03.10.2021 08:43 |

Verzweifelte Suche

Fahrermangel: London bittet Deutsche um Hilfe

Im Zuge ihrer verzweifelten Suche nach Lastwagenfahrern hat die britische Regierung nun einen Aufruf an deutsche Staatsbürger des Landes gestartet. Einem Medienbericht zufolge haben Tausende Deutsche einen Brief bekommen, in dem sie gebeten werden, sich ans Steuer eines Lkw zu setzen - auch wenn sie das zuvor noch nie getan haben. Der Grund für diese skurrile Kampagne: Führerscheine der Klasse 3, die bis 1999 ausgegeben wurden, erlauben neben Pkw auch das Lenken von Kraftfahrzeugen bis 7,5 Tonnen.

Aus dem britischen Verkehrsministerium hieß es, der Brief sei an fast eine Million Menschen mit Lkw-Führerscheinen gesendet worden. Aus Datenschutzgründen sei es unmöglich gewesen, die Liste der Empfänger genauer nach Berufen zu filtern.

Investmentbanker: „Job-Perspektiven für uns nach Brexit“
„Es ist schön zu wissen, dass es noch immer Job-Perspektiven hier für uns nach dem Brexit gibt“, sagte ein 41-jähriger Deutscher, der mit seiner Frau in London lebt, dem „Independent“. „Wären wir nach Deutschland gegangen, wären wir wohl niemals als Lastwagenfahrer von Headhuntern angeworben worden.“ Vorerst wolle er seinen Job bei einer Investmentbank jedoch behalten, und seine Frau habe auch noch nie ein größeres Auto als einen Volvo gefahren und werde die „aufregende Möglichkeit“ wohl auch ausschlagen. Auch Universitätsprofessoren sollen sich einem Bericht der ARD-„Tagesschau“ unter den Adressaten befinden.

Für Empörung sorgte auch, dass die Briefe Berichten zufolge auch an Tausende Mitarbeiter der Rettungsdienste und Feuerwehr im Land gingen. Das, obwohl immer wieder erschreckende Statistiken über Wartezeiten bei Notfallaufnahmen veröffentlicht werden.

In Großbritannien herrschen seit mehr als einer Woche extreme Engpässe an vielen Tankstellen. Viele sind geschlossen. An den übrigen bilden sich lange Schlangen. In einigen Teilen des Landes soll sich die Lage gebessert haben. Das gilt nach Angaben eines großen Tankstellenverbandes jedoch nicht für London und den Südosten. Während sich die Lage in Schottland, dem Norden Englands und Teilen der Midlands gebessert habe, sei es im Süden „allenfalls schlimmer geworden“, sagte der Chef der Petrol Retailers Association, Brian Madderson, der BBC am Samstag.

Britische Armee hilft aus
Die Regierung erweiterte auch temporäre Visa-Erleichterungen für ausländische Lkw-Fahrer. So sollen bis zu 300 Fahrer aus dem Ausland sofortige Arbeitsvisa erhalten, die bis März gültig sein sollen. Bisher hatte die Regierung versucht, 5000 potenzielle Bewerber aus dem Ausland mit befristeten Visa von Ende Oktober bis Weihnachten auf die Insel zu locken. Die britische Armee hilft ab Montag ebenfalls aus.

Hintergrund für den Fachkräftemangel sind unter anderem der EU-Austritt Großbritanniens und eine Verschärfung der Einreiseregeln. Viele Lastwagenfahrer aus Osteuropa, die das Land während der Pandemie verließen, sind für den britischen Arbeitsmarkt damit wohl dauerhaft verloren gegangen.

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