Sa, 22. September 2018

'Held, kein Terrorist'

05.05.2011 09:25

US-Indianer sauer über Geronimo als Code für Bin Laden

Beim US-Militär hat der legendäre Häuptling Geronimo schon seit fast 100 Jahren einen fixen Platz im Jargonwörterbuch: Wenn sich Fallschirmspringer aus dem Flugzeug stürzen, brüllen sie den Namen des Indianers, der Ende des 19. Jahrhunderts ein "Most Wanted" der US-Armee war. Am vergangenen Wochenende erfuhr Geronimo eine neue militärische Verwendung: Sein Name diente jenen Navy Seals als Codewort, die den Terroristen Osama bin Laden bei einer Kommandoaktion in Pakistan töteten. Indianervertetreter fühlen sich derart provoziert, dass sie den Protest bis vor den Kongress bringen.

Nach dem Tod bin Ladens meldete das Militär an das Weiße Haus: "Geronimo EKIA". "EKIA" steht für "Enemy Killed In Action", also "Feind im Kampf getötet". Ein Sprecher des Weißen Hauses verwies am Mittwoch Fragen zur Verwendung des Codenamens an das Pentagon. Das Verteidigungsministerium wollte dazu nicht direkt Stellung nehmen, verwies aber darauf, dass Codenamen "zufällig" ausgewählt würden und in erster Line dazu dienten, die Kommunikation im Feld zu verschleiern.

Häuptlingslegende
Geronimo ist ein hoch geachteter Häuptling der Apachen. Er hatte Ende des 19. Jahrhunderts gegen die Truppen der USA und Mexikos gekämpft und war der Legende nach einer über 5.000 Mann starken, eigens auf ihn angesetzten Brigade der US-Armee über Jahre entwischt. Erst 1886 stellte er sich den Behörden, nachdem nur noch eine Handvoll seiner einst 500 Krieger übrig war.

Der Verteidigungskampf gegen die Armee machte ihn zu einem der berühmtesten Indianer Nordamerikas, auch bei den Weißen wurde Geronimo Kult: Die Studentenverbindung "Skull & Bones" soll die sterblichen Überreste Geronimos aus dessen Grab in Fort Sill, Oklahoma, geraubt haben und nach wie vor im Besitz des Schädels stehen. Als Mitglied der Grabräuber gilt u.a. Prescott Bush, der Großvater des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush.

Indianervertreter fordern Entschuldigung
Dass der berühmte Apachen-Häuptling nun als Synonym für den meistgesuchten Terroristen der Welt diente, stößt Indianervertretern in den USA sauer auf. "Geronimo war ein Held und kein Terrorist", so der Grundton. Der Protest reicht bis in den US-Kongress. Für ein schon vor der Bin-Laden-Tötung angesetztes Hearing im "Indian Affairs Committee" des US-Senats am Donnerstag haben die Indianervertreter das Thema jetzt ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. In Stellungnahmen sowie Briefen an Präsident Barack Obama bzw. das Weiße Haus forderten sie im Vorhinein eine offizielle Entschuldigung der Verantwortlichen für die "Namensschändung".

Die führende Beraterin des Senatskomitees, Loretta Tuell, erklärte, es sei völlig unangemessen, Geronimo, "einen der größten Helden der indianischen Ureinwohner", mit dem meistgehassten Feind der USA in Zusammenhang zu bringen. Auch Steven Newcomb, ein Kolumnist der Wochenzeitung "Indian Country Today", sprach von einer respektlosen Verwendung eines Namens, der von vielen amerikanischen Ureinwohnern hoch geachtet werde. Ein afroamerikanischer Präsident im Weißen Haus reiche offenbar nicht aus, um eine mehr als 200 Jahre alte Tradition zu überwinden, dass Indianer als Feinde der USA betrachtet würden, schrieb Newcomb.

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