15.10.2021 09:38 |

Bis zu 100 Jahre Haft

737-MAX-Abstürze: Boeing-Chefpilot vor Gericht

Wegen seiner Rolle bei den Abstürzen zweier Boeing-Maschinen vom Typ 737 MAX - wir berichteten - ist der ehemalige technische Chefpilot des US-Flugzeugbauers Boeing, Mark Forkner, angeklagt worden. Er habe der US-Flugaufsichtsbehörde (FAA) falsche, ungenaue und unvollständige Informationen über einen neuen Teil der Flugsteuerung der 737 MAX geliefert, so das US-Justizministerium am Donnerstag.

Im März 2017 wurde die 737 MAX zugelassen. Zwischen dem Flugzeugbauer und der FAA war der 49-jährige Mark Forkner die direkte Kontaktperson. Laut Dokumenten, die Anfang 2020 veröffentlicht wurden, hatte er damit geprahlt, seine FAA-Kollegen täuschen zu können, um die Zertifizierung für das speziell für die Boeing 737 MAX entwickelte Stabilisierungssystem MCAS zu erhalten, berichtete das „Wall Street Journal“.

Entschied sich bewusst zu schweigen
Laut Gerichtsdokumenten hatte Forkner Kenntnis über ein Problem erlangt. Dennoch entschied er sich bewusst dafür, diese Informationen nicht an die FAA weiterzugeben, wodurch keine spezielle Schulung für Piloten mit dem MCAS-System veranlasst wurde.

Insgesamt 346 Menschen gestorben
Im Oktober 2018 und im März 2019 stürzten dann in Indonesien und Äthiopien zwei Maschinen des Typs ab. Insgesamt starben bei den Unglücken 346 Menschen. In beiden Fällen hatte das MCAS falsche Daten übermittelt. Nach den beiden Abstürzen wurde im März 2019 ein weltweites Flugverbot für den früheren Verkaufsschlager von Boeing verhängt. Erst Ende 2020 - nach der Überarbeitung des Systems - wurde der Erlass wieder aufgehoben.

Boeing gestand Fehler ein
Anfang des Jahres hatte Boeing seine Verantwortung für die Abstürze eingestanden und eine Milliardenstrafe akzeptiert, um ein Strafverfahren abzuwenden. Der Konzern stimmte zu, eine 2,5-Milliarden-Dollar-Strafe und Entschädigung zu zahlen. Im September ließ dann ein US-Richter eine weitere Klage gegen das Unternehmen zu - diesmal gegen den ehemaligen Chefpiloten Forkner.

Bis zu 100 Jahre Haft
Forkner muss sich nun vor einem Geschworenengericht im US-Bundesstaat Texas wegen Betrugs verantworten. Verliert er den Prozess, drohen ihm bis zu 100 Jahre Haft. Grund für dieses hohe Strafmaß: Das Justizministerium könne Betrug nicht dulden, vor allem nicht in Branchen, in denen so viel auf dem Spiel steht, so der texanische Bundesstaatsanwalt Chad Meacham.

Hannah Tilly
Hannah Tilly
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