22.11.2021 06:01 |

Viele Wähler vergrämt

Corona-Schlingerkurs: Gewinner und Verlierer

Das Krisenmanagement der türkis-grünen Regierung ist ein Desaster. Das Vertrauen der Bevölkerung leidet dadurch massiv. Viele Wähler werden vergrämt. Welche Parteien profitieren und welche müssen federn lassen?

Der Umgang mit der Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren in der politischen Landschaft. Erstmals seit langer Zeit liegt die SPÖ in der Wählergunst wieder vor der ÖVP. Die Zustimmung zur Corona-Politik der türkis-grünen Regierung befindet sich auf einem Rekordtief. Das zeigen bereits erste Umfragen.

Schadensbegrenzung durch Impfpflicht
„Derzeit sitzen viele Wähler abholbereit im Wartezimmer, weil sie schlicht und ergreifend nicht wissen, welche Partei sie wählen sollen“, sagt Politikberater Thomas Hofer zur „Krone“. Am meisten federn lassen müsse derzeit die ÖVP - nicht nur aufgrund der Performance in der Krise, sondern auch wegen der Ermittlungen gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz. Interessant: „Die Grünen haben bisher kaum Schaden genommen“, meint Hofer. Dies könne sich aber ändern, wenn sich die Lage weiter zuspitzt. Schadensbegrenzung würden ÖVP und Grüne beim geimpften Teil der Bevölkerung damit betreiben, dass neben dem Lockdown auch die Impfpflicht kommt.

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Derzeit sitzen viele Wähler abholbereit im Wartezimmer, weil sie nicht wissen, welche Partei sie wählen sollen.

Politikberater Thomas Hofer

Wiens Stadtchef Ludwig hat „wirklich profotiert“
Für die FPÖ und die impfkritische Partei MFG sei die angekündigte Impfpflicht wiederum „eine Chance, die eigene Wählerschaft stärker an sich zu binden“. Daran, dass der blaue Kurs viele FPÖ-Wähler abschrecken würde, glaubt Hofer nicht. Bei der SPÖ sei die Sache ambivalent, meint der Politikberater. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner habe „nur gut abgeschnitten, weil die ÖVP massiv abgestürzt ist“. Und: „Wer wirklich profitiert hat, ist ganz klar Wiens Landeshauptmann Michael Ludwig.“

Gelingt es, Glaubwürdigkeit wiederherzustellen?
Die Regierung sollte nach dem Schlingerkurs danach trachten, wieder Vertrauen in sich und die Maßnahmen aufzubauen, meint auch Politikwissenschafterin Barbara Prainsack. Das Vertrauen befinde sich mittlerweile in einem „katastrophalen Zustand“, meint die Forscherin der Universität Wien, die Teil des Austrian Corona Panels ist. Auch Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) räumte in der ORF-„Pressestunde“ am Sonntag ein, dass die Regierung zuletzt kein gutes Bild abgegeben habe. Jetzt würden aber alle an einem Strang ziehen, um die Glaubwürdigkeit wieder zu steigern. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

Sandra Schieder
Sandra Schieder
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