13.12.2021 07:13 |

„Krone“-Kolumne

Vater werden: „Ich schlafe im anderen Zimmer“

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zur Verunsicherung werdender Vätern in der Pandemie.

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Daniel* wird mit 32 Jahren mitten in der Corona-Krise erstmals Vater. Er ist einer von vielen anonymen Interviewpartnern, die an meiner Pandemie-Studie teilgenommen haben. Neben allen anderen Veränderungen, die ein Kind für sein Leben bedeutet, hat sich auch die Intimität mit seiner Partnerin verändert. Für ihn war zunächst unklar, ob er und seine schwangere Freundin überhaupt weiterhin Sex haben können? Diese Frage ließ sich relativ rasch klären (Ja!).

Viel schwieriger zu klären waren aber seine Bedenken wegen Corona: „Schon Anfang Herbst haben wir teilweise auf Abstand (keine Liebkosungen) geachtet, wenn eine*r von uns Erkältungssymptome hat, um uns nicht gegenseitig anzustecken und dadurch das Embryo zu gefährden“, schildert er. Das Problem: „Dem zuvor ging eine Situation, in der ich meine Partnerin ansteckte und sie danach mehrere Tage krank war. Diese Situation führte zu großer Unsicherheit bezüglich des Wohlergehens des Embryo und ich schlief zeitweise in einem anderen Zimmer.“

Väter wie Daniel machen sich große Sorgen um die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes und ihrer Partnerin in der Pandemie. Was, wenn sich die nächste harmlose Erkältung im PCR-Test doch als Covid-19 herausstellt? Aus Vorsicht verbringt Daniel während der Schwangerschaft einige partnerlose Nächte. Die Schuldgefühle bei einer Ansteckung wiegen schwer, selbst wenn es nicht mit Absicht passiert ist. Zum Glück war es in Daniels Familie letztlich nur eine harmlose Erkältung.

Eine Corona-Infektion zu vermeiden, ist von oberster Priorität für Schwangere. Zu schwer können die Verläufe sein, zu dramatisch die Folgen für das ungeborene Kind. Für die Sorgen von Vätern gibt es in der Pandemie allerdings wenig Raum. Daniel interessiert, wie viele andere Väter auch, die gesellschaftliche Polarisierung nicht. Er möchte einfach eine differenzierte Meinung und Informationen dazu, wie er seine Partnerin und sein Kind am besten schützen kann.

Der medizinische Rat an zukünftige Eltern ist eindeutig: Den besten Schutz während der Schwangerschaft bieten Impfungen gegen Covid-19 und am besten auch gegen die Grippe. Sie können nicht nur Gesundheitsrisiken verringern, sondern auch Ansteckungsängste in der Schwangerschaft nehmen. Es ist allen werdenden Eltern zu wünschen, dass sie angstfrei in eine Schwangerschaft gehen können und sich nicht mit Sorgen belasten müssen. Vater zu werden ist auch ohne Corona-Angst im Genick aufregend genug.

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Barbara Rothmüller
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