde die Lage zusammen mit der Polizei analysieren und dann werden wir eine Entscheidung treffen."

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