12.12.2021 18:00 |

Neue Studie

Pandemie fördert Armut: Vielen fehlt Perspektive

Eine neue Studie von Universität Innsbruck, Management Center Innsbruck und FH Gesundheit Tirol belegt die wachsende Armutsgefährdung vieler Tirolerinnen und Tiroler in der Krise. „Die Auswirkungen werden erst in den nächsten Jahren wirklich sichtbar werden“, sagen die Fachleute. Betroffene fühlen sich von der Gesellschaft vergessen.

Armut beginnt dort, wo Menschen nicht mehr dabei sein können. Das ist eine zentrale Aussage einer Studie von Forschenden der Uni Innsbruck, des Managementcenter Innsbruck (MCI) und der FH Gesundheit Tirol. Es ging vor allem um die Frage, welche Auswirkungen die Pandemie auf armutsgefährdete und armutsbetroffene Menschen in Tirol hat.

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Wo es vorher schon Probleme gegeben hat, da wird es jetzt richtig eng.

Andreas Exenberger

Große! Das ist der Befund der Studienautoren. „Wo es vorher schon Probleme gegeben hat, da wird es jetzt richtig eng“, konstatiert Andreas Exenberger vom Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte, der die Untersuchung leitete. Dass es schon vor der Krise Krisenherde gab, zeigt der Armutsbericht aus 2020.

Statt Kampf gegen Armut, Kampf gegen Arme
Für die Studie wurden statistische Daten erfasst und Befragungen durchgeführt. Der umfangreichste Teil der Erhebung fußt auf 130 Befragungen von Betroffenen und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. Eine besorgniserregende Entwicklung zeichnete sich dabei ab. „Der Kampf gegen Armut wird zunehmend als Kampf gegen Arme wahrgenommen. Betroffene fühlen sich vergessen und übersehen“, nennt Lukas Kerschbaumer vom MCI als Beispiel Menschen mit Behinderung, die in der Pandemie lange Zeit kaum gehört wurden.

Die Befragungen hätten auch gezeigt, dass immer mehr Menschen die Perspektiven, Wünsche, Ziele abhandenkommen. Kerschbaum: „Ein junger Mann hat gemeint: Ich habe keinen Familienplan. Ich könnte Kindern kein gutes Leben anbieten.“

Kluft in der Gesellschaft oft nicht zu sehen
Die Krise vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich. Darüber sind sich die Experten einig. Sichtbar ist das aber nicht unbedingt. „Derzeit verzeichnen wir keinen Anstieg bei den Anträgen auf Mindestsicherung“, nennt Sozial-Landesrätin Gabriele Fischer (Grüne) eine Kennzahl. Im Gegenteil: Rund 8000 Tirolerinnen und Tiroler bezogen im Juli Mindestsicherung. Das sind um 1000 weniger als im Jahr vor der Krise. Das überrascht. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Pandemie erst in den nächsten Jahren sichtbar werden.

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Betroffene entwickeln eine enorme Kraft, um ihre prekäre Situation zu stemmen und sie aus Scham zu verschleiern - bis gar nichts mehr geht.

Ursula Costa von der FH Gesundheit

„Wir beobachten das immer wieder: Betroffene entwickeln eine enorme Kraft, um ihre prekäre Situation zu stemmen und sie aus Scham zu verschleiern - bis gar nichts mehr geht“, erklärt Ursula Costa von der FH Gesundheit. Es sei deshalb entscheidend, diese Menschen zu ermutigen, Hilfe anzunehmen. Die Landesrätin verweist auf zuletzt erweiterte Sozialleistungen: „Die Bürger haben einen Rechtsanspruch auf Hilfe. Das gilt es zu betonen.“

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