Freundin (43) erstickt

Mordverdächtiger Polizist rief nach Tat Eltern an

Der Schock in der Wiener Kollegenschaft sitzt tief: Einer aus den eigenen Reihen soll seine Freundin getötet und seinen Eltern am Telefon alles gestanden haben, bevor er flüchtete. Trieb Eifersucht den Fahnder (44) zur Gewalttat?

Das Handy des Drogenfahnders des Landeskriminalamtes Wien ist seit Mittwochabend abgedreht, das Fluchtauto ließ er nahe seinem Elternhaus zurück. Er selbst ist offenbar mit seiner voll geladenen Glock-Dienstpistole untergetaucht. Auch am Tag nach dem schockierenden Verbrechen in der kleinen Gemeinde Deutsch-Brodersdorf im südlichen Niederösterreich bei Baden fehlt von dem mordverdächtigen Polizisten noch jede Spur.

Der 44-Jährige - geschiedener Vater eines erwachsenen Kindes - und seine Freundin (43) lebten nach außen hin als harmonisches Pärchen in ihrem schmucken Traumhaus. Das Glück des Inspektors, ein Fitness-Fan, und der hübschen, erfolgreichen Frau schien mit der Verlobung perfekt. Doch hinter der Fassade nagte an dem Ermittler rasende Eifersucht. Die sich jetzt in einer furchtbaren Gewalttat entlud.

Ein Streit und die düstere Beichte am Telefon
An diesem verhängnisvollen Abend kam es wieder zum Streit - mit tödlichem Ende. Nach dem Drama rief der Beamte seine Eltern an und beichtete ihnen alles. Sie waren es auch, die die Leiche ihrer zukünftigen Schwiegertochter fanden. Laut Obduktion wies die Tote schwere Hämatome am Kopf, Hals und Brust auf. Die 43-Jährige wurde erstickt.

Zu diesem Zeitpunkt war der Drogenfahnder der Wiener Außenstelle Süd bereits über alle Berge.

Verdächtiger ein ruhiger Einzelgänger
Die Mordermittler des Landeskriminalamts Niederösterreich und die Spezialeinheit Cobra samt Polizeisuchstaffeln mit Hunden, Hubschrauber und Drohnen fahnden jetzt nach dem Tatverdächtigen aus den eigenen Reihen. Auch wenn der Flüchtige von Kollegen als hilfsbereit, aber eher zurückhaltend und als ruhiger Einzelgänger beschrieben wird - „einer, der nach Dienstschluss lieber alleine nach Hause geht“ - wird mit Vorsicht gefahndet: Die Polizisten tragen Helme und kugelsichere Schutzwesten.

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Unser Kollege ist ein ruhiger Polizist, der nach Dienstschluss lieber nach Hause als auf ein gemeinsames Bier gegangen ist.

Ein Wiener Kriminalist

Insider gehen davon aus, dass er sich selbst richtet
Hinter vorgehaltener Hand wird jedenfalls davon ausgegangen, dass sich der flüchtige vormalige Beamte einer Einsatzgruppe keinem Feuergefecht stellt. Er hat ja auch nach der Tat nicht versucht, sich von Kollegen erschießen zu lassen, sprich „Suizid durch einen Polizisten“ zu begehen (englisch suicide by cop). Insider gehen eher davon aus, dass er sich bereits selbst gerichtet hat.

Da der 44-jährige Sportler die dicht bewaldete Heimatgegend wie seine Westentasche kennt, könnte sich die Suche nach ihm aber langwierig gestalten. Für seine Kameraden bedeutet das jedenfalls auch eine eher unangenehme Nervenprobe ...

Wenn das Böse Uniform trägt

Gewalttaten wie die jüngste in Deutsch-Brodersdorf sorgen zwar insgesamt für Schaudern - wenn es sich beim Täter noch dazu um einen Polizisten handelt, wird es noch heikler. Und naturgemäß ist es nicht das erste Mal, dass das Böse Uniform trägt - der letzte Fall liegt noch gar nicht so lange zurück und weckt Erinnerungen: In der ersten Oktoberwoche 2016 erschoss ein Wiener Polizist seine schwangere Lebensgefährtin und erwürgte einen Tag später seinen erst 20 Monate alten Sohn. Der Tragödie lag damals ebenfalls Eifersucht zugrunde. Weil Daniel L. das Verhalten seiner Freundin zuwider war, fasste er den teuflischen Entschluss, sie aus dem Weg zu räumen. Dafür musste seine Dienstwaffe herhalten - Kopfschuss! Den kleinen Sohn tötete er mit bloßen Händen, nachdem er ihm Frühstück zubereitet hatte. Von einem Geschworenengericht wurde der damals 23-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt.

Christoph Budin
Christoph Budin
Christoph Matzl
Christoph Matzl
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