26.10.2021 12:01 |

Attentat jährt sich

Als der IS-Terror unser Land heimsuchte

Das Attentat von Wien vor bald einem Jahr hat uns für immer verändert. Die „Krone“ blickt am Nationalfeiertag und in den kommenden Tagen auf die traumatisierende Zeit zurück. Und was haben wir daraus gelernt?

Abends am 2. November 2020 im Bermudadreieck, dem belebtesten Ausgehviertel in der Bundeshauptstadt. Die Stimmung ist ausgelassen, gleichzeitig schwingt ein bisschen Wehmut mit. Denn es ist die Nacht vor dem nächsten landesweiten Corona-Lockdown. Viele Wiener und Besucher aus den Bundesländern ziehen noch einmal durch die verwinkelten Gassen. Es geht von einer Bar zur nächsten, nur das Kopfsteinpflaster wird für so manchen Stöckelschuh zur Hürde. Freunde treffen, trinken und feiern steht auf dem Plan. Eben all das, was ab dem kommenden Tag wegen Beschränkungen unmöglich sein sollte.

Schläfer richtete in neun Minuten Blutbad an
In den Lokalen ist die Stimmung auf dem Siedepunkt, draußen versammeln sich ein paar Raucher, als gegen 20 Uhr ein ohrenbetäubender Knall ertönt, dann der nächste - Schüsse im Herzen der Stadt! Der Terror hat unser Land erreicht - und von nun an sollte nichts mehr so sein, wie es früher einmal war.

Der in Österreich geborene und 20 Jahre alte Kujtim Fejzulai - seine Eltern stammen aus Nordmazedonien, er selbst ist ein Schläfer und IS-Sympathisant - richtet binnen neun Minuten ein Blutbad an. 17 Menschen werden angeschossen, weitere zehn von Splittern verletzt. Vier Opfer kommen bei dem Amoklauf ums Leben, ehe der in weiße Kleidung gehüllte und einen vermeintlichen Sprengstoffgürtel tragende Täter von Spezialkräften der Polizei kampfunfähig gemacht, sprich erschossen wird.

„Blutige Terrornacht vor dem Lockdown“ lautete unsere Schlagzeile am folgenden Tag, nachdem „Krone“-Reporter und Fotografen bis in die frühen Morgenstunden bei allen Tatorten und Dutzenden Adressen quer durch das Stadtgebiet ausgeharrt hatten und in unserer Redaktion in der Muthgasse die Drähte zusammenliefen. Das Titelfoto zeigte einen verwüsteten Schanigarten und Augenzeugen, die um das Leben eines Menschen kämpften.

Solidarität - ein Gefühl, das in den kommenden Tagen das ganze Land zusammenrücken ließ. Das Bermudadreieck wurde zum Meer aus Kerzen und Blumen. „Was für Zeiten!“ - so fassten wir damals die Stimmung zusammen, um gleichzeitig auch ein wenig Optimismus zu verbreiten: „Es kann nur besser werden.“

Massive Kritik am Staatsschutz
Die Tat sorgte für massive Kritik am Staatsschutz. Eine Kommission listete das Multiorganversagen der Behörden auf. Das skandalumwitterte und mittlerweile aufgelöste BVT hatte 13 Tage vor dem Attentat wegen eines Munitionsankaufs Ermittlungen gegen den Dschihadisten eingeleitet. Doch ohne die Spur weiterzuverfolgen. Führungskräfte wurden daraufhin suspendiert, der Geheimdienst in Folge auf neue Beine gestellt.

Zeit für eine sicherheitspolitische Verschnaufpause gibt es aber auch 365 Tage nach dem Anschlag nicht. „Die Bedrohungslage“, warnt Terrorexperte Dr. Amer Albayati, „bleibt angespannt“ und verweist in diesem Zusammenhang auf die veränderte Lage im Pulverfass Afghanistan.

Zu hoffen bleibt am Ende des Tages also, dass aus den Fehlern des Jahres 2020 gelernt wurde. 

Gregor Brandl
Gregor Brandl
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