25.12.2021 12:00 |

Heute verbunden

Bad Radkersburg: Wo Grenzen verschwimmen

Vor 100 Jahren wurde das steirische Bad Radkersburg zur geteilten Stadt. Heute gehen Schüler von beiden Mur-Seiten wieder in eine Klasse.

Die Schulglocke schallt durch die Gänge des BORG Bad Radkersburg. Lehrer huschen in die nächste Klasse, Schüler tratschen in kleinen Grüppchen. Sprachfetzen fliegen durch die Luft – auf Steirisch und auf Slowenisch.

Hana Vajs ist eine von 15 bis 20 Slowenen pro Jahrgang, die hier in die Schule gehen. Tag für Tag setzt sich die 16-Jährige in Veržej in den Bus und überquert die Mur. „Hier zählt die Mitarbeit, nicht nur die Noten, in Slowenien ist das anders“, erklärt sie. Deutsch hat Vajs schon vorher in der Schule gelernt. „Den Dialekt zu verstehen war am Anfang schwer. Aber jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt.“

So ging es auch An Kerčmae, der seit Herbst ins BORG geht. „Meine Schulkameraden sprechen zum Glück deutlich mit mir.“ In welcher Sprache unterhalten sich die slowenischen Schüler untereinander? „Auf Slowenisch. Es ist unsere Geheimsprache“, scherzt Hana Vajs.

War nicht immer so
Heute ist es völlig normal, dass Österreicher und Slowenen gemeinsam die Schulbank drücken. Aber das war nicht immer so. 1920 wird die Grenzstadt geteilt. Jahrzehnte danach schneidet der Eiserne Vorhang Europa dort auseinander, wo die Mur fließt. „Ich bin in Sichtweite des heutigen Grenzüberganges aufgewachsen“, sagt Karl Lautner, Bürgermeister von Bad Radkersburg, als wir ihn in der Mitte der Murbrücke treffen. „Die Brücke gab es damals nicht.“ Die Grenze war echt. Sie war im Kopf der Menschen. „Wir haben sie mit Scheu überquert“, denkt Lautner zurück.

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Die Mur hält uns zusammen, statt uns zu trennen.

Bürgermeister Stanko Rojko

Heute miteinander verbunden
Heute ist es „eine Brücke des Friedens und der Freundschaft“, die die beiden Radkersburger Stadtteile verbindet, sagt Stanko Rojko, Bürgermeister von Gornja Rodgona. „Die Mur hält uns zusammen, statt uns zu trennen.“ Man kümmert sich gemeinsam um den Verbau des Ufers. Die eine Feuerwehr hat die Taucher, die andere die Boote. Und obwohl Soldaten die österreichische Grenze aufgrund von Corona kontrollieren, ist sie im Kopf der Menschen weniger wichtig geworden. Auch, weil Jahr für Jahr slowenische und österreichische Jugendliche gemeinsam lernen und erwachsen werden.

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