Lokalaugenschein

Auerbach: Das gallische Dorf der Impfmuffel in OÖ

Der 700-Einwohner-Ort Auerbach in Oberösterreich hat die zweitniedrigste Impfquote in Österreich. Warum das so ist und wie der Pflicht-Stich dort ankommt - die „Krone“ hörte sich um.

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„Manche fürchten sich vor der Impfung, aber vor Corona nicht“, wundert sich Stefanie Wimmer. Sie ist in Auerbach im Bezirk Braunau zu Hause, in jener Gemeinde, die österreichweit beim Impfen zu den Schlusslichtern zählt. „Wir haben harte Impfgegner“, erklärt sie. Mittlerweile geht ein Riss durch die Dorfgemeinschaft, die – glaubt man dem Bürgermeister – Herdenimmunität als Ziel hat.

Sonnig, aber kalt
Auerbach, mit 718 Seelen und 329 gültigen Impf-Zertifikaten (laut Gemeindehomepage), ist beim „Krone“-Lokalaugenschein sonnig, aber kalt. Rund um die Pfarrkirche mit Zwiebelturm breitet sich die kleine Streusiedlung aus. „Wirt haben wir keinen mehr, auch keinen Nahversorger“, sagt Stefanie Wimmer, die im Zentrum wohnt. In den vergangenen zwei Jahren seien viele Leute zugezogen, „aber man kennt sich noch gar nicht“.

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Manche warten auf den Totimpfstoff, ein paar glauben, sie sterben nach der Impfung. Aber ich habe schon drei Impfungen und lebe immer noch.

Stefanie Wimmer aus Auerbach

Corona habe das Dorfleben lahmgelegt, darum sei auch der Riss zwischen Ungeimpften und Geimpften ihrer Meinung nach nicht so zu spüren: „Ich will nicht streiten. Jeder darf seine Meinung haben!“ In Auerbach gäbe es alles: Geimpfte, Geboosterte und auch viele Genesene. „Bei uns gibt es Leute, die beinhart die Impfung ablehnen, ja sogar wohin gefahren sind, damit sie sich Corona holen. Manche warten auf den Totimpfstoff, ein paar glauben, sie sterben nach der Impfung. Aber ich habe schon drei Impfungen und lebe immer noch“, sagt Wimmer und lächelt.

„Einige sind militant und glauben nur Herrn Google“
Der ältere Herr, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte, sieht den Widerstand gegen die Impfung etwas kritischer: „Einige sind militant, sie glauben alles nur Herrn Google.“ Problematisch seien die Realitätsverweigerer: „In vielen Gemeinden rundherum gibt es ungeimpfte Corona-Tote, doch das wird klein geredet.“ Der Riss im Dorf tut ihm weh: „Früher haben wir eisern zusammengehalten, jetzt ist der Druck bei der Feuerwehr oder bei Vereinen sehr groß. Wenn sich jemand impfen lässt, dann meistens nur heimlich.“

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Früher haben wir eisern zusammengehalten, jetzt ist der Druck bei der Feuerwehr oder bei Vereinen sehr groß. Wenn sich jemand impfen lässt, dann meistens nur heimlich.

Ein Ortsbewohner

„Sicher nicht“
Die junge Reiterin, die auf dem Pferd die Dorfstraße quert, will sich „sicher nicht“ impfen lassen. Wie sie mit der Impfpflicht umgeht, weiß sie noch nicht. Der 43-jährige Landwirt dagegen hat schon einen Plan: „Wir werden klagen!“ Wer ist wir? „Meine Familie und ich.“ Impfen komme für ihn nicht in Frage: „Man weiß über die Folgewirkungen nichts. Und ich habe genug Antikörper.“

Bürgermeister geht von Herdenimmunität aus
Laut Bürgermeister Josef Seidl (ÖVP) hat Auerbach den Kampf gegen Corona schon fast gewonnen: „Wir wollen immun werden! Ich kenne bei uns fast niemanden mehr, der nicht künstlich oder natürlich immunisiert ist. Wenn man das zusammenzählt, sind wir bei fast 80 Prozent oder drüber, damit haben wir die Herdenimmunität erreicht.“

Einladung an alle Haushalte
Bei der Impfaktion am Freitag in der Nachbargemeinde hat sich Auerbach dann doch beteiligt, zumindest ist eine Einladung an alle Haushalte ergangen.

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