21.11.2021 09:00 |

„Krone“-Kolumne

Reden wir über problematische Sexfantasien

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zu problematischen sexuellen Fantasien

Manche sexuellen Fantasien sind häufig. Sex mit mehr als einer Person oder mit jemand anderen als der Beziehungsperson gehören dazu, Leidenschaft und Tabus ebenso. Es gibt allerdings auch seltene Fantasien, die so unmoralisch und intensiv sein können, dass sich die Frage stellt, ob sie nicht vielleicht ein Hinweis auf problematische sexuelle Präferenzen sind?

Diese betreffen beispielsweise Sex mit Kindern, manchmal auch Sex mit Tieren. Wenn sich das sexuelle Erregungsmuster auf kindliche Körper fixiert, man also nur erregt wird, wenn man vorpubertäre Kinder oder Jugendliche fantasiert, könnte das ein Hinweis auf eine pädophile Neigung sein. Gedanken und sexuelle Fantasien mit Kindern lassen sich in diesem Fall oft kaum unterdrücken. Manche Menschen leiden unter dieser Neigung selbst, bevor sie jemals sexuelle Übergriffe auf Kinder begehen.

Nicht alle pädophilen Menschen werden Täter. Männer können sexuelle Handlungsimpulse, die anderen Menschen schaden, kontrollieren. Im Fall einer pädophilen Störung gibt es dafür therapeutische Unterstützung. Um einzuschätzen, ob sexuelle Fantasien problematisch sind, hat das deutsche Projekt „Kein Täter werden“ ein Online-Selbsthilfe-Programm eingerichtet. Es ist anonym und vermittelt bei Bedarf Beratungsangebote. In Österreich bietet zum Beispiel die Männerberatung Wien Unterstützung am, um sexuelle Gewalt präventiv zu verhindern.

Es ist nicht selten, dass Menschen die Angst quält, dass ihre sexuellen Fantasien und Bedürfnisse „nicht normal“ seien. Dabei sind die Ängste meist völlig überzogen. Es ist wirklich unwissenschaftlich und schädlich, wenn man bestimmte erotische Fantasien als problematisch darstellt, wie Justin Lehmiller betont, der sich auf die Wissenschaft sexuellen Begehrens spezialisiert hat. Gedanken sind bekanntlich frei und das ist auch gut so.

Es gibt allerdings Fantasien, die selten sind, und bei denen sich Menschen vielfach zurecht Sorgen machen, wenn sich alles nur mehr um diese dreht. Für diesen Fall gibt es spezialisierte Beratungsangebote, die Betroffene kontaktieren können. Wenn sie ein Risiko haben, Übergriffe zu verüben, kann eine Therapie helfen, die Fantasien nie Wirklichkeit werden zu lassen.

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Barbara Rothmüller
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