23.12.2021 13:08 |

300 Mio. überschritten

So viel kosten die Heeres-Hubschrauber wirklich

Seit heute, Donnerstag, steht der genaue Kaufpreis der 18 neuen Mehrzweckhubschrauber des Bundesheeres fest: 346 Millionen Euro wird die Republik für 12 MA- und 6 B-Versionen zahlen, darin ist auch Zusatzausstattung und Ausbildung inkludiert. Dazu kommen allerdings noch Ausgaben für neue Gebäude wie Hangar. Ursprünglich war der Gesamtpreis mit 300 Millionen angegeben worden, dieser Betrag wird deutlich überzogen. Dafür werden die Hubschrauber leistungsstark sein.

Es ist ein gewaltiges Paket, das diese Woche in Italien vertraglich vereinbart wurde: Um knapp 350 Millionen Euro kauft die Republik Österreich Hubschrauber vom italienischen Verteidigungsministerium - es handelt sich wie berichtet um insgesamt 18 Stück AW169 des Herstellers Leonardo. Sie sollen die mehr als 50 Jahre alte „Alouette III“ ersetzen.

Erste Details bringen etwas Licht in einen der größten Beschaffungsdeals des Heeres in der Zweiten Republik:

  • Inkludiert in den 350 Millionen sind 12 Stück AW169MA. Das „MA“ ist wichtig, da es sich bei dieser Variante um eine teilweise Neuentwicklung handelt - sie verfügt über Kufen statt Räder, was Umbauten an der Zelle im Bereich des Höhenruders sowie im Inneren des Hubschraubers erforderte. Noch befindet sich diese Version in der Entwicklungsphase, sie ist noch nicht zugelassen. Diese 12 Stück werden voraussichtlich die letzten sein, die an das Bundesheer ausgeliefert werden, sie landen in Aigen im Ennstal.
  • Schon zugelassen und auch bereits in Italien im Einsatz sind die 6 bestellten AW169B, sie sind an ihren Rädern erkennbar. Sie sollen bereits ab Ende 2022 in Langenlebarn stationiert sein und hauptsächlich zur Schulung eingesetzt werden. Bereits davor beginnen die ersten österreichischen Piloten ab dem Frühjahr 2022 mit ihrer Ausbildung in Italien. 
  • Ebenfalls inkludiert ist die Ausbildung von 26 Piloten und 50 Technikern. 
  • Außerdem - und das ist ein großer Brocken - ist der Erwerb eines großen Simulators in den Kosten inkludiert, sowie der von drei weiteren kleinen Simulatoren. Sie sollen miteinander vernetzt werden und für einen Großteil der laufenden Ausbildung eingesetzt werden. Zunächst war unklar, ob Österreich wirklich ein eigenes Simulatorenzentrum betreiben oder ob es hier zu einer gemeinsamen Nutzung mit Italien kommen wird.
  • Alle 18 Hubschrauber werden über Wetterradar verfügen. 
  • Weiters wird von Italien um den Kaufpreis auch elektronische Selbstschutzausrüstung, Vorkehrungen für den Einsatz von Spezialeinsatzkräften, eine Luftaufklärungsfähigkeit sowie die Ausrüstung für den Einsatz als Rettungshubschrauber geliefert.

Kosten höher als veranschlagt
Was allerdings noch zu dem Kaufpreis hinzukommt, sind laut Verteidigungsministerium „Kosten für die Hangarerrichtung bzw. -sanierung, ein Simulatorgebäude sowie weitere bauliche Maßnahmen“. Das Gesamtvolumen der neuen Hubschrauberanschaffung dürfte sich damit näher an 400 Millionen Euro als an den ursprünglich kolportierten 300 Millionen bewegen.

„Unsere Soldatinnen und Soldaten waren in diesem Sommer gemeinsam mit zivilen Einsatzkräften stundenlang in Hirschwang an der Rax im Einsatz, um die Flammen des größten Waldbrandes Österreichs zu löschen. Dieser Katastropheneinsatz hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Einsatz unserer Hubschrauber und Piloten ist. Die Beschaffung der Hubschrauber des Typs ,Leonardo AW169M‘ ist eine der größten seit dem Eurofighter und für die Einsatzbereitschaft und Sicherheit der Bevölkerung, eine sehr wichtige“, äußerte sich die Verteidigungsministerin Klaudia Tanner zur Vertragsunterzeichnung.

Kritik von der Opposition
Die Wehrsprecher der Oppositionsparteien reagierten im „Ö1-Mittagsjournal“ verschnupft: „Wenn man innerhalb von wenigen Tagen plötzlich 50 Millionen mehr zahlt, so ist das bemerkenswert“, sagte Douglas Hoyos von den NEOS. Robert Laimer von der SPÖ befürchtet, dass der Preis auf 400 Millionen Euro steigen würde. 

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