31.10.2021 06:00 |

„Krone“-Gastkommentar

(Un)bewaffnet II

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Meine letzte Kolumne hat naturgemäß die unterschiedlichsten Reaktionen ausgelöst: Während ein Leser meinte, es sei doch im Jahr 2021 völlig ausreichend, würden sich Polizisten bloß mit dunkler Sonnenbrille bewaffnet auf ihre Räder schwingen, um notfalls mit bösen Blicken für Recht und Ordnung zu sorgen, holen andere schärfere verbale Pfeile aus dem Köcher: „Unbewaffnete Polizisten = wie Autos ohne Benzin: nutzlos!“ Und weil das Thema so polarisiert, möchte ich noch ein Faktum um den mit Pfeil und Bogen bewaffneten Attentäter im norwegischen Kongsberg einbringen, das mir als Ex-Polizist ins Auge gestochen ist:

Mittlerweile gilt als gesichert, dass die ersten Ordnungshüter in Kongsberg bereits fünf Minuten nach den ersten Notrufen vor Ort waren. Sie sahen den Radikalisierten, doch weil der auf Angriff schaltete, die Polizisten jedoch weder scharfe Waffen noch ausreichend Schutzkleidung trugen, mussten sie sich wieder zurückziehen, um erst das passende Equipment aus den Safes der Einsatzfahrzeuge zu holen. Das böse Ende ist bekannt: In der Zwischenzeit tötet der Wahnsinnige fünf wehrlose Menschen.

De facto hätte der Anschlag verhindert werden können. Aber offenbar hat Norwegen aus seiner Geschichte wenig gelernt: Vor zehn Jahren löschte der Attentäter Anders Breivik mit einer Autobombe im Regierungsviertel und einem Amoklauf auf der Ferieninsel Utoya 77 Leben aus. Vor neun Jahren wurde die Polizei sichtlich entwaffnet. War es das wert?

Christian Baha, Kronen Zeitung (Gastkommentar)

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