04.11.2021 16:22 |

Zahlreiche Sticheleien

Horner gegen Wolff: WM-Zweikampf der Teamchefs

Im WM-Zweikampf der Formel 1 zwischen dem zwölf Punkte zurückliegenden Titelverteidiger Lewis Hamilton und Herausforderer Max Verstappen sind die Teamchefs von Mercedes und Red Bull die Dirigenten. Der Österreicher Toto Wolff und der Engländer Christian Horner sind auch selbst Persönlichkeiten. Wolff ist mit jeweils sieben Konstrukteurs- und Fahrer-Titeln nacheinander unerreicht. Horner folgt mit den vier Doppel-Titeln von 2010 bis 2013 nicht so weit dahinter.

So erfolgreich die beiden sind, so innig verbunden sind sie einander in ihren Ressentiments. „Ich glaube, wir respektieren uns, aber ich glaube auch, wir arbeiten auf sehr unterschiedliche Weise“, meinte Horner. „Ich will unbedingt an vorderster Front stehen. Ich sitze an der Boxenmauer mit den Strategen und den Ingenieuren, Toto sitzt in der Garage neben dem Pressemann. Es sind unterschiedliche Funktionen, unterschiedliche Rollen, unterschiedliche Sichtweisen.“

Horner leitete seine Aussagen elegant ein, nur um dann zu sticheln. Was der Mann des ehemaligen Spice Girls Geri Halliwell eigentlich sagen wollte: Ich lege meinen Fokus auf Auto und Taktik, der andere auf PR und Image. „Ich habe das Gefühl, dass er einer der Protagonisten in einer Pantomime ist, Teil der Formel-1-Besetzung“, meinte Wolff, „für mich als Teilhaber, als Teambesitzer, ist es großartig, dass er diese Art von Geschichten schreibt.“

Zwischen dem 47-jährigen Horner und dem 49-jährigen Wolff hatte es bis zum nun anstehenden GP von Mexiko heuer schon gekracht. Im Designstreit um die Legalität von Flügeln hatte Horner, dem in Sachen Streitkultur der steirische Motorsportberater Helmut Marko zur Seite steht, Anfang Juni in Baku seinen Rivalen angeherrscht, lieber „den Mund zu halten“. Wolff ätzte: „Christian ist ein ziemlicher Schwätzer, der gerne vor der Kamera steht.“ Und meinte später, er hätte gar nicht darauf eingehen sollen.

Racing und Seifenoper
Der Wiener findet, dass die Formel 1 den Zeiten des langjährigen Chefvermarkters Bernie Ecclestone ähnelt: „In vielerlei Hinsicht kehren wir zu unseren Wurzeln zurück, denn was Bernie Ecclestone seinerzeit geschaffen hat, waren Racing und Seifenoper. Und wenn es nicht genug Racing gab, machte er Seifenoper. Die Leute haben ein Mikrofon vor sich oder eine Kamera auf sich gerichtet und fangen an, sich wie kleine Schauspieler zu verhalten, wie in Hollywood“, sagte Wolff der „Daily Mail“.

So wie die Fahrer versuchen, sich aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu Fehlern zu verleiten, probiert das auch das Führungspersonal der Rennställe. Vor allem wenn es um die WM geht. „Es ist das erste Mal, dass Mercedes und Toto in einer Situation sind, in der sie echt herausgefordert werden“, sagte Horner vor kurzem Channel 4 über den erwarteten Titelkampf bis zum Saisonfinale. „Wir lieben den Wettbewerb, und je mehr sich Toto aufregt, desto mehr Spaß macht es.“

krone Sport
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