Italien bangt um WM

Jorginho: Vom Elfer-Helden zur tragischen Figur?

Anfang Juli war Jorginho noch Italiens Elfmeter-Held. Mit seinem Strafstoß hatte er den Azzurri den Sieg im EM-Halbfinale gegen Spanien beschert, danach folgte die Krönung in Wembley. Vier Monate und drei verschossene Penaltys später aber droht Europas „Fußballes des Jahres“ zur tragischen Figur zu werden. Ausgerechnet Jorginhos Fehlschuss vom Punkt beim 1:1 gegen die Schweiz am Freitagabend hat Italien in der WM-Qualifikation in eine heikle Situation befördert.

Der Europameister geht punktgleich mit den Eidgenossen in den letzten Spieltag. Am Montagabend kommt es zum Fernduell, Italien tritt in Nordirland an, die Schweiz daheim gegen Bulgarien. Die Italiener weisen noch die um zwei Treffer bessere Tordifferenz auf. Verpassen sie Gruppenplatz eins, dann müssen sie in die Play-offs. Vor vier Jahren hatte Italien in dieser Phase das Ticket für die WM in Russland verspielt.

All das Bangen und Rechnen wäre Italien erspart geblieben, hätte Jorginho den Strafstoß in der 90. Minute ins Tor und nicht - wie einst Roberto Baggio im WM-Finale 1994 - über die Latte befördert. „So etwas passiert“, sagte Leonardo Bonucci. Hadern helfe nicht. „Wir müssen nach vorne schauen. Jetzt fahren wir als Mannschaft, als Gruppe, als Familie nach Belfast und holen uns das WM-Ticket.“

Verteidigerkollege Giovanni di Lorenzo, der die Schweizer Führung durch Silvan Widmer (Assist durch den Salzburger Noah Okafor) egalisiert hatte, unterstrich: „Jorginho ist ein großer Champion. Wir alle werden ihm jetzt in diesem Moment helfen.“

Beide Abwehrspieler meinten, dass Jorginho Italiens Elferschütze bleibe. Nationaltrainer Roberto Mancini sieht das wohl anders. „Er tut sich gerade etwas schwer“, sagte Mancini. „Ich rede mit ihm, aber vermutlich würden wir wechseln, sollten wir noch einmal einen Elfmeter bekommen.“

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