Fr, 22. Juni 2018

"Auf der Flucht"

17.05.2011 10:40

Schüler tauchen in die Welt von Flüchtlingen ein

Unvorstellbares haben Flüchtlinge erlebt, bis sie hier in Tirol landen. Das Unvorstellbare für junge Menschen fassbar machen, das will das Projekt "Auf der Flucht". Junge Asylwerber erzählen in Schulen und Jugendzentren ihre Geschichten. Das Interesse ist groß. 77 Klassen und 22 Jugendzentren haben sich bereits angemeldet.

Den Schülern der 1BS an der Handelsakademie Innsbruck werden die Augen verbunden. Unsicherheit macht sich breit. Was passiert mit mir, fragen sich die Jugendlichen und bekommen einen Eindruck davon, wie sich Flüchtlinge fühlen, wenn sie von Schleppern in enge Kisten gepfercht werden, wenn sie in Maschinenräumen großer Schiffe oder auf der Ladefläche eines Sattelschleppers ihre Heimat verlassen.

Überraschend großes Interesse
"Wir kennen diese Art von Angst nicht. Man fühlt sich völlig ausgeliefert." Michael und Vehid versuchen, das Gefühl zu beschreiben. Ein Gefühl, das Pawiz Muzzafari nur zu gut kennt. Der junge Asylwerber aus Afghanistan erzählt im Rahmen des Projekts Jugendlichen seine Erlebnisse. "Wir sind überrascht, wie groß das Interesse an unserem Projekt ist."

Johannes Ungar, Geschäftsführer der Organisation Innovia, kann bereits auf 99 Anmeldungen verweisen. Das Projekt "Auf der Flucht" wird vom Europäischen Flüchtlingsfonds, von Bund und Land gefördert. "Die Schule ist der ideale Ort für Begegnungen dieser Art. Es ist auch der Ort, an dem viel Integrationsarbeit geleistet wird", freuen sich Bildungs-LR Beate Palfrader (ÖVP) und Sozial-LR Gerhard Reheis (SPÖ) über die Initiative.

"Jedem Schicksal nötige Aufmerksamkeit schenken"
In Tirol warten derzeit 1.303 Asylwerber auf den Bescheid, ob sie in Österreich bleiben dürfen. 50 Asylwerber sind Minderjährige, die ganz ohne Familie gekommen sind. "Es kursiert immer noch die Meinung, dass Österreich von Flüchtlingen förmlich überrannt wird. Dem ist nicht so. Die Zahl der Anträge ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Es gilt, jedem Schicksal die nötige Aufmerksamkeit zu schenken", so Reheis. Mit dem Projekt "Auf der Flucht" ist das gelungen. Auch in Vorarlberg und Salzburg haben Schulen bereits Interesse bekundet.

Claudia Thurner, Tiroler Krone

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